Sonntag, 11. Februar 2018

Rezension: SOG von Yrsa Sigurðardóttir

Hallo ihr Lieben!

Ich melde mich heute mit einer Rezension zu "SOG" von Yrsa Sigurðardóttir bei Euch zurück. Verzeiht mir meine kleine Abwesenheit, aber Ende Januar standen wieder ein paar Studien-Prüfungen und Abgaben an und da bin ich kaum zum Lesen gekommen. Aber immerhin: Heute gibt meine Meinung zum 2. Thriller der "Kommissar Huldar und Psychologin Freyja"-Reihe. Was ich vom ersten Buch der Reihe halte, lest ihr in meiner Rezension zu DNA.

Details:
Cover: btb Verlag


  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (18. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442756642
  • ISBN-13: 978-3442756643
  • Preis: 20,00 €


  • Inhalt:

    Zwölf Jahre nach dem Tod und der Vergewaltigung eines Mädchens wird eine Zeitkapsel in Reykjavik gehoben. Darin enthalten: 10 Jahre alte Briefe von Schülern, die beschreiben, wie sie sich Island im Jahre 2016 vorstellen. Darunter findet sich noch etwas anderes: eine unheimliche Botschaft, die akribisch genau die Initialen von zukünftigen Mordopfern auflistet. Kurz danach werden zwei abgetrennte Hände in einem Hot Tub in der Stadt treibend gefunden. Doch noch hat keiner eine Vermisstenanzeige bei der Polizei gestellt. Schon bald taucht die erste verstümmelte Leiche auf, dicht
    gefolgt von einer zweiten, und es ist klar, dass die Botschaft aus der
    Zeitkapsel ernst zu nehmen ist.

    Ein Fall für Kommissar Huldar, der sich beweisen muss: von seinen Leitungsaufgaben entbunden, wird er von den meisten seiner früheren Untergegebenen gemieden, die Beziehung zur Kinderpsychologin Freyja ist ebenfalls ruiniert, was er zu reparieren hofft, indem er sie in die jetzigen Ermittlungen mit einbezieht ...
    Cover & Inhalt: btb Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover finde ich sehr gelungen, da es meiner Meinung nach perfekt zum Titel passt. Das Loch, das scheinbar an den Rändern anfängt zu bröckeln, die Blutstropfen und der orange Schriftzug stechen einem sofort ins Auge. Und das Buch löst tatsächlich einen regelrechten Sog aus, dem man sich nur schwer entziehen kann.
     
    Ich wurde von der ersten Sekunde an gefesselt, denn der Prolog verheißt nichts Gutes. 2004: Die kleine Vaka wartet an der Schule vergeblich auf ihren Vater, der einfach nicht kommt. Als sie eine merkwürdige Mitschülerin aus ihrer neuen Klasse entdeckt, die nur wenige Meter entfernt von der Schule wohnt, kommt ihr die Idee, dass sie ihren Vater doch vom Telefon ihrer Mitschülerin aus anrufen könnte. Die beiden machen sich auf den Weg. Die Mitschülerin drängt die ganze Zeit darauf, dass Vaka bloß leise sein soll, sobald sie zu Hause angekommen sind. Der Vater von Vakas Mitschülerin würde sonst böse werden. Doch es kommt, wie es kommen muss: Als sie bei dem Mädchen zu Hause ankommen, zum Telefon wollen, läuft anscheinend alles aus dem Ruder - am Ende des Prologs steht eine Vermisstenanzeige, in der die Polizei um Hinweise zum Verschwinden von Vaka bittet.
    Was Vaka zugestoßen ist und was für eine Lawine damit losgetreten wurde, erfährt der Leser erst nach und nach, als die Geschichte ins Jahr 2016 überspringt und Kommissar Huldar einen neuen Fall auf dem Tisch hat.
     
    Nachdem der letzte Fall mehr schlecht als recht endete, ist Kommissar Huldar seine Leitungsfunktion los, womit er sich allerdings schon angefreundet hat. Ihn ärgert es vielmehr, dass er jetzt eine niedrigere Position einnimmt, als er es vor der Übernahme der Leitungsfunktion getan hat. Die Fälle, die er bekommt, scheinen ihm nicht spektakulär genug, er fühlt sich unterfordert. Außerdem muss er alle Anweisungen von der schnippischen Erla,  die nun die Leitung übernommen hat und damit zum Teil überfordert zu sein scheint, befolgen.  Der vorherige Fall hatte aber auch Auswirkungen für Freyja: Sie ist nicht länger Leiterin des Kinderhauses, was ihr überhaupt nicht in den Kram passt. Sie macht Huldar dafür verantwortlich und vermeidet jeden Kontakt zu ihm.
    Als Huldar allerdings mit einer mysteriösen Zeitkapsel konfrontiert wird, in der eine Liste mit Initialen  von Personen stehen, die zeitnah sterben sollen, und schon bald zwei abgetrennte Hände in einem Hot Tub gefunden werden, müssen die beiden wieder kooperieren...
    Aber privat kommt auf Freyja auch noch etwas Neues zu: Sein Bruder, der im Knast sitzt und öfter Damenbesuch hat, ist unerwartet Vater geworden und Freyja will sich nun gelegentlich um das Baby kümmern...
     
    Der Fall hat mich auch dieses Mal gefesselt, da mir die Verbindung zwischen der Zeitkapsel und dem Prolog zunächst schleierhaft blieb und der gesamte Fall sehr komplex schien. Der Autorin gelingt es, durch ihren Schreibstil und den grundsätzlichen Plot eine düstere, mysteriöse Grundstimmung zu schaffen und damit für Spannung zu sorgen. Schließlich möchte der Leser wissen, warum die Menschen auf der Liste in der Zeitkapsel stehen und wie alles in allem zusammenhängt. Ich persönlich hätte mir allerdings noch ein oder zwei actionreichere Szenen gewünscht, da die Ermittlungen zum Teil etwas dahinplätschern und etwas mehr Abwechslung gut gewesen wäre. Positiv ist allerdings, dass die Autorin auf unnötige Wiederholungen, die mich im ersten Teil massiv gestört haben, dieses Mal verzichtet.
    Zu dem Fall möchte ich an dieser Stelle nichts weiter sagen, um nicht die Leselust zu nehmen und zu viel zu verraten. Eins kann ich allerdings verraten: Die blutigen Verbrechen, die scheinbar mit der Zeitkapsel und irgendwie auch mit Vaka zusammenhängen, reißen nicht ab und sind definitiv nichts für Zartbesaitete. Die Auflösung ist letztlich schlüssig und ausführlich und die Motive sind nachvollziehbar geschildert. Auch mit unvorhersehbaren Wendungen (Ich sag nur Epilog) kann die Geschichte punkten.
    Die Charaktere haben mich auch dieses Mal wieder überzeugt und ich finde es toll von der Autorin, dass sie sozusagen mit der zwischenmenschlichen Beziehung der beiden Protagonisten spielt. Zwischen Huldar und Freyja herrscht die ganze Zeit ein Auf und Ab. Sie scheint einerseits distanziert und trotzdem interessiert. Er möchte sie irgendwie rumkriegen und sucht ihre Nähe, vermasselt es dann aber doch wieder, indem er mit einer anderen in der Kiste landet (mit wem lasse ich hier bewusst offen). So ist auch das Privatleben der beiden durchaus turbulent und spannend, was sich natürlich auch auf ihre gemeinsame Arbeit auswirkt. Ob die beiden in Zukunft vielleicht doch noch ein Paar werden könnten, wird bewusst offen gelassen.
     

    Fazit:

    "SOG" löst tatsächlich einen Sog aus. Die mysteriöse Zeitkapsel, in der die Initialen von verschiedenen Menschen stehen, die bald sterben sollen, Morde und abgetrennte Gliedmaßen, die nach und nach passieren bzw. auftauchen, und die kleine Vaka aus dem Prolog - Der Leser ist davon gefesselt, zu erfahren, wie das alles zusammenhängt. Die Autorin sorgt mit dem Plot und ihrem Schreibstil für eine mysteriöse, düstere Grundstimmung und damit für Spannung. Auch wenn mir der zweite Thriller aus der Reihe schon besser gefallen hat, ist meiner Meinung nach noch Luft nach oben. Yrsa Sigurdardottir verzichtet zwar auf unnötige Wiederholungen, die mich im ersten Teil so sehr gestört haben, die Ermittlungen plätschern zum Teil aber trotzdem etwas dahin. Ein und oder zwei actionreichere Szenen täten dem Ganzen ganz gut. Die Auflösung und die genannten Motive werden schlüssig und ausführlich geschildert, sind für den Leser somit nachvollziehbar. Ebenfalls interessant ist das Verhältnis zwischen Huldar und Freyja, denn zwischen den beiden Protagonisten gibt es immer wieder ein Auf und Ab. Ich bin schon gespannt, wie sich das noch in Zukunft entwickeln wird.
     
    4 / 5 Sterne
     
    Wie findet ihr die Reihe? Welche Bücher sind besonders lesenswert von der Autorin? Her mit Euren Meinungen!
     
     
     
     

    Dienstag, 2. Januar 2018

    Rezension: DNA von Yrsa Sigurðardóttir

    Hallo ihr Lieben!

    Ich hoffe, dass ihr alle gut ins neue Jahr gestartet seid und einen tollen Silvesterabend mit Freunden und Familie verbracht habt. Heute habe ich eine Rezension zu "DNA" von Yrsa Sigurðardóttir für Euch. Das Buch habe ich zum Nikolaustag bekommen und es war mein erster Thriller, der in Island spielt. Den zweiten Teil der "Kommisar Huldar und Psychologin Freyja"-Reihe ("Sog") habe ich übrigens zu Weihnachten bekommen. Eine Rezension dazu wird also zeitnah folgen.


    Details:
    Cover: btb Verlag


  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (9. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 344271575X
  • ISBN-13: 978-3442715756
  • Originaltitel: DNA
  • Preis: 10,00 €


  • Inhalt:

    Er schlägt erbarmungslos zu. Wie aus dem Nichts. Zuerst trifft es eine junge Familienmutter nachts in ihrer Wohnung in Reykjavik. Einzige Zeugin ist ihre siebenjährige Tochter, die wider Erwarten den Angriff übersteht. Als wenig später eine zweite Frau unter ähnlich brutalen Vorzeichen ihr Leben verliert, steht die Polizei vor einem Rätsel. Kommissar Huldar, der die Ermittlungen leitet und sich erstmals in einem so wichtigen Fall beweisen muss, hat darüber hinaus ein weiteres Problem. Er ist gezwungen, mit der Psychologin Freyja zusammenzuarbeiten, mit der er vor kurzem nach einer Kneipentour unter falschen Angaben die Nacht verbracht hat. Währenddessen beschließt ein junger Amateurfunker, auf eigene Faust zu ermitteln, nachdem ihn kryptische Botschaften zu den beiden Opfern erreichen. Dass er sich damit selbst in Gefahr bringt, kann er nicht wissen.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: btb Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover ist mir sofort ins Auge gesprungen, als ich Ende November im Buchladen gestöbert habe. Mir gefällt der blutrote Schriftzug "DNA" auf dem gräulichen Hintergrund sehr gut, da alles zusammen irgendwie unruhig und düster wirkt. Vermutlich habe ich gerade deshalb zugegriffen, mir den Klappentext durchgelesen und das Buch gewünscht.
     
    Der Thriller startet mit einem interessanten Prolog: Drei kleine Geschwister, zwei Jungen und ein Mädchen, werden von einander getrennt, indem sie von unterschiedlichen Familien adoptiert werden. Die Verabschiedungsszene ist irgendwie herzergreifend. Dann startet auch schon die eigentliche Geschichte, die viele Jahre später spielt. Was aus den Kindern von früher wurde, bleibt unklar (bis kurz vor Schluss des Buchs).
    Eine Frau wird auf bestialische Weise von einem Unbekannten ermordet. Noch viel schlimmer: Ihre kleine Tochter hat sich während des Mordes unter dem Bett der Mutter verkrochen, versteckt gehalten und wird dort von Kommissar Huldar entdeckt, als die Polizei eintrifft, um den Tatort zu untersuchen. Die Kleine ist die einzige Zeugin und soll aussagen, um Hinweise auf den möglichen Täter zu liefern. Im Kinderhaus trifft Huldar dann auf die Psychologin Freyja, die die Vernehmung des Mädchens organisieren und überwachen soll. Das Brisante: Huldar ist Freyja schon einmal zuvor begegnet und hat unter falscher Identität mit ihr geschlafen, was ihr nun bewusst wird. Die beiden müssen nun aber trotzdem gemeinsame Sache machen, um den komplizierten Mordfall zu lösen. Und es bleibt nicht bei einer Leiche. Währenddessen stößt Amateurfunker Karl auf einen mysteriösen Zahlensender, der ausgerechnet die ID der ermordeten Frau ausspuckt und bekommt immer wieder neue verschlüsselte Zahlencodes.
     
    Für mich persönlich war der Einstieg in die Geschichte etwas gewöhnungsbedürftig, da ich bisher eben noch keine isländischen Thriller gelesen habe und dementsprechend von den 'merkwürdigen' Namen verwundert war. Das hat sich dann mit der Zeit aber gelegt. Die Mordserie, die die Autorin hier schildert, fand ich persönlich wirklich interessant, da der Killer sehr brutal agiert und ungewöhnliche "Tötungs-Werkzeuge" verwendet. Definitiv nichts für schwache Nerven. Natürlich ist der Leser die ganze Zeit über damit beschäftigt, zu rätseln, wer der Mörder sein könnte und aus welchem Motiv er vorgeht. Der zweite Handlungsstrang mit Karl, der Amateurfunker ist, lässt einen ebenfalls nicht los, da man die ganze Zeit einen Zusammenhang zwischen den Morden und ihm auszumachen versucht bzw. verstehen will, welches Spiel der Killer mit ihm treibt. Zumal es zu weiteren Morden kommt und Karl auch die ID des zweiten Opfers zu hören bekommt.
     
    Der Autorin gelingt es, ein gutes Bild ihrer Charaktere zu zeichnen. Kommissar Huldar ist eine Person mit Ecken und Kanten, zum Teil eine Art Bad Boy und dennoch sympathisch. Er hat nicht nur Freyja etwas vorgelogen, als er mit ihr geschlafen hat (Er hat es schwer, eine Frau kennenzulernen, die seinen Job akzeptiert, und hat ihr deshalb einen anderen Namen und Job genannt), sondern verheimlicht auch einem Kollegen, dass er mit dessen Frau geschlafen hat. Die Frau des Kollegen hatte zuvor schon zwei Babys verloren und war daraufhin ein drittes Mal schwanger, hat das Kind aber wieder verloren. Das Kind hätte also von ihrem Ehemann oder von Huldar sein können. Huldar macht sich nun im Nachhinein Vorwürfe, dass er sich diesen Fehltritt geleistet hat und weiß nicht, wie er sich seinem Kollegen gegenüber verhalten soll. Dadurch, dass Huldar eine Beförderung bekommen hat und die Ermittlungen zum Mordfall leitet, muss er eng mit ihm zusammenarbeiten.
     Mich persönlich es irgendwann genervt, dass sich Huldar immer und immer wieder Gedanken darüber macht und sein schlechtes Gewissen eigentlich andauernd in ähnlichen Passagen geschildert wird. Ich hatte dadurch das Gefühl, dass sich der Charakter irgendwie immer im Kreis dreht und habe (fast bis zum Schluss) keine richtige Entwicklung ausmachen können. Es hätte gereicht, wenn die Autorin die Umstände zwei Mal wiedergegeben hätte, aber doch nicht ständig. So hätte man locker 25 Seiten einsparen können. Außerdem hat es mich genervt, dass andauernd erwähnt werden musste, dass Huldar Nikotinkaugummis kaut. Auch das hätte zwei Mal gereicht - aber doch nicht gefühlt alle 30 Seiten. So ging auf Dauer auch etwas die Spannung verloren, da sich Dinge in längeren Absätzen immer wiederholt haben.
    Psychologin Freyja scheint zunächst etwas gekränkt zu sein, dass Huldar sie belogen hat. Sie zeigt sich nach außen hin auch bewusst unterkühlt und geht auf seine Annäherungsversuche (Er scheint wirklich Interesse an ihr zu haben) nicht weiter ein. Sie versucht das Ganze professionell anzugehen. Privat ist sie alleinstehend und lebt in der Wohnung ihres Bruders, der eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Sie kümmert sich um seinen Hund. Insgeheim merkt der Leser, dass sie mit ihrer Situation nicht hundertprozentig zufrieden ist und gerne einen Partner an ihrer Seite hätte, auch wenn sie das nicht zugeben würde. Sie ist ein sehr einfühlsamer Mensch und man merkt, dass sie sich als Psychologin sehr gut in andere Menschen hineinversetzen kann.
    Auch die anderen Charaktere sind allesamt sehr gut ausgearbeitet. So hat man vom Amateurfunker Karl ein ganz klares Bild vor Augen: Er ist 24 Jahre alt, Chemiestudent (wobei er fast nie in der Uni ist) und geht etwas schusselig durchs Leben. Er hat nur zwei Freunde und macht insgesamt den Eindruck, als wäre er ein Nerd, der sehr zurückgezogen lebt und sich nur für die Funkerei interessiert. Er wurde adoptiert, seine Adoptiv-Mutter ist gestorben. Seitdem lebt er alleine in ihrem Haus, da sein Bruder (ein anderer adoptierter Junge, sprich: kein leiblicher Bruder) in Amerika lebt und sich etwas von ihm distanziert hat. Als Karl den mysteriösen Zahlensender entdeckt, ist er sofort Feuer und Flamme und stellt eigene Recherchen an. Insgeheim ist er enttäuscht, dass sich seine beiden Kumpels nicht mehr so stark für die Funkerei interessieren und seine Begeisterung für die Zahlencodes nicht gänzlich teilen.
     
    Auch wenn die Geschichte, wie bereits zuvor erwähnt, zwischenzeitlich ein paar Längen und damit an Spannung verloren hatte, konnte mich das Ende voll und ganz überzeugen. Hinter die Identität des Mörders bin ich bis zum Schluss nicht gekommen und war deshalb auch sehr überrascht. Insgesamt ist es der Autorin gelungen, alle Handlungsstränge wirklich sinnvoll miteinander zu verbinden und das Motiv des Mörders, weshalb er die Menschen umgebracht hat, schlüssig zu erklären. Dass damit auch ein sinnvoller Bogen zum Prolog entsteht, hat mich noch einmal mehr überzeugt.
     

    Fazit:

    Insgesamt ist Yrsa Sigurðardóttir mit "DNA" ein interessanter Einstieg in ihre neue Krimi-Reihe gelungen. Die Morde sind brutal, außergewöhnlich und nichts für schwache Nerven. Die beiden Protagonisten sind beide wirklich gut ausgearbeitet und man darf gespannt sein, wie sich deren Beziehung zueinander in den Folge-Bänden noch entwickeln wird. Leider haben ständige Wiederholungen von ähnlichen Gedanken dazu geführt, dass zwischenzeitlich die Spannung leider etwas verloren ging, ich manchmal mit den Augen rollen musste und sich die Charaktere für meinen Geschmack auch nur langsam entwickelt haben. Die Auflösung am Ende konnte mich dann aber doch überzeugen, da sie für mich unvorhersehbar war, das Motiv plausibel erscheint und alle Handlungsstränge sinnvoll miteinander verknüpft werden.
     
    3.5 / 5 Sterne
     
     
     
     

    Freitag, 29. Dezember 2017

    Meine Thriller-Schätze von Arvelle.de (Kooperation)

    Hallo ihr Lieben!

    Als Thriller-Fan stöbere ich natürlich auch öfter in den großen Kisten mit Mängelexemplaren im Supermarkt oder in Bücherläden. Richtige Schätze habe ich dort persönlich leider noch nicht entdeckt. Entweder haben mich die Titel nicht angesprochen oder ich hatte manche der Bücher schon im Regal, aber zuvor den vollen Preis dafür bezahlt. Nun habe ich eine tolle Alternative entdeckt und zum ersten Mal bei Arvelle bestellt. Natürlich wollte ich Euch nicht vorenthalten, was ich dort Spannendes entdeckt habe und was ich über den Onlineshop und das Angebot denke.
    Eins vorab: Das Team von Arvelle hat mir freundlicherweise einen Gutscheincode für meine Bestellung zur Verfügung gestellt. Trotzdem spiegelt dieser Blogpost komplett meine eigene Meinung wider, wurde komplett von mir selbst verfasst und enthält Infos, die mir persönlich wichtig und nennenswert erschienen. Es findet keinerlei Bezahlung für das Posting statt.
    Meine erste Bestellung von Arvelle ist angekommen. Foto: PetersBücherkiste

    Was gibt es bei Arvelle?

    Für die, die es nicht wissen: Arvelle ist ein Onlineshop, der Mängelexemplare und Restauflagen verkauft. Mängelexemplare sind in dem Fall Rückläufer aus Buchhandlungen oder von Verlagen, die beispielsweise leichte Transport- oder Lagerschäden haben und deshalb nicht mehr zum vollen Ladenpreis verkauft werden können. Arvelle kauft diese Mängelexemplare bei Verlagen und Großhändlern auf und verkauft diese wiederum an interessierte Leser, die sich daran nicht stören und von dem günstigeren Preis profitieren.
    Bei Arvelle gibt es aber selbstverständlich nicht nur Thriller im Angebot. Dort gibt es Romane aus den unterschiedlichen Genres (z.B. Fantasy, Historische Romane, Jugendromane, Biografien, Science Fiction, etc.), Kinderbücher, Ratgeber, Kreativ- und Kochbücher sowie Hörbücher. Manchmal gibt es auch spezielle Bundles, wo beispielsweise mehrere Krimi- oder Fantasy-Titel  in einem Paket angeboten werden.

    Was ich bei Arvelle bestellt habe

    Natürlich habe ich bei Arvelle zunächst nach Autoren gesucht, die ich persönlich mag und von denen ich schon etwas gelesen habe, das mich überzeugt hat. Selbstverständlich durfte da Ursula Poznanski nicht fehlen, von der ich zuletzt "Fünf" gelesen habe und die mich damals schon mit ihren ersten beiden Jugend-Thrillern überzeugt hat.
    Bei Arvelle habe ich zum Glück den zweiten und dritten Teil ihrer "Kaspary und Wenninger"-Thriller-Reihe entdeckt und unverzüglich in den Warenkorb gepackt. Schließlich wollte  ich "Stimmen" und "Blinde Vögel" ( "Schatten" , den 4. Teil, habe ich ja schon gelesen) auch demnächst noch lesen und für Euch rezensieren. Da hat das einfach gepasst, sie bei dieser Gelegenheit gleich zu bestellen.
    Bei Ursula Poznanski war natürlich auch Arno Strobel naheliegend, von dem ich bereits "Die Flut" und die beiden Bücher, die er zusammen mit der zuvor genannten Autorin geschrieben hat, gelesen habe. "Das Dorf" und "Der Sarg" haben mich neugierig gemacht und mussten einfach mit.
    Zuletzt habe ich mich für "Das Gesicht meines Mörders" von Sophie Kendrick entschieden, weil mich das Buch schon öfter im Laden angesprochen und der Klappentext total neugierig gemacht hat.  Außerdem kenne ich die Autorin bisher nicht und wollte auch etwas Neues entdecken. In dem Buch geht es um Clara, die aus dem Koma erwacht, sich an ihren eigenen Namen und Ehemann nicht erinnern kann und nun wissen will, wer sie umbringen wollte.
    Aber ganz ehrlich: Ich hätte noch viel mehr Bücher bestellen können, denn es gab noch viele weitere Titel, die ich sehr spannend und interessant gefunden habe. Diese sind erst einmal auf meinem Merkzettel gelandet und werden sicherlich in naher Zukunft noch folgen.  
    Diese Thriller-Schätze habe ich bei Arvelle bekommen. Foto: PetersBücherkiste

    Die Qualität meiner bestellten Bücher

    Meine Bestellung hat mich zügig (circa zwei Tage nach dem Bestellen) erreicht und ich war richtig gespannt, wie die Bücher aussehen werden, da ich schon mehrere Videos von BookTubern gesehen habe, die von der Qualität der Bücher geschwärmt haben. Teilweise wurde gesagt, dass die Bücher fast keinerlei Spuren haben und nur den typischen "Preisreduziertes Mängelexemplar"-Stempel aufweisen. Meine Bücher hatten leider nicht nur den Mängelexemplar-Stempel; es gab auch ein paar (gröbere) Macken. Finde ich persönlich aber auch nicht schlimm, da ich mich auf Mängelexemplare eingelassen habe und dann damit rechnen muss. In den Grabbelkisten im Supermarkt haben die Bücher zum Teil auch angehauene Ecken, irgendwelche Schnitte oder anderweitige Mängel.  Meine Bücher sind übrigens alle aus der Zustands-Kategorie "Gut". Vielleicht sind die Bücher mit dem Hinweis "Sehr gut" tatsächlich etwas besser vom Zustand her. Achtet bei Eurer Bestellung einfach mal darauf.
    Kleine Schnitte müssen in Kauf genommen werden.
    Alle fünf Bücher hatten irgendwo auf der Rückseite zum Teil Schnitte oder Einprägungen. Bei zwei Büchern waren oben neben dem Mängelexemplar-Stempel noch ein paar leichte Flecken (vermutlich vom Lagern). Mich persönlich stört das Ganze aber nicht, da die Bücher alles in allem in einem guten Zustand sind und im Regal immer noch gut neben den anderen Büchern von mir mithalten können. Solange der Buchrücken einwandfrei ist, sich die Beschmutzung in Grenzen hält und auch das Cover vorne nicht beschädigt ist, ist für mich alles in Ordnung.
    Auch Lagerflecken können vorkommen. Foto: PetersBücherkiste

    Mein Fazit: Lohnt sich Arvelle oder nicht?

    Für mich persönlich lohnt sich Arvelle auf jeden Fall, da ich dort Bücher finde, die ich in irgendwelchen Mängelexemplar-Kisten im Supermarkt oder im Buchladen sicherlich nicht finden
    würde. Ich werde definitiv auch in Zukunft noch die ein oder andere Bestellung dort aufgeben, da ich noch viele spannende Titel im Sortiment entdeckt habe.
    Natürlich muss am Ende jeder selbst wissen, inwiefern er Bücher mit kleineren Macken oder Lagerspuren in seinem Regal haben möchte. Mich persönlich stört das nicht, zumal die Mängel überhaupt nicht auffallen, wenn am Ende Buch neben Buch steht.
    Außerdem finde ich, dass das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Oftmals kann man echt gute Deals machen und fast 50 Prozent im Vergleich zum Originalpreis sparen. Die Bücher, die ich mir ausgesucht habe, hätten im Laden jeweils 9,99 € gekostet - bei Arvelle nur 4,99 €. Für Viel-Leser ist Arvelle meiner Meinung nach auf jeden Fall lohnenswert.
    Disclaimer: Wie bereits zuvor oben erwähnt, hat mir Arvelle einen Gutscheincode zur Verfügung gestellt. Der Blogpost spiegelt aber in vollem Umfang meine eigene Meinung wider. Vielen Dank an Arvelle für die Zusammenarbeit.
    Habt ihr schon einmal bei Arvelle bestellt? Was haltet ihr vom Angebot? Sind Mängelexemplare für Euch ein Go oder ein No-Go in Eurem Bücherregal?

    Dienstag, 19. Dezember 2017

    Rezension: Fünf von Ursula Poznanski

    Hallo ihr Lieben!

    Wie viele von Euch sicherlich wissen, habe ich im März dieses Jahres "Schatten", den vierten Teil der "Beatrice Kaspary und Florin Wenninger"-Reihe von Ursula Poznanski, gelesen, obwohl ich den zweiten und dritten Teil nicht gekannt habe. Letztens hat mich die Lust gepackt und ich habe mir "Fünf" erneut geschnappt, um die Reihe noch einmal von vorne zu starten und demnächst auch die fehlenden Teile zu lesen. Heute bekommt ihr also eine Rezension zum ersten Erwachsenen-Thriller der Autorin und ich hoffe, ihr bekommt auch etwas Lust auf die Reihe, wenn ihr sie noch nicht kennen solltet.

    Cover: Rowohlt
    Details:

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 9 (1. Juli 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499257564
  • ISBN-13: 978-3499257568
  • Preis: 9,99 €


  • Inhalt:

    Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. Sie führen zu einer Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und zu einem Rätsel, dessen Lösung wiederum zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt. Es ist ein blutiges Spiel, auf das sich das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger einlassen muss. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, die Morde folgen immer schneller aufeinander. Den Ermittlern läuft die Zeit davon. Sie ahnen, dass erst die letzte Station der Jagd das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird ...
    Copyright Inhalt & Cover: Rowohlt Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover trifft meinen persönlichen Geschmack so gar nicht, da es für mich zu harmlos und unscheinbar ist. Man kann sich zwar gut vorstellen, dass man womöglich einen Ausschnitt von der Kuhweide sieht, auf der das erste Opfer gefunden wird, aber die Autorin oder der Verlag hätte auch ein drastischeres Bild, beispielsweise von einem verschweißten Körperteil in einer Box, zeigen können, um den Leser noch neugieriger zu machen oder zu schockieren.

    Die Geschichte ist meiner Meinung nach sehr besonders und zieht einen von Anfang an in den Bann, da ein scheinbar harmloses Hobby, das Geocaching, mit grausamen Morden kombiniert wird und der Killer die beiden Ermittler an der Nase herumführt.
    Beatrice Kaspary und Florin Wenninger werden zu einer Kuhweide gerufen, auf der das erste Opfer, eine junge Frau, gefunden wird. Sie hat auf ihren Fußsohlen Koordinaten tätowiert, die ihr erst nach ihrem Tod hinzugefügt wurden. Der Spürsinn von Beatrice ist sofort geweckt und als das Ermittler-Team den Koordinaten folgt, findet es in einem Plastikbehälter eine eingeschweißte Hand, die zu einem weiteren Opfer gehört. Aber in dem Behälter ist noch mehr: Eine Notiz des Killers - ein Rätsel, das gelöst werden muss, um womöglich hinter die Identität der Person oder eines nächsten Opfers zu kommen. Gemeinsam mit einem weiteren Kollegen begeben sich die beiden Ermittler in die Welt des Geocachings - nur hier sind die Schätze grausamer Natur.
    Poznanski gelingt es, die Spannung gleich zu Anfang zu entfachen und einen guten Spannungsbogen aufzubauen. Der Leser ist daran interessiert, zu erfahren, wer die Opfer sind, weshalb sie sterben mussten und was sich der Killer von allem verspricht. Natürlich tauchen weitere Körperteile und Rätsel auf und der Killer scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein. Gesteigert wird das Ganze dadurch, dass der Killer per SMS Kontakt mit Beatrice aufnimmt und Dinge aus ihrer Vergangenheit weiß, die ihr heute noch zusetzen.
    Der flüssige Schreibstil der Autorin trägt ebenfalls dazu bei, dass der Leser immer wieder zum Weiterlesen animiert wird. Das Spannungslevel  wird gerade zum Ende hin noch einmal deutlich angezogen, da sich Beatrice auf ihre Instinkte stützt und sich damit selbst in Gefahr bringt. Besonders gut gefallen hat mir, dass das Ende nicht auf wenigen Seiten abgehandelt wurde (wie es manchmal bei Thrillern leider der Fall ist und der Leser dann mit 1000 Fragezeichen zurückbleibt), sondern die Beweggründe und das Vorgehen des Killers ausführlich geschildert wurden. So wurde das Motiv sehr gut ersichtlich.
     
    Der Autorin ist es außerdem gelungen, interessante Charaktere zu entwickeln, bei denen man Lust hat, weitere Geschichten/Fälle mit ihnen zu erleben. Beatrice hat sich von ihrem Mann Achim getrennt und versucht nun ihr Leben als Alleinerziehende und als Ermittlerin unter einen Hut zu bekommen. Das Verhältnis zu ihrem Ex-Mann ist schwierig und sie hat das Gefühl, dass er immer wieder versucht, Mina und Jakob, die gemeinsamen Kinder, gegen sie aufzustacheln. Durch den neuen Fall hat sie leider wenig Zeit für ihre Kinder, die sie zwischenzeitlich bei ihrer Mutter unterbringt. Von ihren Kollegen bekommt sie Anerkennung für ihren besonderen Spürsinn; nur das Verhältnis zu ihrem Chef ist ziemlich kritisch und sie gerät immer wieder mit ihm aneinander. Privat scheint sie ein Erlebnis aus ihrer Vergangenheit immer wieder zu beschäftigen und es blitzt zwischendurch auf, dass sie wegen irgendwas Schuldgefühle hat. Die Hintergrundgeschichte wird zum Teil in diesem Thriller bereits erklärt, im vierten Band spielt das Ganze allerdings noch einmal eine wichtigere Rolle.
    Mit Florin Wenninger hat sie einen fürsorglichen und aufmerksamen Arbeitskollegen an ihrer Seite. Er merkt immer sofort, wenn Beatrice etwas belastet, sie sich selbst zu viel zumutet oder es ihr einfach nicht gut geht. Die beiden haben ein enges Verhältnis zueinander und es deutet sich bereits unterschwellig an, dass aus den beiden ein Paar werden könnte. Insgesamt verpackt die Autorin das aber ganz gut und es wirkt nicht zu gewollt oder aufdringlich.
     

    Fazit:

    "Fünf" ist der erste spannende Erwachsenen-Thriller von Ursula Poznanski, der definitiv Lust auf mehr macht. Das harmlose Hobby Geocaching wird hier auf grausame Weise praktiziert: Leichenteile werden verschweißt und in Boxen verpackt, Rätsel verteilt und die Polizei an der Nase herumgeführt. Der Killer scheint der Polizei einen Schritt voraus zu sein und der Ermittlerin Beatrice Kaspary immer näher zu kommen. Ursula Poznanski gelingt es, einen überzeugenden Spannungsbogen zu entwickeln und das Motiv und Vorgehen des Täters am Ende auf spannende Weise ausführlich zu erklären.    Beatrice Kaspary und Florin Wenninger sind zwei sympathische, engagierte Ermittler, die man gerne auch bei weiteren Fällen verfolgen möchte.

    4 / 5 Sterne


    Wie findet ihr die Reihe von Ursula Poznanski? 

    Montag, 20. November 2017

    Rezension: Ragdoll von Daniel Cole

    Hallo ihr Lieben!

    "Ragdoll - Dein letzter Tag" von Daniel Cole habe ich bereits zu meinem Geburtstag im August geschenkt bekommen, bin bisher aber nie zum Lesen des Buchs gekommen, weil andere Bücher oder Rezensionsexemplare dann doch Priorität hatten. Das hat sich nun geändert, weswegen ihr hier heute eine Rezension zum besagten Titel vorfindet. Bei dem Thriller handelt es sich um das Debüt des englischen Krimi-Autors Daniel Cole, der die Geschichte ursprünglich in einem TV-Drehbuch verarbeitete, damit aber bei Produktionsfirmen abblitzte. Nun hat er seine Geschichte also für Leser in einem Buch aufbereitet und konnte darüber hinaus TV-Rechte vermarkten, weshalb es gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass "Ragoll" irgendwann zur Serie wird. Gelungen ist das Debüt auf jeden Fall.
     
    Details:
    Cover: Ullstein Verlag
  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (27. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548289193
  • ISBN-13: 978-3548289199
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Lumpenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes .
    Inhalt & Cover: Ullstein Verlag


    Meine eigene Cover:

    Das schwarze Cover mit der goldenen Schrift, die sich vom Hintergrund abhebt, gefällt mir an sich sehr gut, da es edel und interessant wirkt. Allerdings verstehe ich persönlich nicht, warum man sich dazu entschieden hat, einen Raben darauf abzubilden. Raben spielen in der ganzen Geschichte überhaupt keine Rolle. Sinnvoller wäre es gewesen, einen Wolf als Cover-Motiv zu wählen (in Anlehnung an den Protagonisten, der Wolf genannt wird).
     
    Die Geschichte hat meiner Meinung nach sehr gut begonnen. Der Leser bekommt einen Einblick in einen Gerichtssaal, wo gerade ein mutmaßlicher Täter, der 27 Frauen bei lebendigem Leib verbrannt haben soll (Er wird deshalb auch der "Feuerbestatter" genannt), sitzt und über seine Schuld oder Unschuld entschieden werden soll. Als dieser freigesprochen wird, stürzt sich Detective William Oliver Layton-Fawkes auf ihn und schlägt auf ihn ein (er ist von seiner Schuld überzeugt), Chaos bricht aus. Wegen des Vorfalls wird Wolf schließlich suspendiert (es gab zuvor schon Bedenken, dass er sich zu sehr in den Fall reinsteigert und allmählich seinen Stand verliert) und landet daraufhin in einer Psychiatrie.
    Vier Jahre später ist Wolf wieder im Dienst. Es taucht eine "Ragdoll" auf (ein Körper, der aus mehreren Leichenteilen zusammengesetzt wurde), die mit dem Fall von damals zusammenhängt (inwiefern will ich an dieser Stelle nicht verraten). Die Polizei muss nun alles daran setzen, um herauszufinden, wer die Menschen waren und aus welchen Grund sie getötet wurden. Außerdem wird seiner Ex-Frau Andrea, die bei einem großen Nachrichtensender arbeitet, eine Liste mit Namen und deren Todestag zugespielt. Wolf soll als letztes Opfer sterben und die Polizei muss nun alles daran setzen, die baldigen Opfer ausfindig zu machen und zu beschützen.
     
    Ich persönlich fand die Geschichte wirklich spannend konzipiert, da man eben mehrere Dinge gleichzeitig wissen möchte: Zu wem gehören die Leichenteile der Ragdoll und warum wurden diese Menschen ermordet? Was hat es mit der Namens-Liste auf sich und warum sollen noch mehr Menschen sterben? Inwiefern besteht dort eine Verbindung? Wieso ist Wolf auf der Liste? Wer ist der Ragdoll-Mörder und wieso tut er das alles? Diese ganzen Fragen führen dazu, dass man unweigerlich weiterlesen möchte und immer wieder angetrieben wird. Außerdem fand ich die Idee mit der Ragdoll  sehr originell und sie kam bisher so in keinem Thriller vor, den ich gelesen habe. Im weiteren Verlauf sterben noch - wer hätte es gedacht - weitere Menschen. Auch diese Szenen sind sehr spektakulär und abwechslungsreich und zeigen, dass der Killer immer einen Schritt weiter ist.
    Der Schreibstil des Autors trägt ebenfalls dazu bei, dass sich das Buch sehr schnell und flüssig lesen lässt. Teilweise wirkt das Ganze wirklich cineastisch, also man hat immer ein Bild im Kopf und könnte sich vorstellen, dass das Geschriebene so in einer Serie stattfinden könnte. Zwischenzeitlich haben sich allerdings doch Längen eingeschlichen, wo nicht wirklich Spannung aufkam. Dem Buch hätte es durchaus gut getan, wenn es 50 Seiten weniger hätte. Zwischendurch und auch zum Ende hin gibt es teilweise Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Ich weiß, dass viele die Hauptwendung (so knapp auf den letzten 120 Seiten) nicht so sehr mochten. Ich fand das Ende allerdings gelungen, da es doch mal etwas Anderes war. Für meinen Geschmack hätte der Autor aber noch besser erklären können, aus welchen (eigenen) Motiven der Killer letztlich ans Werk geht. Das blieb für mich am Ende etwas offen.
     
    Die Figuren sind allesamt sehr gut ausgearbeitet und könnten so definitiv in einer guten Krimi-Serie vorkommen. Allen voran natürlich Wolf, der ein sehr akribischer, charismatischer Ermittler ist und sofort alles daran setzt (auch nicht immer nach allen Regeln der Polizei), den Ragdoll-Mörder zu fassen. Man hat im Laufe des Buchs wirklich das Gefühl, dass er sich womöglich wieder zu tief im Fall verliert (wie es vor vier Jahren der Fall war) und total an seine Grenzen geht (auch psychisch gesehen). Er schläft kaum und arbeitet wirklich non-stop. Zwischenzeitlich hatte ich auch immer mal wieder das Gefühl, dass er womöglich selbst der Ragdoll-Killer ist. Ob und welche Rolle er im Fall am Ende spielt, halte ich hier offen. 
    Auch Emily Baxter, seine Kollegin, ist ein sehr interessanter Charakter. Sie ist häufig sehr zynisch, übellaunig, schlagfertig und macht ihren neuen Schützling Alex Edmunds sehr gerne runter oder zeigt sich meistens unbegeistert oder desinteressiert von seinen Anregungen. Andererseits ist sie aber auch eine Polizistin mit Leidenschaft, da es auch ihr sehr wichtig ist, den Täter zu schnappen. Der Leser merkt sehr schnell, dass sie für Wolf schwärmt und gerne mehr Nähe zu ihm hätte. Wolf ist für sie eine wichtige Bezugsperson und er ist auch der Einzige, der von ihrem Alkoholproblem weiß. Trotz ihrer sehr forschen hat, fand ich sie irgendwie sympathisch.
    Mein persönlicher Lieblingscharakter ist Edmunds, der Neuling im Team der Metropolitan Police. Er wird am Anfang von seinen Kollegen deutlich unterschätzt, zeigt aber im weiteren Verlauf, dass er ein wirklich cleveres Kerlchen ist und geht bei den Ermittlungen seinen ganzen eigenen Weg. Dass er mit seinem Eifer und seinem Spürsinn gar nicht so falsch liegt, zeigt sich dann am Ende. Auch sein Privatleben ist durchaus spannend, denn seine schwangere Frau Tia ist von seinem neuen Job und den damit verbundenen Überstunden, die Edmunds freiwillig macht, um seine eigenen Recherchen anzustellen, nicht begeistert. Es kommt des Öfteren zum Streit zwischen ihnen.
    Eine spannende Figur ist auch Andrea, die Ex-Frau von Wolf. Sie ist eine ehrgeizige TV-Nachrichten-Journalistin und steht anfangs im Konflikt mit sich selbst, ob sie die Ragdoll-Geschichte für ihre eigenen Zwecke ausnutzen sollte, um aufzusteigen und eine große Karriere zu machen. Sie wirft allerdings alle Bedenken dann doch recht schnell über Bord. Ihr sind letztlich die Schlagzeilen wichtiger als die Ehtik oder die Moral, was bei den Privatsendern und gerade in den USA typisch ist. Bevor die Ehe mit Wolf in die Brüche ging, war sie vor allen Dingen eifersüchtig auf Emily Baxter und vermutete, dass die beiden eine Affäre haben, was nicht der Fall war.
     

    Fazit:

    Mit "Ragdoll - Dein letzter Tag" ist Daniel Cole ein spannendes Debüt gelungen. Die Idee mit der Leiche, die aus sechs verschiedenen Menschen zusammengenäht wurde, ist für mich besonders. Und auch die Liste, die sechs weitere Morde ankündigt, sorgt für Spannung. Der Leser möchte unbedingt wissen, wer die Menschen sind, die bereits gestorben sind und die, die noch sterben sollen. Was hat der Ragdoll-Killer davon? Wird es der Polizei gelingen, die angekündigten Morde zu verhindern? Man fliegt förmlich durch die Seiten, auch durch den cineastischen Schreibstil. Die Figuren sind alle so gut ausgearbeitet, dass man sich locker vorstellen könnte, sie in einer Serie zu sehen und sie auf dem Bildschirm gerne zu begleiten. Im Mittelteil des Thrillers treten allerdings doch ein paar Längen auf, die die Spannung zum Teil nehmen. Die Wendungen zum Ende hin konnten mich überzeugen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass man noch stärker etwas über die Motive des Ragdoll-Mörders erfährt.
     
    4 / 5 Sterne