Mittwoch, 2. August 2017

Rezension: Nummer 25 von Frank Kodiak

Hallo ihr Lieben!

Auf der Verlagsseite des Droemer Knaur Verlags bin ich schon vor längerer Zeit durch Zufall über "Nummer 25" von Frank Kodiak gestolpert und war ganz überrascht, dass Autor Andreas Winkelmann nun auch unter einem Pseudonym schreibt. Für mich stand von Anfang an fest: Mensch, das musst du lesen! Hier habe ich also nun eine Rezension zu diesem spannenden Thriller! By the way: Wie findet ihr es eigentlich, wenn Autoren plötzlich auch unter einem Pseudonym schreiben? Wie findet ihr es, wenn von Anfang an klar ist, wer eigentlich dahintersteckt?


Details:
Cover: Droemer Knaur

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. Juli 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426520095
  • ISBN-13: 978-3426520093
  • Preis: 9,99



  • Inhalt:

    Der Schriftsteller Andreas Zordan ist Dauergast auf den Bestsellerlisten. Die riesige Fangemeinde kann nicht genug kriegen von seinen Thrillern. Nichts bereitet Zordan mehr Freude als das detailgenaue Beschreiben ausgefallener Tötungsmethoden. Das gelingt dem Einzelgänger nur, weil er sich selbst für einen Psychopathen hält. Er ist kontaktscheu, meidet andere Menschen und lebt einsam in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Er weiß: Würde er nicht in seinen Büchern töten, müsste er auf die Realität ausweichen.
    Als er eines Morgens im Garten die übel zugerichtete Leiche eines Mädchens im Teenageralter findet, meldet er es nicht der Polizei, sondern lässt sich auf ein Psychoduell mit einem Mörder ein, der ihn offenbar herausfordert. Und muss erkennen, dass er selbst weit entfernt ist von dessen kaltblütiger Grausamkeit.
    Klappentext & Cover: Droemer Knaur


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover ist mir irgendwie sofort ins Auge gesprungen, da ich es ungewöhnlich finde. Man sieht ein zerrissenes Stück Papier, das mit Sicherheitsnadeln und einem roten Faden zusammengehalten wird. Mit der Geschichte selbst hat das zwar meiner Meinung nach nicht wirklich etwas zu tun, es gefällt mir aber dennoch.
     
    Sowohl die Geschichte als auch der lebendige und flüssige Schreibstil des Autors haben mich von Anfang an gefesselt. Der eigenbrötlerische Schriftsteller Andreas Zordan lebt abgelegen in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Eines Tages hängt eine Leiche in einem Baum seines Gartens. Das Mädchen im Teenageralter wurde genau auf die Weise getötet, wie Zordan es in seinem bisher erfolgreichsten  Buch "25 mögliche Mörder" beschrieben hat.  In der Mundhöhle der Leiche findet er einen Zettel von einer Person, die sich nur "Nummer 25" nennt und offenbar ein Psycho-Duell mit dem Autor, der sich selbst als Psychopath bezeichnet, liefern möchte.
    Durch Zufall wird Greta Weiß, die gerade ihr Studium beendet hat und von einer Karriere als erfolgreiche Journalistin träumt, in dieses Duell verwickelt. Sie ist in dem Ort, weil sie von ihrem Chef beauftragt wurde, ein Interview mit Zordan zu führen. In den letzten Jahren haben sich viele Journalisten erfolglos auf den Weg zu Zordan gemacht, doch Greta lässt sich nicht so leicht abwimmeln, da ihr eine Festanstellung in Aussicht gestellt wurde, wenn sie erfolgreich sein sollte.
     
    Kodiak/Winkelmann hat dafür gesorgt, dass die Geschichte wirklich durchgehend spannend ist. Dies gelingt ihm durch die unglaublich gute Ausgestaltung der Charaktere.
    Andreas Zordan wirkt auf den Leser zunächst eigenartig und unsympathisch. Er hat seine ganz eigene Sichtweise auf Dinge, ihm scheint Kritik von anderen egal zu sein und so scheint er auch mit seinem Leben in Abgeschiedenheit sehr zufrieden zu sein, was befremdlich wirkt. Auch seine Sichtweise als Autor ist sehr interessant: Er sieht sich selbst als Psychopath, der den realen Drang zum Töten in seiner Fantasie und mit dem Schreiben auslebt. Beim Lesen habe ich mich die ganze Zeit gefragt, inwiefern er wirklich ein Psychopath sein könnte. Er ist nicht immer wirklich zu durchschauen und besonders am Anfang wurde öfter erwähnt, dass er eine sehr prägende Vergangenheit hatte. Dadurch wurde ich natürlich immer wieder zum Weiterlesen animiert.
    Besonders spannend fand ich aber auch das Zusammenspiel zwischen ihm und Greta Weiß. Sie ist eine hübsche, junge Frau, die gerne auf ihr Äußeres und ihre Ähnlichkeit mit Schlagersängerin Helene Fischer reduziert wird. Mit dem Vergleich scheint sie sich schon abgefunden zu haben und zeigt sich stattdessen aggressiv, verbissen und hartnäckig, was auch zu ihrem Job sehr gut passt. Außerdem ist sie immer ehrlich und knallt Zordan von Anfang an vor den Kopf, dass er in der Öffentlichkeit als arrogant gilt und unsympathisch ist. Zunächst herrscht zwischen den beiden eine Art Misstrauen. Gleichzeitig hat sie sich aber auch ein bisschen in den Autor verguckt und die beiden kommen sich im Laufe der Geschichte näher und Zordan wirkt auf den Leser zunehmend sympathisch. Sie selbst versucht, aus Zordan schlau zu werden und ihm vor Augen zu führen, dass er kein Psychopath ist. Zusammen wollen sie herausfinden, wer hinter "Nummer 25" steckt. Parallel versucht auch Polizist Lewandowski, der kurz vor seiner Pensionierung steht, den Fall der vermissten Sarah (Leiche in Zordans Garten) zu lösen...
     
    Nicht nur die Ausgestaltung und das Wechselspiel zwischen den Charakteren hat für ein gutes Spannungslevel gesorgt, auch das Duell zwischen Nummer 25 und Zordan selbst. Ab und an liest der Leser kleinere Passagen, die kursiv geschrieben sind und scheinbar aus Sicht von Nummer 25 erzählt werden, was für eine Extraportion Spannung sorgt.  Besonders zum Ende hin haben sich sehr viele Wendungen ergeben, mit denen so definitiv nicht zu rechnen war. Ich habe regelrecht mitgefiebert. Die Auflösung hat mich echt sprachlos gemacht, da die Geschichte noch einmal in einem völlig anderen Licht erscheint (mehr wird an dieser Stelle nicht verraten!). Es ist echt krass, aber letztlich auch wirklich schlüssig. Wir sind eben alle manipulierbar.
     
     

    Fazit:

    Überrascht und sprachlos - das war ich am Ende von "Nummer 25". Autor Frank Kodiak/Andreas Winkelmann erzählt eine tiefgründige, fesselnde Geschichte, die auf der psychologischen Ebene komplett überzeugen kann. Die Wendung am Ende war unvorhersehbar und doch lag die Lösung des Rätsels schon von Anfang an vor einem ;)
    Der lebendige und flüssige Schreibstil des Autors und die unglaublich gute Charakterzeichnung sorgen dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Für jeden Thriller-Fan ein absolutes Muss!
     
    5/5 Sterne
     
     
     
     
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!
     

    Montag, 24. Juli 2017

    Rezension: Murder Park von Jonas Winner

    Hallo ihr Lieben!

    Der Klappentext von "Murder Park" beschreibt ein Szenario genau nach meinem Geschmack. Als Horrorfilm- und Thriller-Fan musste ich dieses Buch von Jonas Winner unbedingt lesen. Ob mich die Geschichte am Ende wirklich überzeugen konnte? Lest selbst!

    

    Cover: Heyne Verlag

    Details:
    


  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453421760
  • ISBN-13: 978-3453421769
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:

    Zodiac Island vor der Ostküste der USA: ein beliebter Freizeitpark – bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. Der Täter Jeff Bohner wird schnell gefasst, der Park aber geschlossen. Die Schreie der Opfer scheinen vergessen zu sein. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park – eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Und dann beginnen die Morde.
    Inhalt & Cover: Heyne Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das grau-schwarze Cover mit dem an der Küste gelegenen Vergnügungspark gefällt mir ziemlich gut, da ich das Setting generell für einen Thriller sehr gelungen finde und der Titel dadurch natürlich auch noch einmal unterstrichen wird. Cool ist es, dass man sich für einen negativen Bildeffekt entschieden hat, wodurch das Cover einfach düsterer wirkt. Die gelbe Schrift bildet dazu einen krassen Kontrast.
     
    Den Schreibstil von Jonas Winner habe ich als sehr angenehm empfunden. Er redet nicht groß um den heißen Brei herum oder verliert sich in unzähligen langatmigen Beschreibungen, sondert bringt meistens alles sofort ungeschönt auf den Punkt.
     
    Die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen überzeugen können. Der Leser verfolgt die zwölfköpfige Gruppe, die im Rahmen eines Presseevents den noch nicht komplett fertiggestellten Freizeitpark "Murder Park" testen darf. Rupert Levin, der die Insel gekauft hat, plant dort eine Art "Entertainment für Erwachsene / Singles". Während Reisegruppen auf die Insel kommen, soll ein "Killer"  sein Unwesen treiben. Einer nach dem anderen wird dabei "gekillt" und muss abfahren, die Verbliebenen sollen sich gruseln und näherkommen. Außerdem sind zahlreiche Gegenstände ausgestellt, die teilweise den bekanntesten Serienmördern der Geschichte gehörten und für zusätzlichen Gruselfaktor sorgen sollen.
     
    Bei der Pressereise geschehen dann aber tatsächlich richtige Morde und der 24-jährige Protagonist Paul Greenblatt, der eine besondere Verbindung zum damaligen Mörder auf Zodiac Island hat, ist sich nicht sicher, ob der richtige  Killer vor 20 Jahren wirklich gefasst wurde. Ist Bohner noch frei und hat zurück auf die Insel gefunden? Ist ein Fremder womöglich auf die Insel gekommen und mordet nun? Oder ist der Killer einer aus der Gruppe? Ist es reiner Zufall, dass alle Anwesenden unterschiedliche Sternzeichen haben und Bohner vor 20 Jahren offenbar drei Menschen mit unterschiedlichen Sternzeichen getötet hat?  Die Unsicherheit stresst natürlich den gesamten Trupp, denn ganze 3 Tage müssen die zwölf Personen auf der Insel bleiben. Kommt die Fähre rechtzeitig oder sind am Ende alle tot? Einer nach dem anderen muss dran glauben...
     
    Jonas Winner gelingt es, den Leser unentwegt ins Grübeln zu bringen, wer der Täter sein könnte. Dadurch wird natürlich immer ein konstantes Spannungslevel gehalten, denn Verdächtigungen werden angestellt und wieder verworfen. Die Gedanken des Protagonisten werden dabei natürlich sehr oft geteilt, denn auch er denkt immer wieder in verschiedene Richtungen und ist selbst ein merkwürdiger Charakter. Er wuchs bei Pflegeeltern auf und beschäftigte sich in seiner Jugend mit verschiedenen Serienmördern, von denen er regelrecht fasziniert war und von denen er verschiedene Artikel gesammelt hat. Ob das traumatische Ereignis in seiner Kindheit (was genau passiert ist, lasse ich hier bewusst offen!) Schuld daran ist?
     
    Das Besondere am Thriller "Murder Park" sind verschiedene Interviews, die der Psychiater Sheldon Lazarus im Vorfeld mit den auserwählten Teilnehmern geführt hat. Sie werden ab und an eingestreut, unterbrechen die fortlaufende Handlung und bringen einem die verschiedenen Figuren oder deren Beweggründe, auf der Insel sein zu wollen, näher. Natürlich geben diese einem auch nochmal weitere Denkanstöße, wer denn nun der Mörder sein könnte. Generell bleiben die meisten Figuren auch bewusst zwielichtig und zum Teil unsympathisch, damit man immer weiter verdächtigen kann.
     
    Grundsätzlich gefiel mir also das Szenario auf der Insel und dass man die ganze Zeit über grübeln konnte. Allerdings hat "Murder Park" auch Schwächen bzw. hätte man aus der Geschichte auch noch mehr rausholen können. So finde ich, dass Winner mit dem Setting nicht genug spielt. Die meiste Zeit über spielt sich alles in der Nähe des Hotels ab. Wieso wird kein richtiges Katz- und Maus-Spiel in den alten Teilen des Freizeitparks veranstaltet? Wieso kommt man erst zum Schluss auf die Idee? Hätte Winner noch mehr mit dem Ort als solches gespielt, wäre sicherlich auch noch mehr Spannung  oder Atmosphäre aufgekommen, denn an wirklich rasanten Szenen fehlt es meiner Meinung nach.
    Das Ende hat mich dann auch nicht gänzlich überzeugt, auch wenn die Geschichte insgesamt komplett logisch aufgelöst wird. Man muss den Thriller einfach selbst lesen, denn dann wird man auch verstehen, in welchem Punkt ich womöglich enttäuscht wurde (die erste Wendung). Nichtsdestotrotz kam ganz am Ende noch einmal eine Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hatte und die mich dann doch wieder zum Teil überzeugen konnte.
     
     

    Fazit:

    In "Murder Park" wird eine solide, spannende Serienkiller-Geschichte erzählt, wie sie in jedem guten Horrorfilm vorkommen könnte: Ein abgeschiedener Freizeitpark auf einer Insel, 12 Menschen, 1 Killer. Ist der Killer unter ihnen oder ist ein Fremder auf der Insel? Entkam Jeff Bohner vor 20 Jahren? Der Leser grübelt, grübelt und grübelt. Verdächtigungen werden angestellt und verworfen, was den Reiz und die Spannung der Geschichte auch ausmacht. Die meisten Figuren bleiben bewusst zwielichtig oder unsympathisch, was die Leserschaft nur noch mehr zum Nachdenken bringt. Die Interviews, die die Handlung ab und an unterbrechen, stellen eine Besonderheit dar und machen manche Figuren nur noch verdächtiger. Autor Jonas Winner hätte allerdings noch mehr mit dem Setting spielen können, da sich die Handlung zum Großteil in der Nähe des Hotels abspielt. Er hätte den Freizeitpark oder die Insel noch aktiver in seine Geschichte einbeziehen können, um für noch mehr Atmosphäre und Spannung zu sorgen. Auch an wirklich rasanten Szenen fehlt es. Das Ende kann mich leider auch nur zum Teil überzeugen. Grundsätzlich steckt in "Murder Park" viel Potenzial, vieles wurde auch gut umgesetzt, aber eben nicht alles.
     
    3,5 / 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Heyne für die Bereitstellung eines Leseexemplars.
     
     
     
     
     

    Samstag, 8. Juli 2017

    Rezension: "AMNESIA - Ich muss mich erinnern" von Jutta Maria Herrmann

    Hallo ihr Lieben!

    Letztens kam von Droemer Knaur eine interessante E-Mail reingeflattert, in der mir der Thriller "Amnesia - Ich muss mich erinnern" von Jutta Maria Herrmann vorgestellt wurde. Der Klappentext hat mich echt neugierig gemacht, weshalb ich den Thriller gelesen habe und nun für Euch rezensiere.
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur / Knaur TB
     
  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519976
  • ISBN-13: 978-3426519974
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Du hast nichts zu verlieren.
    Du hast eine mörderische Wut.
    Und du kannst dich an nichts erinnern …
    Als die Berlinerin Helen die Diagnose Krebs im Endstadium erhält, ist es ihr einziger Wunsch, sich vor ihrem Tod endlich mit ihrer Mutter auszusöhnen, zu der sie ein schwieriges und distanziertes Verhältnis hat. Bei ihrer Familie in der südwestdeutschen Heimat angekommen, muss sie dann schockiert erfahren, dass ihre schwangere Schwester Kristin von ihrem Ehemann Leon misshandelt wird. Am liebsten würde Helen Leon dafür umbringen, zu verlieren hat sie ja nichts mehr. Aber einen Menschen töten? Helen glaubt nicht, dass sie dazu wirklich fähig ist.
    Am nächsten Morgen allerdings ist Leon tot – und Helen, die Medikamente mit schwersten Nebenwirkungen nimmt, hat keinerlei Erinnerung an die vergangene Nacht.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur

    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung mit dem blau-grünlichen "Amnesia"-Schriftzug gefällt mir ganz gut. Die Schrift ist bewusst ein bisschen verschwommen abgebildet, was eben zur Amnesie, dem Erinnerungsverlust der Protagonistin Helen, passt.

    "Amnesia" ist der erste Thriller, den ich von Jutta Maria Herrmann lese. Der Schreibstil konnte mich komplett überzeugen, da ich ihre Art, wie sie Dinge umschreibt/beschreibt mag. Außerdem hat sie immer mal wieder einen guten Wechsel zwischen langen und kurzen Sätzen, wodurch in gewissen Situationen eben Hektik/Spannung erzeugt wird.

    Die Geschichte, die die Autorin kreiert hat, hat mich im Großen und Ganzen wirklich unterhalten. Protagonistin Helen, die an Lungenkrebs im Endstadium leidet, wird von ihrem Freund Sven verlassen. Nur eine letzte Notiz, "Leb wohl", bleibt Helen übrig. Daraufhin beschließt sie, ihre Mutter und ihre Schwester Kristin zu besuchen, die bisher von ihrer Krebsdiagnose nichts wissen, da sie ein sehr schwieriges, unterkühltes Verhältnis zueinander haben.
    Während sich Kristin über den Besuch ihrer Schwester freut, zeigt sich die Mutter gewohnt kühl und distanziert. Zwischen Helen und Kristins Ehemann Leon herrscht von Anfang an dicke Luft. Nach und nach erfährt der Leser, dass es an einem Verbrechen liegt, das Leon in der Vergangenheit begangen haben soll (das Verbrechen halte ich an dieser Stelle bewusst offen, um nicht zu viel zu verraten).
    Und schon beginnen auch die mysteriösen Ereignisse rund um Helen: In ihrem Rucksack findet sie ein blutverschmiertes Messer (Hat sie ihrem Freund womöglich etwas angetan?). Ihre Freundin Gela, zu der Helen lange Zeit keinen Kontakt mehr hatte und mit der sie sich einmal in einer Bar trifft, begeht Selbstmord, in dem sie sich aus einem alten Fenster eines Fabrikgebäudes stürzt (By the way: Sie ist auch mit in die Leon-Geschichte verwickelt). Kurz darauf wird Leon erstochen in einem Waldstück gefunden. Hat Helen etwas damit zu tun? Sie weiß es nicht. Als die Tatwaffe im Auto ihrer Mutter auftaucht, welches sie sich zuvor geliehen hat, und sie auch noch Leons Handy hat, scheint die Sache klar zu sein - oder doch nicht?
     
    Jutta Maria Herrmann spielt ganz bewusst und gut mit dem Leser. Ist Helen schuldig oder nicht? Die Frage, die sich die Protagonistin die ganze  Zeit über stellt, stellt sich auch dem Leser unmittelbar und immer wieder. Helen als Charakter ist ihr dabei durchaus gut gelungen. Sie ist von ihrer Krankheit geprägt und lebt im ständigen Bewusstsein, nicht mehr lange leben zu können. Ihr Missmut bzw. die Tatsache, dass sie sich damit abgefunden hat, ist omnipräsent. Störend ist allerdings, dass die Autorin immer und immer wieder die gleichen Szenarien abspielt: Helen geht es nicht gut, sie wirft sich eine Tablette ein und beschwert sich (in Gedanken) darüber, wie schlecht es ihr geht. Das gleiche Gedankenkarussell dreht sich immer weiter.
    Der Autorin gelingt es aber, die Verzweiflung, die auf Grund des Erinnerungsverlust und der Möglichkeit, den Mord an Leon begangen zu haben, aufkommt, authentisch darzustellen. Auch die Ungewissheit, wie sie ihrer Familie von ihrer Krebsdiagnose berichten soll, kommt glaubwürdig rüber.
    Auch die anderen Charaktere sind ihr sehr gut gelungen: Die Mutter tritt Helen unterkühlt entgegen und scheint sehr penibel zu sein. So scheinen Mutter und Tochter grundverschieden zu sein und  eine gewisse Antipathie zu empfinden. Anders verhält es sich mit Kristin, die wiederum ein scheinbar gutes Verhältnis zur Mutter pflegt und sich über Helens Besuch freut. Sie scheint allerdings Eheprobleme mit Leon zu haben: Ständig streiten die beiden, obwohl sogar das erste Baby unterwegs ist. Sie selbst streitet gegenüber Helen aber ab, dass sie und Leon Eheprobleme haben und er sie schlägt. Leon wird durch Helen als unsympathisch beschrieben und diesen Gedanken übernimmt man als Leser auch sehr schnell. Er ist anderen Figuren gegenüber einschüchternd und zum Teil auch aggressiv und wirkt irgendwie bedrohlich und mysteriös. Hat Helen ihn deshalb vielleicht sogar umgebracht, um ihre Schwester zu schützen? Natürlich werde ich hier jetzt nichts verraten. Ich war vom Ende allerdings überrascht, da sich noch ein paar Wendungen ergeben, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Bei einem Charakter bröckelt dann am Ende auch die Fassade... aber bei wem?
     
     

    Fazit:

    Jutta Maria Herrmann spielt in "Amnesie" ganz bewusst mit dem Leser. Ist der Protagonistin Helen zu trauen? Ist sie unschuldig oder hat sie doch den Mord an Leon begangen, ohne sich daran wirklich erinnern zu können? Diese Frage zieht sich durch die komplette zweite Hälfte des Thrillers und fesselt den Leser ganz besonders. Der gelungene Schreibstil trägt dabei ebenfalls zur Spannung bei und löst in den passenden Momenten Hektik oder Verwirrung aus. Die Charaktere sind der Autorin gut gelungen, lediglich die ständigen, wiederholenden Beschreibungen durch Helen sind störend, da die Geschichte dadurch zum Teil unnötig in die Länge gezogen wird. Zum Ende hin geschehen aber noch einmal überraschende Wendungen, die mich überzeugen konnten.
     
    4 von 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
     

    Donnerstag, 29. Juni 2017

    Rezension: Schwarzwasser von Andreas Föhr

    Hallo ihr Lieben!

    Verzeiht mir bitte, dass ich in letzter Zeit so unregelmäßig blogge, aber mein "Medienkommunikation & Journalismus"-Studium frisst momentan echt viel Zeit. Heute melde ich mich mit einer Rezension zum Kriminalroman "Schwarzwasser" von Andreas Föhr zurück. Diesen habe ich vom Droemer Knaur Verlag als Überraschung / unverbindlichen Lesetipp zugeschickt bekommen. Aber natürlich wollte ich Euch meine Meinung trotzdem nicht vorenthalten.
     
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur
     
  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426654210
  • ISBN-13: 978-3426654217
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    In einer Winternacht wird Klaus Wartberg erschossen. Der Sechzigjährig lebte in einem abgelegenen Haus und galt als unzugänglich und menschenscheu. Am Tatort verhaften Kommissar Wallner und seine Leute eine verstörte junge Frau. Hat sie Wartberg ermordet? Auch der Tote selbst gibt den Ermittlern ein Rätsel auf: Denn einen Klaus Wartberg hat es nie gegeben - seine Papiere sind gut gemachte Fälschungen, der Lebenslauf ist frei erfunden, Freunde oder Familie gibt es nicht. Wer ist also der Tote? Und warum musste er eine andere Identität annehmen?
    Copyright Klappentext & Cover: Droemer Knaur


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover finde ich mit dem Rot und Schwarz und der darauf abgebildeten Sense in Ordnung, aber ich glaube nicht, dass ich zugegriffen hätte, wenn ich das Buch im Laden hätte liegen sehen. Dafür strahlt es für mich doch zu wenig Atmosphäre oder etwas Interessantes aus.
     
    Insgesamt konnte mich auch die Geschichte nicht wirklich überzeugen. Das lag vor allem am Schreibstil, mit dem ich am Anfang wirklich zu kämpfen hatte. Manche Passagen musste ich sogar noch einmal lesen, um den Sinn dahinter zu verstehen. Außerdem lässt der Autor regelmäßig seinen trockenen Humor einfließen, was allerdings an den meisten Stellen total unpassend ist und sich mir meistens auch nicht wirklich der Sinn dahinter erschlossen hat. Ich mag Humor und würde mich auch als humorvollen Menschen beschreiben - scheinbar habe ich aber einfach einen anderen Sinn dafür.
    Auch wenn die Geschichte in Bayern spielt, hat mich der Dialekt, den die Ermittler sprechen, gestört. Ich habe zwar dabei alles verstanden (auch wenn ich nicht aus Bayern komme), fand es aber einfach trotzdem gewöhnungsbedürftig und störend beim Lesen.
     
    Der Kriminalfall war meiner Meinung nach in Ordnung, aber auch nicht unendlich spannend. Natürlich wollte ich wissen, wer hinter Klaus Wartberg steckt und was dieser in der Vergangenheit getrieben hat und warum deshalb diese neue Identität nötig ist. Mir war allerdings auch recht schnell klar, dass die Hauptverdächtige, die 19-jährige Lara Evers, die sich um Wartberg gekümmert hat, nicht die Täterin ist.
    Positiv fand ich den ständigen Wechsel zwischen 2016 und 1996, denn einerseits verfolgt man den aktuellen Kriminalfall, aber auch die Geschichte rund um den Anwalt Dieter Sitting und seine Sekretärin Sylvia Marek, die 1996 eine nicht gerade erfolgreiche Kanzlei führen und vom undurchsichtigen Geschäftsmann Gregor Nolte in teils kriminelle/riskante Dinge hineingezogen werden. Als Leser hat man sich dann natürlich schon gefragt, ist Dieter Sitting vielleicht Klaus Wartberg? Wie sehr hat sich die Situation zwischen Nolte und Sitting zugespitzt? Störend fand ich allerdings, dass man zum Teil durch längere, unnötige Passagen im Jahr 2016 wieder aus der Geschichte gerissen wurde und sich dann gefragt hat, was die unnötigen Längen sollen (Ich sage nur Ravioli-Szene?!).
    Dem Autor sind zum Ende hin dann noch ein paar überraschende Wendungen gelungen, die  mich dann doch überzeugen konnten.
     
    Die Charaktere fand ich gelegentlich ziemlich gewöhnungsbedürftig und konnte ich zum Teil auch nicht ganz ernst nehmen. Polizist Leonhardt Kreuthner versucht beispielsweise nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung und Alkohol am Steuer seinen Kollegen zu schmieren, was allerdings nicht aufgeht. Daraufhin versucht er, sich an seinem Kollegen zu rächen und gefährdet dadurch auch seinen Job. Er hilft außerdem der Hauptverdächtigen Lara Evers zu entkommen und lässt diese bei sich unterkommen, wodurch ich ihn als Polizist überhaupt nicht ernst nehmen kann. Darüber hinaus ist er ein richtiger Sprücheklopfer, der mit anderen die Konfrontation sucht oder diese von hinten herum ins Schlamassel treiben möchte.
    Sympathischer war mir da auf jeden Fall Clemens Wallner, der Leiter der Kripo Miesbach. Er nimmt seinen Job sehr ernst, ist immer engagiert und konzentriert bei der Sache. Er lebt zusammen mit seinem Opa Manfred, der von seiner Frau verlassen wurde. Clemens Vater Ralf ist ins Ausland gegangen, als sein Sohn noch klein war, und hat ihn zurückgelassen und sich nie wieder gemeldet. Über Umwege erfährt Clemens, dass Ralf offenbar für einen kurzen Besuch in Deutschland, was ihn und Manfred sehr aufwühlt. Ob und wie sich die beiden treffen, möchte ich hier gar nicht weiter ausführen, da es für die Haupthandlung auch keine Rolle spielt. Diese ganze Geschichte fand ich alles in allem doch interessant, auch wenn hierdurch natürlich auch Längen entstanden sind.
     
     

    Fazit:

    Bayern-Krimis sind offenbar nicht mein Ding. "Schwarzwasser" konnte mich vom Kriminalfall her nur bedingt überzeugen, da sich ab und an Längen eingeschlichen haben und dadurch die Spannung verloren ging bzw. nur schwer in Gang kam. Die überraschenden Wendungen zum Ende hin konnten mich dann allerdings doch zu einem gewissen Teil überzeugen. Schreibstil, trockener Humor und bayerischer Dialekt waren absolut nicht mein Fall und haben mich beim Lesen gestört. Auch die Charaktere - hier besonders Kreuthner - fand ich unglaubwürdig und ihr Verhalten zum Teil sogar lächerlich. Nur Clemens Wallner fand ich sympathisch und seine Geschichte interessant. 
    Ich werde mit großer Wahrscheinlichkeit kein Fan der Reihe werden und "Schwarzwasser" wird wohl auch mein erster und letzter Krimi von Andreas Föhr bleiben. Fans der Reihe, die seinen Schreibstil und trockenen Humor mögen und die Charaktere schon länger verfolgen und lieben, kommen hier vielleicht auf ihre Kosten - Ich nicht.
     
    2 von 5 Sterne
     


    Danke an Droemer Knaur für die Überraschung / den unverbindlichen Lesetipp!
     
     

    Mittwoch, 24. Mai 2017

    Rezension: Die Flut von Arno Strobel

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Die Flut" von Arno Strobel für Euch! Mein erster Strobel also - abgesehen von Anonym und Fremd, die er zusammen mit Ursula Poznanski geschrieben hat. Im Großen und Ganzen konnte er mich mit seinem Psychothriller überzeugen, ich denke aber, dass er bestimmt noch etwas Besseres auf Lager hat.

    Cover: S. Fischer Verlag
    Details:

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 3 (21. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596198356
  • ISBN-13: 978-3596198351
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Es ist NACHT, sie sind am Strand, HILFLOS, ihm AUSGELIEFERT, sie können sich nicht befreien, und dann kommt die FLUT …
    Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Superintelligenter ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die „perfekte Mordserie“ zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Pfahl in der Nähe fest, so dass er dabei zusehen muss, wenn seine Frau bei Flut langsam ertrinkt.
    Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist. Und es sieht so aus, als hätte er damit Erfolg …
    Copyright Inhalt & Cover: Fischer Taschenbuch


    Meine eigene Meinung:

    Grundsätzlich mag ich bei Psychothrillern schlichte Cover mit wenigen Details - also auch das von "Die Flut". Der Hintergrund ist schwarz und der blau-grüne Titel hebt sich davon ab. Man sieht nur das Gesicht von einer Frau, das von Licht angestrahlt wird und starr nach oben gerichtet ist, was zur Geschichte passt. Frauen werden dort bis zum Kopf im Sand eingegraben, von einem Unbekannten mit Licht angestrahlt und erleben ihre letzten Sekunden, bis die Flut sie verschlingt. Ihre Partner sind währenddessen an Pfählen festgebunden und können nicht zur Hilfe eilen.
     
    Die Geschichte hat mir von Anfang an gefallen und konnte mich sofort in ihren Bann ziehen. Dazu hat auch der simple Schreibstil beigetragen, der das flüssige und schnelle Lesen möglich gemacht hat. Im Prolog bekommt man einen guten Einblick in die Psyche des Killers: Er ist überdurchschnittlich intelligent und spielte in seiner Kindheit grausame Spiele. Beispielsweise ließ er seine Schwester auf einen Stuhl klettern, legte ihr eine Schlinge um den Hals und ließ sie dann auf Zehenspitzen stehen, um ihre Todesangst zu sehen. Einen Psychiater konnte er nach einer kurzen Therapie davon überzeugen, dass er geheilt ist, aber dem scheint nicht so, denn auf Amrum schlägt er mit neuen Taten zu... Mir haben hier besonders die Kapitel aus seiner Sicht, geschrieben aus der Er/Sie-Perspektive, gefallen, denn er fühlt sich die ganze Zeit überlegen und belächelt die Vorgehensweise der Polizisten. Außerdem ist es spannend, wie er seine neuen Opfer auswählt und was er sich generell von dem ganzen Spielchen erhofft.
     
    Hauptsächlich verfolgt der Leser die Geschichte aus Sicht der beiden Pärchen Michael und Julia sowie Andreas und Martina, die gemeinsam auf Amrum Urlaub machen wollen, sich aber erst seit kurzer Zeit kennen. Michael hat Andreas versprochen, ihm beim Ausbau des Dachbodens auf Amrum zu helfen, weswegen es zum Urlaub kommt. Während Julia und Michael ein sehr glückliches Paar sind, ist bei Andreas und Martina eindeutig die Luft raus. Martina ist die ganze Zeit auf Streit aus und provokant (auch den anderen gegenüber), während ihr Mann sie weitgehend ignoriert und offenbar ein Auge auf Julia geworfen hat.  Als ein erster Mord am Strand von Amrum passiert, sind die beiden Paare mehr oder weniger dazu gezwungen auf der Insel zu bleiben, denn die Brieftasche von Michael lag in der Nähe des Tatorts. Diese hatte er aber wahrscheinlich zuvor bei einem Restaurantbesuch verloren. Polizei-Hauptkommissar Harmsen hat sich allerdings von Anfang an auf Michael als Täter eingeschossen und glaubt nicht an Zufälle, während sein Kollege Jochen Diedrichsen sich eher zurückhält.
     
    Wird die Geschichte noch so spannend und interessant erzählt und auch einige falsche Fährten gelegt (Verhält sich der Nachbar nur merkwürdig oder ist er womöglich der Täter?), bleiben die Charaktere jeweils sehr eindimensional und auch deren Dialoge laufen oftmals auf das Gleiche hinaus, was mich irgendwann sehr genervt hat. Julia sorgt sich ständig um Michael, dem die offensichtlichen Anfeindungen und Verdächtigungen durch Harmsen zu schaffen machen, fühlt sich gleichzeitig von Andreas beobachtet und ist von Martinas ständigem Gestreite genervt. Martina kann ihre ständigen provokanten Äußerungen einfach nicht lassen und sucht eigentlich andauernd Streit. Michael hingegen wirkt oftmals noch ziemlich gefasst, fühlt sich von Harmsen aber scheinbar zunehmend eingeschüchtert. Andreas ignoriert währenddessen die bissigen Kommentare von Martina und nimmt seine neuen Freunde in Schutz. Und auch die beiden Polizisten verhalten eigentlich immer gleich: Harmsen ist ein absoluter Choleriker, der sich von niemandem unterbrechen lässt und auf Höflichkeiten und Manieren keinen Wert legt. Er geht mit seinen Verdächtigungen ganz offen um und kam mit seinen bisherigen Kollegen offenbar nie gut aus (er wird unter anderem "Pitbull" genannt). Sein neuer Kollege Jochen Diedrichsen ist von der Art seines Partners genervt, würde ihm am liebsten öfter die Meinung sagen, stößt aber auf taube Ohren bzw. vermeidet oftmals die Konfrontation. Er würde allerdings sehr gerne verstehen, warum Harmsen so ist.
     
    Bis zum Schluss habe ich wirklich gerätselt, wer denn nun tatsächlich hinter dem Mörder steckt. Verschiedene Inselbewohner haben sich bei mir ständig als Hauptverdächtige abgelöst und auch Martina und Andreas hatte ich öfter im Verdacht. Wer allerdings tatsächlich der Killer ist, blieb für mich bis zuletzt undurchsichtig und die Auflösung hat mir gefallen, da sie sehr schlüssig ist.
     

    Fazit:

    "Die Flut" ist ein spannender Psychothriller, der vor allem durch einen flüssigen Schreibstil und eine fesselnde Geschichte punktet. Besonders die Kapitel, in denen der Killer und die Taten beschrieben werden, sind überzeugend. Bis zur Auflösung war für mich unklar, wer tatsächlich hinter den grausamen Taten steckt. Strobel gelingt es allerdings nicht, den Charakteren die nötige Tiefe zu verleihen. Sie wirken oft sehr eindimensional und auch ihre Dialoge drehen sich fast durchweg im Kreis, was für den Leser irgendwann sehr anstrengend ist (gerade in Bezug auf schwierige Charaktere wie Harmsen und Martina). Gerne werde ich noch weitere Psychothriller von Strobel lesen, denn "Die Flut" hat sich insgesamt doch gelohnt.
     
     
    3,5 von 5 Sterne

    Samstag, 20. Mai 2017

    Rezension: Der Circle von Dave Eggers

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Der Circle" von Dave Eggers für Euch, womit ich von meinem Lieblings-Genre "Thriller" etwas abweiche. Den Roman habe ich auch aus einem ganz bestimmten Grund gelesen, denn er wurde mit Emma Watson und Tom Hanks verfilmt und kommt im September in die deutschen Kinos. Außerdem mag ich utopische/dystopische Geschichten und hier dreht sich eben alles um Social Media, die Macht von Medienunternehmen, Transparenz und Anonymität - alles spannende und vor allem aktuelle Themen.
     
    Cover: KiWi Verlag
     
    Details:
     
  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (8. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462048546
  • ISBN-13: 978-3462048544
  • Preis: 10,99


  • Inhalt:

    Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »weisen drei Männer«, die den Konzern leiten – wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles … Copyright Inhaltsangabe & Cover: KiWi Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das schlichte Cover-Design gefällt mir sehr gut, auch wenn das Rot-Orange nicht ganz mein Fall ist. Zu sehen ist das Logo des Circle mit dem unvollendeten Kreis in der Mitte, was zur Geschichte passt, da der Circle eben kurz vor seiner Vollendung steht.

    Die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen überzeugt, auch wenn mir teilweise ein roter Faden gefehlt hat. Am Anfang begleitet man Mae Holland an ihrem ersten Arbeitstag beim Circle, wo sie in der Customer Experience anfängt. Dank ihrer Freundin Annie hat sie den Job bekommen. Dort wird sie zunächst mit der Technik vertraut gemacht und bekommt neueste technische Mittel zur Verfügung gestellt. Beim Circle scheint wirklich alles perfekt zu sein: Es gibt ständig irgendwelche Veranstaltungen auf dem Campus, Sänger treten dort regelmäßig auf, es gibt Fitnessstudios und ganz viele Möglichkeiten, um sich selbst einzubringen und zu beteiligen. Außerdem müssen die Circler dort kostenlose Gesundheits-Checks durchführen lassen und ihre Vitalwerte regelmäßig tracken lassen. Zudem können sie neueste Produkte kostenlos testen, eine Krankenversicherung über die Firma beziehen (auch für ihre Familien) und hochmoderne Zimmer im Wohnheim nutzen, wenn sie Lust haben. Allerdings wird auch einiges gefordert: Die Circler müssen partizipieren, also regelmäßig an Veranstaltungen teilnehmen und online über fast alle  Dinge, die sie erleben, schreiben, Kommentare schicken, Smiles versenden. Je stärker die Partizipation, desto höher das Partizipations-Ranking und damit die Beliebtheit bei den anderen Circlern. Wer nicht partizipiert, gilt als asozial und wird angefeindet.
    Natürlich tritt Mae am Anfang in ein paar Fettnäpfchen: Sie verpasst eine Veranstaltung, zu der sie als Neuling eingeladen wurde (woraufhin ein Fall wegen unsozialem Verhalten eröffnet wird!) und sie verlässt den Campus immer pünktlich um 17 Uhr nach Feierabend und nimmt keine der "freiwilligen" Angebote war. Ihren Job erledigt sie allerdings ganz gut, ihr CE-Ranking liegt immer regelmäßig im Bereich zwischen 96 und 100. Als sie von den Chefs darum gebeten wird, nicht nur ihren Job gut zu machen, sondern noch stärker zu partizipieren und sie regelrecht zur Rede gestellt wird, warum sie sich noch nicht großartig beteiligt hat oder online bestimmte Dinge von sich preisgegeben hat, ändert sie schlagartig ihr Verhalten und passt sich immer weiter an. Im Laufe der Geschichte bekommt sie immer mehr Bildschirme auf den Tisch gestellt und muss nicht nur ihren Job erledigen, sondern auch darüber ihren "sozialen Verpflichtungen" beim Circle nachkommen.
    Mit Francis, der ebenfalls einen Job beim Circle hat, und einem mysteriösen Kalden, bandelt sie immer öfter an. Bis Kalden sie schließlich darum bittet, die Vollendung des Circle (die völlige Transparenz) aufzuhalten. Was wird Mae tun? Ist Kalden womöglich ein Spion? 
     
    Am Anfang war mir Mae mit ihrer teils naiven und aufgeregten Art sympathisch, was sich im Laufe der Geschichte allerdings geändert hat (was vom Autor aber sicherlich auch bewusst so gewollt ist, um die negativen Auswirkungen des Circle aufzuzeigen). Sie passt sich immer weiter an, ohne die Auswirkungen der technischen Errungenschaften, die für immer mehr Transparenz und fehlende Anonymität (Ziele des Circle) sorgen, zu hinterfragen.
    Zu ihren Eltern, die ärmliches bis gewöhnliches Leben führen, hat Mae eigentlich ein gutes Verhältnis. Sie sind stolz, dass sie den neuen Job ergattern und sich hocharbeiten konnte und außerdem noch eine kostenlose Krankenversicherung für ihre Mutter und ihren kranken Vater (er hat MS) beziehen konnte. Allerdings sollen ihre Eltern durch SeeChange-Kameras nun auch fortwährend beobachtet werden, alles soll transparent werden. Je stärker der Einfluss des Circle, desto schlechter scheint das Verhältnis zwischen ihren Eltern und ihr zu werden. Auch zu ihrer Freundin Annie, die ebenfalls beim Circle arbeitet, scheint sich das Verhältnis zu verändern. Als ihr Ex-Freund Mercer, der lieber anonym bleibt und online eigentlich gar nichts macht, sie zur Rede stellt und ihr erklärt, dass sie immer weiter den Bezug zur Realität verliert, wird sie wütend und ist uneinsichtig. Die Figuren bleiben im Großen und Ganzen aber relativ blass und bekommen nicht die nötige Tiefe verliehen. Ihre Beweggründe, Gedanken und Motive hätten noch stärker hervorgehoben werden können (gerade bei den Circler-Gegnern).
     
    Spannungstechnisch muss ich sagen, dass die Geschichte erst sehr spät an Fahrt aufnimmt (ungefähr ab den letzten 200 Seiten), da Eggers zunächst die ganze Welt, die er kreiert, erklärt und die Besonderheiten aufzeigt. Aber besonders die Welt hat mich fasziniert. Es gibt eben diesen Circle mit all seinen Parolen ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen",  "Anonymität ist Diebstahl"), der mit all seinen Erfindungen (TruYou: ein einziger Online-Account, der alle Online-Konten miteinander verknüpft und damit Anonymität im Netz unmöglich macht, SeeChange: Kameras überall auf der Welt, die Kriminalität verhindern, etc.) für beinahe absolute Transparenz sorgt (auch immer mehr Politiker werden im Buch gläsern) und alles Wissen kollektiv zur Verfügung stellt. Mit der krassen Partizipation stellt er natürlich unsere heutige Generation an den Pranger und will uns davor warnen, wohin wir uns entwickeln könnten. Allerdings müssten auch hier die perönlichen Konsequenzen noch drastischer aufgezeigt werden, um wirklich zu schockieren.
     
     

    Fazit:

    "Der Circle" ist eine moderne Variante von "Brave New World" und "1984". Eggers entwickelt eine Welt, in der Anonymität und Nicht-Partizipieren im Netz absolute Tabus sind ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen", "Anonymität ist Diebstahl"). Stattdessen muss alles Wissen und  jede Aktivität im Netz festgehalten werden, Partizipation wird ganz groß geschrieben. Diese Welt ist für den Leser faszinierend, erschreckend und sehr detailreich beschrieben, wobei oftmals eine richtige Entwicklung in der Handlung fehlt und auch erst zum Ende hin wirklich Spannung aufkommt. Die Themen, die dort behandelt werden, sind dabei aber hochaktuell und gar nicht so aus der Luft gegriffen. Die Charaktere, deren Gedanken und Motive werden oftmals nur oberflächlich dargestellt und auch die Konsequenzen der nahezu absoluten Transparenz werden nur grob gestriffen, aber nicht drastisch genug dargestellt, um wirklich zu schockieren. Für Fans von modernen utopischen/dystopischen  Geschichten rund um die Macht von Medienunternehmen ist "Der Circle" aber durchaus lesenswert.
     
    3 / 5 Sterne
     


    Hier der Trailer zum Film mit Emma Watson und Tom Hanks:

    Dienstag, 25. April 2017

    Rezension: Promise Falls 3 - Lügenfalle von Linwood Barclay

    Hallo ihr Lieben!

    Heute melde ich mich mit einer Rezension zu "Lügenfalle" von Linwood Barclay bei Euch zurück. Der dritte und letzte Teil der "Promise Falls"-Trilogie konnte mich ebenfalls überzeugen und führt die Geschichte und ungelösten Geheimnisse zu einem würdevollen Ende.
     
     
    Cover: Droemer Knaur
    Details:
     
  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518708
  • ISBN-13: 978-3426518700
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:

    Am Memorial-Day-Wochenende kommt es in der Kleinstadt Promise Falls (New York) zur Katastrophe. Hunderte Menschen müssen mit grippeähnlichen Symptomen ins Krankenhaus - Dutzende sind bereits gestorben. Schnell machen die Ermittler das Trinkwasser als Ursache aus. Aber natürlich stellt sich für viele, nicht zuletzt für Privatdetektiv Cal Weaver, die Frage: Wer hat eigentlich etwas davon, das Trinkwasser zu vergiften?
    Detective Barry Duckworth hat unterdessen noch ein ganz anderes Problem: Eine College-Studentin ist ermordet worden, und die Handschrift des Killers war zuvor bereits bei zwei weiteren rätselhaften Fällen zu erkennen. Die Morde an den beiden Frauen konnten nicht aufgeklärt, der Täter nicht gefasst werden. Dennoch ergeben die ganzen seltsamen Vorkommnisse während der letzten Wochen plötzlich einen Sinn.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur
     
     
    Meine eigene Meinung:

    Auch wenn das Cover an sich nichts mit der Geschichte zu tun hat, gefällt es mir. Es ist einerseits sehr schlicht gehalten mit dem roten Hintergrund, wirkt mit der Ratte, die sich quasi durch die Buchstaben des Titels zwängt, trotzdem interessant.

    Der Schreibstil von Linwood Barlcay konnte mich auch dieses Mal wieder überzeugen. Er ist nicht sonderlich verschnörkelt und trotzdem fesselnd, was allerdings auch mit der Konzeption der Geschichte und den parallel verlaufenden Handlungssträngen zusammenhängt. Beim zweiten Teil hatte ich besonders kritisiert, dass durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge und Figuren ein bisschen die Spannung abhandenkommt und ich mich ein wenig erschlagen fühle. Das war dieses Mal zum Glück nicht der Fall, denn es wurde in kurzen Passagen oftmals erläutert, inwiefern die handelnden Personen in den Vorgänger-Teilen eine Rolle gespielt haben und in die Fälle verwickelt sind. Außerdem hat mich die Vergiftungswelle am Anfang, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschildert wurde, total gefesselt und man konnte das aufkommende Chaos sehr gut nachempfinden. Auch im weiteren Verlauf war die Geschichte durchweg spannend.
     
    Die Geschichte konnte mich dieses Mal auch wieder überzeugen. Sie wurde zum Teil aus der Ich-Perspektive von Ermittler Barry Duckworth geschildert, der einerseits damit beschäftigt ist, herauszufinden, wie das Wasser verunreinigt wurde, andererseits aber auch noch mit den ungelösten Morden (Olivia Fisher, Rosemary Gaynor) und den "23-Vorkommnissen" zu tun hat. Schließlich kommt mit der Studentin Lorraine Plummer ein drittes Opfer hinzu.  Sein Kollege Angus Carlson ist zur selben Zeit im Krankenhaus und versucht dort, den Schwestern und Ärzten zu helfen.
    Parallel dazu möchte Randall Finley, der arrogante und eigennützige Ex-Bürgermeister von Promise Falls, weiter an seinem Image arbeiten, um sich wieder zur Wahl aufstellen lassen zu können. Die Notsituation nutzt er wieder einmal für seine eigenen Zwecke und spendet sauberes Wasser aus seiner eigenen Wasserabfüllanlage. Dabei beteuert er stets uneigennützig zu handeln, was allerdings zum Teil unglaubwürdig erscheint. Ein Schicksalsschlag zeigt aber auch seine weichere Seite.
    Sein Wahlkampfhelfer / PR-Mann David Harwood ist derweil mit anderen Dingen beschäftigt, denn seine Gedanken kreisen ständig um seine neue Freundin Samantha Worthington und ihren Sohn Carl. Er kann sie nicht erreichen und glaubt nun, dass sie vor ihrem Ex-Mann geflüchtet sein könnte, der offenbar aus dem Gefängnis entkommen konnte und sich den Sohn holen möchte.
    Die anderen Charaktere, beispielsweise Walden Fisher (Olivias Vater), Victor Rooney (Olivias Verlobter) und Don Harwood (Davids Vater), sind weiterhin mit Gedanken beim ersten Opfer, während Joyce Pilgrim, die neue Sicherheitschefin am Thackery College, das dritte Opfer entdeckte und einige Nachforschungen anstellt.
    Privatdetektiv Cal Weaver steht währenddessen vor einer ungewohnten Situation: Er muss sich um Crystal, die Tochter von Lucy Brighton kümmern, als diese ihn panisch anruft, weil sich ihre Mutter nicht mehr bewegt und zuvor übergeben hat....
     
    Gerade was die drei Mordfälle und die "23-Vorkommnisse" angeht, war ich am Ende sehr überrascht, wer hinter den Taten steckt. Zwischendurch gelingt es Barclay, den Leser auf ein oder zwei falsche Fährten zu führen. Außerdem baut er am Ende noch einmal eine Wendung ein, mit der der Leser so ebenfalls nicht gerechnet hat. Die Geschichte ist am Ende in sich logisch abgeschlossen (Motive der Täter werden erläutert), allerdings hätte man den Nebenstrang mit David Harwood (Was ist am Ende passiert? Wie wird sich das auf die Beziehung zwischen ihm und Samantha auswirken?) und auch den Hauptstrang (Kommt Duckworth aus dem Badezimmer noch raus? Was ist mit seiner Gesundheit?) auserzählen können. Zudem hatte ich das Gefühl, dass der Autor das Ende etwas schnell erzählt hat - insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Ereignisse Teil der gesamten Trilogie sind und dementsprechend "aufgebauscht" wurden.
     
    Zu den Charakteren lässt sich weiterhin sagen, dass sie sehr gut ausgearbeitet sind und ihre Charaktereigenschaften aus dem Vorgängerteilen (Finlay: immer auf den eigenen Vorteil aus, Harwood: Beschützer, mutig, risikobereit; Duckworth: undiszipliniert, was seine Diät betrifft, umso disziplinierter im Job; Weaver: fürsorglich, risikobereit, mit Spürsinn dabei) wieder glaubwürdig vermittelt wurden und zum Ausdruck kamen.
     

    Fazit:

    Mit "Lügenfalle" findet die Promise Falls-Trilogie ihren würdigen Abschluss. Barclay gelingt es wieder einmal, eine spannende Geschichte zu erzählen und löst mit der Wasservergiftung ein richtiges Chaos aus, das den Leser sofort in den Bann ziehen kann. Fans der ersten beiden Teile sind natürlich daran interessiert, wer hinter den ungelösten Mordfällen und den "23-Vorkommnissen" steckt. Die Auflösung ist überraschend, wird letztlich aber sehr schnell runtererzählt. Mit einer Wendung zum Ende hin und kleinen falschen Fährten kann der Autor den Leser allerdings noch einmal überraschen. Lediglich einige der Nebenhandlungen hätten noch auserzählt oder die Schicksale der Figuren in einem Epilog erklärt werden können. Prinzipiell waren die Figuren wieder sehr gut ausgearbeitet und deren Charakterzüge (zu den Vorgängerteilen) glaubwürdig dargestellt.  
     
    4 / 5 Sterne
     
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Leseexemplars!
     

    Donnerstag, 23. März 2017

    Rezension: AchtNacht von Sebastian Fitzek

    Hallo ihr Lieben!

    Nun habe auch ich endlich das neueste Werk von Sebastian Fitzek gelesen und finde "AchtNacht" (bis auf ein paar kleine Logiklöcher) wirklich gut. Vor  allen Dingen ist es toll, dass der Autor kein großes Geheimnis daraus macht, dass er von "The Purge" inspiriert wurde - und trotzdem eine weitgehend eigene Geschichte entwickelt hat, die noch sehr viel mehr an Tiefe hat als der  "inspirierende" Horror-Action-Film.
     
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur / Knaur TB
     
  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (14. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426521083
  • ISBN-13: 978-3426521083
  • Preis: 12,99


  • Klappentext/Inhalt:

    Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
    Sie haben 80 Millionen Feinde.
    Werden Sie die AchtNacht überleben?

    Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
    Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
    In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
    Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
    Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

    Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
    Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
    Und Ihr Name wurde gezogen!
    Klappentext/Inhalt: Droemer Knaur / Knaur TB


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover mit der blutroten Acht gefällt mir persönlich sehr gut, da es zum Titel und auch zur Geschichte passt. Denn in der Acht selber sieht man noch die Umrisse einer kleinen Person, die von einer Meute vieler anderer verfolgt wird - worum es letztlich nun mal auch geht.
     
    Zur Geschichte:  Ein Spiel mit einer Todeslotterie zu entwerfen, ist nicht gänzlich neu. So in der Art kennt man es beispielsweise aus Stephen Kings "Menschenjagd", "The Purge" oder eben zuletzt aus "Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel. Und trotzdem gelingt es Fitzek wieder einmal, den Leser in seinen Bann zu ziehen und eine ganz eigene Geschichte zu kreieren. Der Leser stellt sich schon von Anfang an folgende Fragen: Wen würde ich nominieren, wenn ich könnte? Wie würde ich reagieren, wenn meine Name gezogen werden würde? Wie würde ich als Gejagter oder gar als Jäger vorgehen? Das Vorstellungsvermögen bzw. die eigene Fantasie des Lesers wird somit unmittelbar angeregt und er versucht, sich in die handelnden Figuren hineinzuversetzen.
     
    Der Leser verfolgt die Geschichte rund um Benjamin Rühmann, den man als eine gescheiterte Persönlichkeit bezeichnen könnte, denn sein Leben liegt in Scherben. Vor fünf Jahren hat er einen Unfall verursacht, bei dem seine Tochter Jule schwer verletzt wurde und ihre beiden Beine amputiert werden mussten. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl und meistert ihr Leben trotz der Umstände eigentlich ganz gut. Die Ehe zu seiner Frau Jennifer hat das Schicksal allerdings nicht überlebt, die beiden führen aber trotzdem eine freundschaftliche Beziehung zu einander und es scheint so, als würde Ben seine Frau immer noch lieben. Aus seiner Band Fast Forward wurde er nach dem Unfall rausgeschmissen (sein Manager begrabschte Jule während der Autofahrt, weswegen es schließlich zum Unglück kam).
    Während Jule sich mit ihrem Schicksal anfreunden konnte und in einer behindertengerechten Wohnung lebt, läuft es bei Ben schlecht. Als Musiker hat er keinen Erfolg und seine Schuld versucht er in Alkohol zu ertränken. Als Jule sich scheinbar mit Absicht vom Dach ihres Studentenheims gestürzt hat, kommen Ben Zweifel, dass es sich dabei tatsächlich um einen Selbstmordversuch gehandelt haben könnte und er stellt Nachforschungen an. Am Tag des "Selbstmordversuchs" hatte Jule ihm zudem eine Nachricht hinterlassen, dass sie dringend reden müssten und ihr Vater vermutlich in Gefahr schwebe. Als Ben schließlich erfährt, dass er bei der AchtNacht, von der er zuvor noch nie etwas gehört hat, auserwählt wurde und nun als AchtNächter von anderen straffrei (und gegen eine Belohnung von 10 Millionen) gekillt werden kann, muss er um sein Leben laufen...
     
    Mir gefällt es, dass Sebastian Fitzek immer wieder Charaktere mit Ecken und Kanten entwickelt, mit denen der Leser mitfiebern kann und die trotz ihrer Macken und Fehler immer noch sympathisch sind. So erging es mir zumindest mit Benjamin Rühmann. Und auch die zweite Auserwählte der AchtNacht, Arezu Herzsprung, die  in dem Ganzen eine besondere Rolle spielt (welche wird hier natürlich nicht verraten...), ist nicht aalglatt: Die Psychologie-Studentin ritzt sich, ist total abgemagert und hat mit ihrer eigenen Vergangenheit, in der sie von Mitschülern gemobbt und geschlagen wurde, zu kämpfen. Gemeinsam versuchen die beiden dann hinter das Geheimnis von AchtNacht und dem Erschaffer "Oz" zu kommen.
    Währenddessen werden sie von sensationsgeilen Menschen verfolgt, die für Social-Media und perverse Plattformen Videos produzieren und versuchen, diese gewinnbringend an den Mann zu bringen. Um möglichst gute Aufnahmen zu bekommen, spielen sie mit Ben und Arezu ihr ganz eigenes Spiel... Zudem werden in den sozialen Netzwerken Aufenthaltsorte, Gerüchte und verschiedene Geschichten über die beiden Gejagten verbreitet, weshalb es für sie immer enger wird...
    Besonders gut finde ich es, dass man immer wieder Perspektivwechsel hat und die Geschichte nicht nur aus Sicht von Ben und Arezu geschildert bekommt, sondern auch aus Sicht der Verfolger, die zum Teil durchschauen, dass es sich bei AchtNacht um nichts Legales handeln kann und trotzdem ihren Profit mit Videos daraus schlagen wollen. Dadurch wird das Spannungslevel immer wieder angezogen und die Geschichte wird zu keiner Zeit langweilig oder gerät ins Stocken. Dies wird durch den abwechslungsreichen Schreibstil noch einmal unterstützt. Das Ende fand ich persönlich auch wieder sehr überraschend und ich hatte so den typischen "Fitzek-WTF-Moment", der mir in manchen Vorgängern (Passagier 23, Joshua Profil, Noah) teilweise gefehlt hat. Auch die Lösung auf die Frage, wer Ben nominiert haben könnte, hat mich echt überrascht.
     
    Die Thematik "FAKE NEWS" mit einem aus dem Ruder gelaufenen massenpsychologischen Experiment in einem fiktionalen Thriller aufzugreifen, finde ich clever und einzigartig - denn die Gedanken sind nicht so fernab der Realität. Die AchtNacht zeigt im Roman, dass Menschen eben nicht immer in der Lage sind, von echten und unechten Nachrichten zu unterscheiden (was gar nicht mal so unrealistisch ist!), dass seriöse Medien gerne auf solche "Fake"-News reinfallen und damit die Glaubwürdigkeit erhöhen und zu welchen (zwar hier überspitzt dargestellten) Konsequenzen es dadurch kommen kann. Allerdings hat das Szenario im Roman auch irgendwie ein Logikloch. Würde eine AchtNacht, die von "Unbekannten" ins Leben gerufen und online propagiert wird, nicht normalerweise von der Bundesregierung sofort boykottiert werden? Gerade wenn es heißt, der Bundespräsident würde die Aktion unterstützen und begrüßen, würde nicht dann sofort ein Dementi folgen? Davon liest man in "AchtNacht" allerdings nichts, auch die Polizei scheint gegen die Jäger nicht wirklich etwas zu unternehmen. Trotz dieses Logiklochs habe ich mich aber vom Thriller unterhalten gefühlt, der letztlich ja auch der Unterhaltung dienen soll und nicht immer alles zu hundert Prozent logisch erklären muss. Auch einige andere Dinge waren etwas übertrieben: Wenn ein schwer verletzter Mensch plötzlich aus dem Krankenhaus aufbricht, muss man schon ein bisschen mit dem Kopf schütteln...
     
    Nichtsdestotrotz gefällt  es mir, dass neben der "Fake"-News-Thematik auch weitere ernstzunehmende Themen wie Cyberbullying, Mobbing im Alltag, Hetze im Internet (die heutzutage ja leider keine Seltenheit mehr ist), usw. aufgegriffen werden und damit auch die Social-Media-Generation, der ich selbst ja nun auch angehöre, ein Spiegel vorgehalten wird und es bei Lesern eventuell auch zu einem Umdenken/ bewussteren Umgang mit den Medien kommt.
     
     

    Fazit:

    "AchtNacht" ist brandaktuell und zeigt gerade der jungen Social-Media-Generation, wohin bewusste Fake-News in der heutigen Zeit führen können. Auch wenn die AchtNacht nicht in voller Gänze logisch erscheint (Wo ist ein Dementi der Bundesregierung oder Polizei, die gegen die Jäger vorgeht und dem Quatsch ein Ende bereitet?), regt der Roman den Leser an, über seinen eigenen Medienkonsum nachzudenken und den Einfluss sozialer Netzwerke, in denen Hetze und Cyberbullying an der Tagesordnung stehen, zu hinterfragen bzw. sich dessen bewusst zu werden. Mit Benjamin Rühmann und Arezu Herzsprung - zwei Charakteren mit Ecken und Kanten - gelingt es Fitzek, wieder einmal eine spannende Geschichte - insbesondere eine spannende Jagd - zu erzählen, die vor allen Dingen durch Perspektivwechsel (auch aus Sicht der Jäger!)  und einen abwechslungsreichen Schreibstil punktet. Auch das Ende ist überraschend und konnte mich überzeugen. Wer hinter "AchtNacht" bloß eine billige Kopie von "The Purge" erwartet, der liegt falsch.
     
    4 / 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur / Knaur TB für das Leseexemplar!
     
     
     

    Samstag, 11. März 2017

    Rezension: Schatten von Ursula Poznanski

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zum vierten Teil der "Beatrice Kaspary und Florin Wenninger"-Reihe von Ursula Poznanski für Euch. "Schatten" ist erst gestern erschienen und ich hatte schon vorab die Möglichkeit, das Buch zu lesen. Vielen Dank an den Verlag für diese tolle Gelegenheit.
    Noch eine kurze Info: Ich habe die anderen Teile der Reihe nicht gelesen (außer "Fünf", was aber schon mehrere Jahre zurückliegt), kam mit der Handlung und den Charakteren nichtsdestotrotz aber super zurecht. Der Teil könnte somit ohne Vorkenntnisse gelesen werden, auch wenn der Psychiater Vasinski, der offenbar in einem früheren Fall eine Rolle gespielt hat, hier auch auftaucht.
     
     
    Details:
    Cover: Wunderlich/Rowohlt
     
  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (10. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3805250630
  • ISBN-13: 978-3805250634
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    Eine Entführung. Drei Morde. Und ein Täter aus der Vergangenheit...

    Ein Mann, grausam zugerichtet in seiner Wohnung. Eine Hebamme, ertränkt in einem Bach - zwei Fälle, die Beatrice Kaspary als Ermittlerin im Dezernat Leib und Leben der Polizei Salzburg lösen muss. Schnell erkennt Beatrice, dass die beiden Morde zusammenhängen - und dass sie etwas mit ihr zu tun haben müssen. Denn sie kannte beide Toten. Sie konnte sie nicht leiden. Und sie weiß: Wenn sie nicht handelt, wird es weitere Opfer geben...
    Copyright Klappentext & Cover: Wunderlich / Rowohlt


    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung mit den Holzbalken und dem Himmel hat mir zunächst nicht so wirklich zugesagt, da ich sie relativ belanglos fand. Wenn man das Buch aber gelesen hat, dann macht das Ganze schon Sinn, denn das Wort "Holz" spielt zum Ende hin eine wichtige Rolle.
     
    Den Schreibstil von Poznanski fand ich alles in allem wirklich überzeugend, denn sie weiß genau, wie man den Leser fesselt. Am Anfang und zwischendurch waren es vor allen Dingen kurze Passagen aus Sicht des Killers, der überlegt, wer sein nächstes Opfer werden soll, die mich neugierig gemacht haben. Außerdem wollte ich natürlich wissen, was es nun mit den mysteriösen Fällen auf sich und ob und wie sie miteinander in Verbindung stehen. Es gelingt der Autorin somit von Anfang an, den Leser in den Bann des Buches zu ziehen und Spannung zu erzeugen. Die Spannung wird zudem die ganze Zeit über gehalten, da man immer wissen will, wer womöglich das nächste Opfer ist oder wie die Geschichte für Beatrice ausgeht.
     
    Dass die Mordopfer nicht wahllos ausgewählt werden, wird Beatrice Kaspary relativ schnell klar: Markus Wallner, das erste Opfer, hat sie flüchtig gekannt - und nicht gemocht. Am Tatort, in seiner Wohnung, fallen ihr dann Details auf, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammenhängen: Ein Zeitungsartikel im Schlafzimmer des Opfers erinnert zum Beispiel an den Mord von Kasparys Freundin Evelyn im Jahr 2001. Hat Markus Wallner Evelyn gekannt und womöglich ermordet? Beatrice lässt dieser Verdacht nicht mehr los, schließlich geriet Wallner gerne mit anderen aneinander und war bereits im Gefängnis.  Außerdem fällt ihr auf, dass der Täter offenbar ein Foto aus der Wohnung von Wallner entwendet hat - dieses wird später beim zweiten Opfer gefunden, das Beatrice ebenfalls kannte: Andrea Martinek, eine Hebamme, hatte sie ebenfalls getroffen - und nicht gemocht. Der Killer scheint somit ein Muster zu haben und alle Menschen um Beatrice auszulöschen, die sie nicht besonders mochte. Beim dritten Opfer (wer es ist, erwähne ich hier bewusst nicht...) wird in der Manteltasche der Ausweis des zweiten Opfers gefunden.
    Beatrice gerät schließlich selbst in den Fokus des Killers - stöbert im Tagebuch ihrer toten Freundin, um Antworten zu finden - und wird entführt... Ihr Kollege und Freund Florin Wenninger, ihre anderen Kollegen und Psychiater Christian Vasinski versuchen mit allen Mitteln, sie rechtzeitig wiederzufinden...
     
    Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, da sie sehr viele spannende Momente beinhaltet und auch nicht immer vorhersehbar ist. Auch die Auflösung, wer hinter der perfiden Mordserie steckt, war für mich sehr überraschend, da ich damit nicht gerechnet und eher eine andere Figur verdächtigt hatte.
     
    Auch die Charaktere sind alle sehr gut ausgearbeitet - gerade das Ermittler-Duo Wenninger und Kaspary war mir sehr sympathisch. Sie sind einerseits Kollegen, die sehr professionell miteinander umgehen, aber auch privat ein Paar, das noch am Anfang steht (ihre Beziehung halten sie vor Beas Kindern und ihren Kollegen geheim). Beatrice hat mich vor allen Dingen mit ihrer Cleverness und ihrem Spürsinn, besonders aber ihrer Hartnäckigkeit, in ihrer eigenen, schmerzhaften Vergangenheit zu wühlen, überzeugt. Insgesamt ist sie ein sehr tougher Mensch, den nichts so schnell aus der Bahn wirft. Florin hat großes Interesse daran, die Beziehung mit Beatrice offiziell zu machen und besonders ihre Kinder Jakob und Mina und ihren Ex-Mann Achim einzuweihen, gibt seiner Freundin aber weitere Zeit, da sie sich unsicher ist. Er ist somit eine sehr verständnisvolle Figur und seine Beziehung/ Liebe zu seiner Partnerin scheint echt, was sich auch in seiner ständigen Sorge im zweiten Teil des Buches und seiner Angst, zu versagen, widerspiegelt.
     
     

    Fazit:

    "Schatten" ist ein sehr gelungener Thriller, der von Anfang an Spannung erzeugt und konsequent bis zum Ende halten kann. Dies liegt sowohl am guten Schreibstil der Autorin als auch an der geschickt konzipierten Geschichte.  Die Mordserie, die sich hier ereignet, fesselt den Leser, denn er ist - ebenso wie die Protagonistin - daran interessiert, wer der Killer ist und was es mit ihm - und den Ereignissen in der Vergangenheit -  auf sich hat. Die beiden Hauptpersonen, deren Beziehung zueinander und ihre Charakterzüge sind sehr gut ausgearbeitet, so dass der Leser nicht nur am Fall, sondern auch tatsächlich am Privatleben der beiden interessiert ist. Auf weitere Fälle mit Kaspary und Wenninger freue ich mich.
     
    Sterne: 4,5 von 5
     
    Was meint ihr? Wie findet ihr die Reihe rund um Beatrice Kaspary und Florin Wenninger?
     
    Vielen Dank an Wunderlich/Rowohlt für das kostenfreie Leseexemplar!

    Samstag, 25. Februar 2017

    Rezension: Während du stirbst von Tammy Cohen

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Während du stirbst" von Tammy Cohen für Euch. Auch wenn der Thriller an Weihnachten spielt und Weihnachten schon längst vorbei ist, dachte ich mir, dass ich das Buch dennoch unbedingt lesen sollte und möchte Euch meine Meinung nicht vorenthalten. Das Buch habe ich schon öfter im Thalia liegen sehen und habe zugeschlagen, nachdem der Booktuber Phils Osophie zunächst sehr positiv darüber gesprochen hat. Letztlich hat es sich für ihn als Flop herausgestellt - für mich aber keineswegs. Wieso, weshalb, warum? Lest selbst!
     
     
    Details:
    Cover: Blanvalet / Randamhouse
     
  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (16. November 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3734102197
  • ISBN-13: 978-3734102196
  • Originaltitel: Dying for Christmas
  • Preis: 9,99
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    Inhalt:
     
     
    "Sehr wahrscheinlich werde ich TOT sein, bevor Sie das hier zu Ende gelesen haben."


    Drei Dinge gibt es über Jessica Gold zu wissen: Sie ist neunundzwanzig Jahre alt, sie hat eine Knopfphobie, und sie wurde entführt. Von einem Fremden, der sie zwölf Tage lang in seiner Wohnung gefangen hält, sie mit perfiden Grausamkeiten quält, sie angekettet in einer Hundehütte am Fuß seines Bettes schlafen lässt. Und jeden Tag überreicht er seinem Opfer ein Geschenk – eines grausamer als das letzte –, bis Jessica am zwölften Tag sicher weiß: Der Mann wird sie töten. Doch Jessica hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt …
    Copyright Klappentext & Cover: Blanvalet
     
     
     
    Meine eigene Meinung:
     
    Die Covergestaltung finde ich alles in allem sehr ansprechend, denn sie passt zur Geschichte. Jessica bekommt von dem Mann, der sie gefangen hält, jeden Tag ein Geschenk überreicht. Daher finde ich es gut, dass man das Cover ganz in schwarz gehalten hat und mit einer ebenso schwarzen Schleife versehen hat. Dadurch strahlt das Buch etwas Düsteres aus und man bekommt Lust, "das Geschenk" zu öffnen und den Inhalt zu verschlingen.
     
    Die Geschichte hat mich von Anfang an in den Bann gezogen, denn der Leser fühlt sich zu Beginn direkt von der Protagonistin Jessica angesprochen: "Es kann gut sein, dass ich schon tot bin, wenn Sie das hier zu Ende gelesen haben" - so lautet der erste Satz. Von da an wollte ich unbedingt wissen, was dieser Figur Schreckliches widerfährt und wie es am Ende wirklich für sie ausgeht.
    So trifft Jessica nach ihrem Weihnachtsshopping am 24. Dezember in einem Café auf einen Unbekannten, der sich ihr als Dominic Lacey vorstellt. Obwohl die Protagonistin einen Freund - Travis - hat, entschließt sie sich zu dem Unbekannten ins Auto zu steigen und mit ihm in seine Wohnung zu fahren, um sich noch einen Drink zu genehmigen. Doch dort angekommen, wird ihr die Sache doch zu heikel und sie möchte gehen. Doch Dominic hat ganz andere Pläne: Er schließt die Tür ab, lässt Jessica nicht gehen und will sie bis zum 6. Januar bei sich behalten. Er will an den Weihnachtsfeiertagen nicht alleine sein und möchte, dass sie sich beide dem anderen gegenüber komplett offenbaren. Dies tut er, indem er ihr jeden Tag ein Geschenk gibt, einen Gegenstand aus seiner Vergangenheit, und eine Anekdote aus seiner tragischen Kindheit und Jugend erzählt. Hier habe ich mir insgeheim erhofft, dass die Geschenke noch spannender bzw. erschreckender sind, als es dann am Ende tatsächlich der Fall war. Zudem finde ich, dass sich der Part, bis alle Geschenke verteilt sind, etwas gezogen hat und auch keine richtigen Überraschungen beinhaltet hat.  Jessica wird zum Ende hin bewusst, dass sie dort womöglich nicht mehr lebend raus kommt (Dominic hatte zuvor schon zwei Frauen und einen Sohn; die eine Frau hat sich und den Sohn umgebracht, die andere Frau scheint er umgebracht zu haben). Aber noch viel schlimmer: Während ihres Aufenthalts wird sie immer wieder erniedrigt - Sie muss Fleisch essen, obwohl sie Vegetarierin ist; Sie wird ständig angekettet und muss im Schlafzimmer in einer Hundehütte schlafen; ihr wird unfreiwillig ein Tattoo verpasst und er sieht ihr zu, wenn sie auf Toilette muss.
     
    Das Besondere an der Situation ist für den Leser das Wechselspiel zwischen den beiden, das immer wieder für Spannung sorgt. Einerseits ist der Leser gespannt, welches Geschenk Jessica am nächsten Tag erwartet und welche kranke Geschichte von Dominic sich dahinter verbirgt, andererseits ist man gespannt, wie er sie an diesem Tag behandeln wird. Ist er mit ihr nicht zufrieden, wird sie auf eine perfide Art gequält. Die Art ist gar nicht mal immer so krass, beeinträchtigt eine Person psychisch zum Teil aber sicherlich enorm. Auf der anderen Seite versucht er aber auch liebevoll mit ihr umzugehen und spricht sie immer wieder mit Kosenamen an, während sie beim förmlichen  "Sie" bleibt. Natürlich wird Jessica ab und an auch leichtsinnig und versucht zu fliehen, was ihm nicht entgeht und wofür sie dann immer wieder büßen muss. Jessica geht es außerdem von Tag zu Tag schlechter: ihr fallen ihre Haare aus, sie bekommt einen heftigen Hautausschlag und ihre Nägel fallen einfach ab. Wie und ob es für die Protagonistin gut ausgeht, will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, allerdings kommt im zweiten Teil des Buches wirklich alles komplett anders. Diese Wendung war absolut unvorhersehbar. Von diesem Punkt an passiert insgesamt nicht mehr viel, aber dem Leser wird nach und nach offenbart, welche Rolle Jessica wirklich spielt und was sich wirklich alles zugetragen hat. Mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten. Insgesamt würde ich aber nicht sagen, dass der Teil weniger spannend ist, denn alles erscheint plötzlich in einem anderen Licht und auch am Ende gibt es noch Überraschungen.
     
    Gut gefallen hat mir auch, dass Jessica als Figur zunächst für den Leser nicht gänzlich greifbar ist (obwohl die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird), da das auch zu ihrer Beschreibung passt. Sie ist ein verschlossener Mensch, der eigentlich keine richtigen sozialen Kontakte hat. Auch die Beziehung zu ihrem Freund läuft schlecht und man merkt, dass sie sich selbst eigentlich darüber im Klaren ist, dass sie nichts für ihn empfindet. Zu ihrer Familie hat sie insgesamt auch ein merkwürdiges Verhältnis, denn von ihren Geschwistern und Eltern wird sie immer nur als "seltsam" beschrieben und hat sogar Sitzungen bei einer Psychotherapeutin geschenkt bekommen. Immer wieder wird davon berichtet, dass sie ab und an Aussetzer hat und manchmal nicht ganz anwesend ist (manche dieser Ereignisse machen hinterher aber sogar Sinn!). Auch scheint sie des Öfteren irgendwelche vermeintlichen Stimmen zu hören.
    Neben den beiden Protagonisten gibt es auch noch eine dritte Hauptfigur: Polizistin Kim. Der Polizisten-Aspekt ist hier wiederum etwas klischeehaft dargestellt. Welcher Polizist hat eigentlich keine privaten Probleme? Die Polizistin steht kurz vor dem Ehe-Aus, ihr Mann will, dass sie sich entscheidet: Beförderung/Job oder Familie? Die Mutter von zwei Kindern hat mit dieser Entscheidung zunächst zu kämpfen, stürzt sich aber selbst an Weihnachten lieber in die Arbeit, als bei ihrer Familie zu sein. Als ihr Mann schließlich will, dass sie auszieht, freut sie sich sogar über die Zeit, die sie nun mehr in ihre Arbeit investieren kann. Ob sich ihre Einstellung zum Ende hin ändert, lasse ich an dieser Stelle offen. Zu ihr lässt sich außerdem sagen, dass sie sehr clever an den Jessica-Gold-Fall rangeht und auch ein bisschen kritisch denkt, was im Endeffekt genau richtig ist.
     
     

    Fazit:

    Tammy Cohen versteht es, den Leser zunächst an der Nase herumzuführen. "Während du stirbst" ist ein spannender, wendungsreicher Thriller, der in der zweiten Hälfte noch einmal für ordentliche Überraschungen sorgt. Diese lassen die Geschichte letztlich in einem anderen Licht dastehen, wie man es zuvor nicht erwartet hat. Die erste Hälfte lebt vor allem vom perfiden Wechselspiel zwischen Jessica und Dominic, das der Leser gespannt verfolgt. Beide Charaktere - mit ihren Eigenarten und Geschichten - sind sehr gut ausgearbeitet, wenn auch - sicherlich mit Absicht - nicht immer greifbar. Auch wenn in der zweiten Hälfte grundsätzlich handlungstechnisch weniger passiert, ist diese nichtsdestotrotz mindestens genauso spannend.  Die Geschichte rund um Protagonistin Kim hingegen wirkt etwas klischeehaft (Warum hat immer jeder Polizist private Probleme?) und konnte mich nicht gänzlich überzeugen. Auch habe ich mir insgeheim erhofft, dass die Geschenke, die Jessica bekommt, erschreckender sein werden und der Part, bis alle Geschenke verteilt sind, noch mehr Überraschungen bzw. Abwechslung beinhaltet.
     
    3,5 von 5 Sterne