Mittwoch, 18. Oktober 2017

Rezension: Das Spiel: Tod von Jeff Menapace

Hallo ihr Lieben!

Ich habe nun den letzten Teil der Spiel-Trilogie von Jeff Menapace gelesen und möchte Euch natürlich meine Meinung zu "Das Spiel: Tod" nicht vorenthalten. Die Trilogie wurde im letzten Monat sogar noch um ein weiteres Buch (Original-Titel: Bad Games: Malevolent) erweitert und damit zur Tetralogie. Ob und wann der Band hier auf Deutsch erscheinen wird, ist bisher nicht bekannt.
Ich empfehle, einen Teil nach dem anderen zu lesen. Solltet ihr die anderen Teile noch nicht kennen, überspringt die Rezension lieber, da ihr sonst auf ein paar +++Spoiler+++ stoßen würdet.

Details:
Cover: Heyne Hardcore
  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (10. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453677099
  • ISBN-13: 978-3453677098
  • Preis: 9,99




  • Inhalt:

    Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt ― aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens … für die Lamberts die pure Hölle!
    Copyright Klappentext & Cover: Heyne Hardcore


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover gefällt mir persönlich gar nicht, da es einfach nichts mit der Handlung zu tun hat und auch so nicht wirklich neugierig macht. Außerdem könnte der Klappentext für begeisterte Leser der ersten beiden Teile etwas irreführend sein, denn in diesem Teil geht es hauptsächlich um Domino, der im zweiten Teil eine Rolle gespielt hat. Die Lamberts tauchen natürlich am Rande auf, sind dieses Mal aber nicht die Leidtragenden des "Spiels". Mir persönlich hat das gar nichts ausgemacht, da ich die Geschichte wegen der interessanten Charaktere und ihren Handlungen auch so als sehr spannend und fesselnd empfunden habe.
     
    Dass die gesamte Trilogie kein literarisches Meisterwerk ist, dürfte klar sein. Es handelt sich um kurzweilige Horror-Thriller, wobei die Ästhetik der Sprache natürlich keine große Rolle spielt. Der Autor hält sich auch dieses Mal nicht mit unnötigen/langen Beschreibungen auf, sondern bringt das Geschehen drastisch und unkompliziert auf den Punkt, was wiederum auch zu den Charakteren passt, die schonungslos agieren. So kommt es dieses Mal auch nicht zu unnötigen Längen, was ich im vorherigen Teil kritisiert hatte.
     
    Monica, die Schwester der Fannelli-Brüder, lebt und möchte sich dieses Mal an Domino rächen, da dieser ihren Vater beim finalen Showdown im letzten Buch getötet hat. Um ihren grausamen Plan und das letzte "Spiel" umsetzen zu können, geht sie in einem Mädchen-Internat für schwererziehbare Mädchen verdeckt auf die Suche nach einer Psychopathin. Dort wird sie fündig: Kelly hat im Internat schon das ein oder andere Verbrechen (auch Mord!) begangen, aber immer dafür gesorgt, dass ihr nichts nachgewiesen werden konnte. In ihr scheint eine böse Persönlichkeit zu schlummern, die für Monicas Plan perfekt ist...
    Derweil ahnt Domino von seinem "Glück" noch nichts und glaubt, dass seine Rivalin tot ist. Er kümmert sich freundschaftlich um Amy Lambert und ihre Kinder Caleb und Carrie, die nach den Geschehnissen im zweiten Teil ein neues Zuhause bezogen haben. Domino macht sich immer noch Vorwürfe dafür, dass er seinen Freund Patrick, Amys Ehemann, am Ende des zweiten Teils nicht retten konnte und möchte deshalb die übrigen Lamberts beschützen.
     
    Insgesamt finde ich, dass die Charaktere wieder einmal sehr gut ausgearbeitet wurden. Die beiden Bösen arbeiten gemeinsam ihren perfiden Plan aus, wobei Monica eine Art Mentoren-Rolle für Kelly einnimmt und ihr auch nicht immer alles im Detail erklärt, sondern Dinge vorenthält. Kelly scheint von Monicas Mordlust und ihrer Schonungslosigkeit fasziniert, scheint aber irgendwie ihren eigenen Kopf zu haben, was Monica zum Teil versucht zu unterdrücken. Von Domino bekommt der Leser dieses Mal auch andere Facetten zu spüren: Er ist nicht nur ein muskelbepackter, starker, hilfsbereiter und verantwortungsbewusster Beschützer, sondern hat auch einen weichen, zerbrechlichen Kern.

    Spannungstechnisch konnte der dritte Teil mich voll und ganz überzeugen, da (wie schon zuvor erwähnt) auf unnötige Längen, die leider im vorherigen Teil auftraten, verzichtet wurde. Einige andere Leser hatten das Gefühl, dass der Autor keine großen Ideen mehr hatte und den letzten Teil einfach schnell runtergeschrieben hat - das Gefühl hatte ich nicht.  Das "Spiel", das Monica am Ende mit Domino spielt, fand ich wirklich sehr nervenaufreibend, da selbst der Starke schnell an seine Grenzen kommt und nicht (nur) um sein eigenes Leben kämpfen muss... Hinzu kommt, dass sich der Showdown dieses Mal schon stärker von den ersten beiden unterscheidet.

    Fazit:

    Jeff Menapace ist ein spannendes, nervenaufreibendes Finale gelungen. Auf unnötige Längen, die im zweiten Teil noch auftraten und die Spannung abflauen ließen, wurde verzichtet. Dabei wirkt die Geschichte aber keinesfalls ideenlos oder schnell runtergeschrieben. Besonders gut gelingt es ihm, die Charaktere zu zeichnen und im Fall von Domino auch neue, überraschende Facetten zu zeigen. Der Showdown bzw. das Spiel, bei dem Domino nicht nur um sein eigenes Leben kämpfen muss, war spannend und anders gestaltet (im Vergleich zu den Vorgänger-Teilen). Insgesamt handelt es sich bei der Trilogie natürlich um kein literarisches Meisterwerk für Sprachästhetiker, aber das ist natürlich auch nicht die Absicht des Autors.

    4 / 5 Sterne


    Das Spiel: Tod bei Randomhouse

    Rezension "Das Spiel: Opfer"
    Rezension "Das Spiel: Rache"


    Vielen Dank an Heyne Hardcore/ das Bloggerportal für die Bereitstellung des Buches.

    Donnerstag, 28. September 2017

    Rezension: Housesitter von Andreas Winkelmann

    Hallo ihr Lieben!

    Heute geht es weiter mit einer Rezension zu "Housesitter" von Andreas Winkelmann. Der Autor konnte mich zuletzt schon mit seinem Thriller "Nummer 25", den er unter dem Pseudonym Frank Kodiak veröffentlicht hat, komplett überzeugen, weswegen die Vorfreude auch dementsprechend groß war.

    Cover: Wunderlich

    Details:

  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (18. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3805251025
  • ISBN-13: 978-3805251020
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    Er will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter

    Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
    Dann spürst du einen jähen Schmerz - und es wird Nacht um dich.

    Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
    Deine Freundin ist verschwunden - entführt.

    Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen...
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Wunderlich Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover  von "Housesitter" gefällt mir persönlich sehr gut. Man kann sich quasi vorstellen, wie der Housesitter vor einem Haus lauert, den Lichtschein sieht und darauf hofft, dass die Bewohner bald in den Urlaub fahren und er sich einnisten kann. Der blutrote Schriftzug, durch den sich ein paar Zweige eines Baumes schlängeln, lässt das Ganze noch interessanter wirken.
     
    Mit der Geschichte konnte Winkelmann mich auch dieses Mal wieder überzeugen. Anfangs fand ich die Charaktere zwar noch recht platt und langweilig bzw. eindimensional, das hat sich aber dann doch recht schnell gelegt.  Besonders spannend fand ich es, dass er die Geschichte wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln (allerdings in Er/Sie-Form, nicht in der Ich-Perspektive) erzählt.
    So verfolgt der Leser  Thomas Bennett, der selbst durch pures Glück eine Attacke des Housesitters überlebt hat und nun auf der Suche nach seiner schwangeren Freundin Saskia Laak ist, die entführt wurde. In seinen Augen tut die Polizei, besonders der Ermittler Scheurich, einfach nicht genug, um Saskia zu finden, weswegen er selbst Flyer und Plakate anfertigen lässt und diese mit seinem Bruder Nils, zu dem er ein merkwürdiges Verhältnis hat, verteilt. Er macht sich zunehmend Sorgen, schläft kaum und gibt alles, auch wenn er selbst fast am Ende seiner Kräfte ist. Außerdem gibt er sich zum Teil auch selbst die Schuld, weil er sich für feige hält und glaubt, seine Freundin nicht richtig beschützt zu haben. Während Scheurich eher untätig ist, erkennt Priska Wagner, eine Polizistin, die in einer anderen Stadt an einen ähnlichen Fall gerät, recht schnell eine Verbindung und geht dieser auf eigene Faust und zum Teil mit Hilfe ihres Kollegen Kerkmann nach. Sie ist sehr schlagfertig, direkt, motiviert, lässt sich von ihren männlichen Kollegen und Vorgesetzten nicht unterbuttern und ist sehr dominant. Ihr ist es zudem egal, was andere von ihr halten und sie wirkt oftmals unsympathisch. Natürlich kommt es auch mit Scheurich, den sie aufsucht und um Infos bittet, zu Reibereien. Außerdem hat sie sehr gute Instinkte, die sie antreiben, weiter Nachforschungen anzustellen, auch wenn das gegen den Willen ihres Vorgesetzten geschieht. Ihr Enthusiasmus und die Tatsache, dass sie hinterher gemeinsam mit Thomas agiert, obwohl es ja nicht ihr Fall ist, haben sie irgendwie für mich sympathisch gemacht, auch wenn ich sie anfangs gar nicht mochte.
     
    Besonders spannend waren natürlich die Kapitel aus Sicht des Housesitters. Einerseits verfolgt man hier, wie er neue Opfer ausfindig macht, im Haus eines Pärchen haust und dann den Mann mit einem Hammer erschlägt und die Frau entführt, sobald sie aus dem Urlaub kommen. Der Autor sorgt hierbei immer wieder für Nervenkitzel, da man nicht weiß, ob und wie lange die Frau überleben wird. Außerdem geht der Killer immer sehr brutal und schonungslos vor.  Andererseits werden auch immer wieder Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend des Housesitters sinnvoll eingebaut, wodurch der Leser zum Teil einen Einblick in seine Psyche bekommt und zum Teil auch Verständnis für dessen Lage aufbringen kann.
    Dadurch, dass es immer einen Wechsel von Thomas zu Priska Wagner, zu einem weiteren Opfer oder zum Housesitter gab, wurde das Spannungslevel  meiner Meinung nach sehr gut gehalten. Man verfolgt einerseits die Ermittlungen und ob sich langsam eine brauchbare Spur auftut und andererseits den Housesitter, der sich immer wieder neue Opfer sucht, die darauf hoffen, das alles zu überstehen.
    Das Ende, wo sich nach und nach die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen und der Housesitter endlich ausfindig gemacht werden kann, hat mich ebenfalls überzeugt.
     

    Fazit:

    Andreas Winkelmann sorgt mit "Housesitter" wieder einmal für Nervenkitzel und Spannung. Besonders die unterschiedlichen Blickwinkel, aus denen die Geschichte erzählt wird, überzeugen. Einerseits verfolgt man den Housesitter, wie er seine neuen Opfer beobachtet, dann in ihrem Haus haust, wenn sie im Urlaub sind, und dann schonungslos zuschlägt. Ob und wie lange er dann mit den entführten Frauen zusammen leben kann oder ob er sie auch mit seinem Hammer erschlägt, ist die Frage. Andererseits verfolgt man Thomas Bennett, der alles daran setzt, seine entführte Freundin Saskia zu finden und schließlich mit Priska Wagner, die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Fällen herstellen kann, zusammenarbeitet. Anfangs fand ich die Charaktere leider platt und langweilig - am Ende wurde "Housesitter" aber doch zu einer gelungenen Überraschung. Allerdings kann das Niveau von "Nummer 25" nicht gehalten werden.

     
     
    4 / 5 Sterne
     
     
     
     
     
    Vielen Dank an Wunderlich für das kostenfreie Leseexemplar!
     
     

    Samstag, 23. September 2017

    Rezension: Feuerläufer von Paul Finch

    Hallo ihr Lieben!

    Dass ich mittlerweile ein großer Fan von Paul Finch bin, ist kein Geheimnis mehr. Deshalb musste ich natürlich auch unbedingt seinen neuen Thriller "Feuerläufer" lesen. Dem Autor ist auch hier wieder eine spannende Geschichte rund um Detective Sergeant Mark "Heck" Heckenburg gelungen.


    Details:
    Cover: Piper

  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (1. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492309747
  • ISBN-13: 978-3492309745
  • Preis: 10,00


  • Inhalt:

    Ein perfider Killer macht England unsicher, und Mark Heckenburg ist ihm dicht auf den Fersen. Die Ermittlungen führen den Detective in seine Heimat, die heruntergekommene Industriestadt Bradburn. Doch hier versteckt sich nicht nur der Mörder, ein Brandstifter fackelt Häuser und Menschen ab. Bald findet Heck heraus, dass zwischen den Bossen der Bradburner Unterwelt Krieg herrscht. Und er muss es nicht nur mit gleich zwei Killern aufnehmen, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit …
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Piper Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das schwarz-weiße Cover mit der neon-orangen Schrift und der farbige Buchschnitt gefallen mir auch dieses Mal wieder sehr gut, da einem das Buch sofort ins Auge springt. Auch der Titel passt perfekt, denn einer der perfiden Killer wird eben "Feuerläufer" genannt.
     
    Zum Schreibstil des Autors muss ich eigentlich gar nicht mehr viel sagen. Er ist simpel und fesselnd zugleich. Außerdem nimmt sich Finch sehr viel Zeit, um die Schauplätze genauer zu beschreiben und somit dem Leser ein gewisses Bild einer Stadt, eines Ortes oder einer Situation zu liefern.
     
    Die Geschichte konnte mich auch dieses Mal wieder überzeugen, da Mark Heckenburg es eben gleich mit zwei Killern aufnehmen muss, wobei jeweils einer davon für eine der beiden Banden in Bradburn zuständig zu sein scheint. Einerseits gibt es John Sagan, der Menschen in seiner "Quälbox", einem speziell ausgestatteten Wohnwagen, auf brutale Weise verstümmelt. Andererseits gibt es den Feuerläufer, der seine Opfer mit einem Flammenwerfer abfackelt. Besonders spannend waren die Szenen, in denen der Feuerläufer seinen nächsten Opfern auflauert und dann wieder zu Werke geht.
     
     Das Markenzeichen von Paul Finch sind natürlich spannende Verfolgungsjagden, die auch in "Feuerläufer" nicht fehlen und den Leser unterhalten. Was ich persönlich etwas langatmig fand, waren die ständigen Beschreibungen der Banden, auch wenn sie natürlich vordergründig eine tragende Rolle in der Geschichte spielen (schließlich geht es ja darum, herauszufinden, wer hinter dem Feuerläufer steckt und ob es sich um einen Bandenkrieg handelt und wieso dieser entfacht ist). Dadurch hat die Geschichte für mich aber einfach immer wieder zwischendurch an Spannung verloren. Ich denke, dass es besser gewesen wäre, wenn Finch die Geschichte vielleicht um 50 Seiten gekürzt hätte. Auf den letzten 100 Seiten, wo es allmählich zum finalen Showdown kommt, wurde ich dann aber doch wieder voll und ganz in die Geschichte gesogen.   Wer nun hinter dem Feuerläufer steckt und was es mit allem auf sich hat, werde ich natürlich nicht verraten. Nur so viel kann ich sagen: Einen Verdacht, den Heck zum Ende hin hatte, hatte ich schon von Anfang an. Dieser stellt sich jedoch als falsch heraus, der richtige Feuerläufer lauert Heck und der zuvor verdächtigten Person auf und die beiden müssen gemeinsam um ihr Überleben kämpfen! Spannend!
     
    Paul Finch ist es gelungen, dieses Mal auch andere Facetten von Heck noch stärker auszuarbeiten. So bekommt der Leser nicht nur den mutigen, risikobereiten und eigensinnigen Heck zu spüren, der sich immer über andere Anweisungen hinwegsetzt, seine eigenen Theorien verfolgt und sich auch mit den Gangstern persönlich anlegt, sondern auch den nachdenklichen Heck, der mit seiner bewegten Vergangenheit noch nicht abgeschlossen hat. Beispielsweise erfährt der Leser, wieso Heck überhaupt Polizist geworden ist, wieso es zu einem Bruch mit seiner Familie gekommen ist und wieso er mit Bradburn eigentlich komplett abgeschlossen hat. Außerdem trifft er in Bradburn auch auf seinen Onkel, der dort Pater ist.
     Natürlich wird auch wieder das Verhältnis zwischen ihm und seiner vorgesetzten Gemma Piper, mit der er einst zusammen war, beleuchtet. Zwischen den beiden scheinen zum Teil irgendwie noch Funken zu sprühen, aber beide wissen, dass sie gemeinsam einfach keine Chance mehr hätten. Außerdem widersetzt sich Heck wieder regelmäßig ihren Anweisungen und bringt sich gegen ihren Willen ständig selbst in Gefahr.
    Auch die anderen Figuren, beispielsweise Hecks "erste Flamme" Kayla Green, die in ihrem Leben auch sehr viel erlebt hat und froh ist, Heck wiederzusehen,  oder die Bösewichte Vic Ship und Lee Shaughnessy, sind alle sehr gut ausgearbeitet und bleiben nicht platt/eindimensional.
     
     

    Fazit:

    Paul Finch ist mit "Feuerläufer" erneut ein spannender, fesselnder Thriller gelungen, der vor allen Dingen durch den brutal agierenden Feuerläufer und die undurchschaubaren Machenschaften punktet. Besonders auf den letzten 100 Seiten wird die Spannung noch einmal ordentlich angezogen, weil sich Heck wieder einmal selbst in Gefahr bringt.  Auch die spannenden Verfolgungsjagden, die ein Markenzeichen des Autors sind, kommen hier nicht zu kurz. Dem Autor gelingt es außerdem, andere Facetten der Hauptfigur einzustreuen und Nebenfiguren ebenfalls vielseitig zu beschreiben. Störend sind lediglich die ständigen ausführlichen Beschreibungen zu den beiden Brandburner Banden, da hierdurch die Spannung immer wieder verloren geht. Insgesamt wäre es vielleicht besser gewesen, wenn man sich hier etwas eingeschränkt hätte und somit insgesamt 50 Seiten eingespart hätte, um kontinuierlich für Spannung zu sorgen.
     
     
    4 / 5 Sterne
     
    Hier findet ihr die restlichen Rezensionen zur "Mark-Heckenburg"-Reihe:
     
     
     
    Vielen Dank an Piper für das kostenfreie Leseexemplar!
     
     
     

    Donnerstag, 31. August 2017

    Rezension: Das Spiel: Rache von Jeff Menapace

    Hallo ihr Lieben!

    Vor längerer Zeit habe ich die "Spiel"-Trilogie von Jeff Menapace begonnen und habe für Euch damals auch schon den ersten Teil rezensiert (Rezension "Das Spiel: Opfer"). Nun habe ich auch endlich die Zeit gefunden, um den zweiten Teil "Das Spiel: Rache" für Euch zu lesen, weshalb es heute eine Rezension zu diesem Horror-Thriller gibt. Eins vorab: Ihr solltet auf jeden Fall die Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen, weil der zweite Teil komplett auf den ersten aufbaut!


    Cover: Heyne Hardcore

    Details:

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (14. November 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453677080
  • ISBN-13: 978-3453677081
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Im Herbst 2008 wurde die Lambert-Familie im amerikanischen Hinterland Opfer der Fannelli-Brüder. Von den beiden Verbrechern überwältigt, mussten die Lamberts buchstäblich durch die Hölle gehen. Sie haben überlebt – und zurückgeschlagen. Doch es ist noch nicht vorbei, denn die Fannellis haben Freunde, sehr gute Freunde. Das Spiel geht weiter …
    Copyright Klappentext & Cover: Heyne Hardcore


    Meine eigene Meinung:

    Das Cover gefällt mir persönlich sehr gut, da die Blutpfütze und die blutbeschmierten Stiefel nichts Gutes verheißen und die neue Bedrohung, die auf die Familie Lambert wartet, zu spüren ist.
     
    Natürlich erwartet den Leser kein literarisches Meisterwerk - das dürfte aber eigentlich auch von Anfang an klar sein. Der Schreibstil von Jeff Menapace ist simpel, schlicht, zum Teil auch etwas vulgär, was allerdings auch zur Geschichte und den perfiden Charakteren passt.
     
    Die Geschichte  setzt kurze Zeit nach den Geschehnissen am Crescent Lake an. Familie Lambert versucht sich von den schrecklichen Ereignissen zu erholen. Sie ist aber sichtlich gezeichnet, weswegen therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird.
    Derweil sitzt Arthur "Arty" Fannelli in Haft und wartet darauf, dass der Strafprozess gegen ihn beginnt. Nach dem grausamen Spiel, das er zusammen mit seinem Bruder James gespielt hat, hat Arty erfahren, dass er und sein Bruder, der am Ende des ersten Teils überwältigt und getötet werden konnte, adoptiert wurden.    Und es scheint Rettung aus der Vergangenheit zu kommen: Monica, die bis dato unbekannte Schwester der Fannellis, die ebenfalls eine Leidenschaft für perfide Spiele hat und auch adoptiert wurde, setzt alles daran, ihren Bruder zu befreien und die richtige Familie zu vereinen. Gemeinsam mit ihrem leiblichen Vater, den sie vor vielen Jahren aufgespürt hat, möchte sie den Mord an ihrem Bruder James, den sie nie persönlich kennengelernt hat, rächen und  macht sich auf die Suche nach den Lamberts, die von dem neuen, bösen Spiel nichts ahnen.
     
    Insgesamt kann der zweite Teil das Spannungslevel des ersten Teils nicht ganz halten, da die Lamberts von der Bedrohung, die sie die ganze Zeit umgibt und heimsucht, erst einmal nichts wissen. Es wird also kein Katz-und-Maus-Spiel wie im ersten Teil gespielt, sondern eher unterschwellig ein Rachefeldzug abgezogen.   Nur der Leser weiß, welche grausamen Dinge Monica und ihr Vater John treiben (was genau vorgeht, will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, um nicht irgendwas vorwegzunehmen) und dass irgendwann ein großer Show-Down kommen wird. Die Spannung ist also die ganze Zeit eher unterschwellig zu spüren und man wartet förmlich darauf, dass die Lamberts merken, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
    Spannend fand ich aber vor allem die beiden neuen Charaktere John und Monica, da sie beide eine große Leidenschaft für das perfide Spiel haben und wie die beiden Fannelli-Brüder einfach total skrupellos sind und ihren Spaß am Morden haben. Das wird von Anfang an und die ganze Zeit über total klar. Es wird außerdem klar, dass die beiden eine ernsthafte Bedrohung für die Lamberts sind bzw. zu einer großen Gefahr werden können.
     
    Ich persönlich fand es etwas schade, dass die Lamberts sofort die richtigen Schlüsse ziehen, als ihnen auf den letzten 100 Seiten deutlich wird, dass etwas nicht stimmt. Außerdem fand ich es schade, dass das Finale, das sich auf den letzten 30 Seiten durchaus spannend gestaltet, dann doch so schnell vorbei war.
     
     

    Fazit:

     
    "Das Spiel: Rache" ist eine interessante Fortsetzung, die allerdings spannungstechnisch nicht ganz an den Vorgänger heranreicht. Überzeugen können vor allen Dingen die neuen Charaktere John und Monica, die für die Lamberts zu einer echten Bedrohung werden und zunächst unterschwellig ihren Rachefeldzug abziehen, um den Mord an James Fannelli zu rächen. Dass das Ende dann so schnell abgespult wird, ist schade. Ich bin gespannt, inwiefern der letzte Teil der Trilogie nun überzeugen kann und was für ein Spiel nun gespielt werden könnte.
     
     
    Sterne: 3,5 / 5
     
    Vielen Dank an Heyne für die Bereitstellung eines Leseexemplars!
     
     

    Mittwoch, 2. August 2017

    Rezension: Nummer 25 von Frank Kodiak

    Hallo ihr Lieben!

    Auf der Verlagsseite des Droemer Knaur Verlags bin ich schon vor längerer Zeit durch Zufall über "Nummer 25" von Frank Kodiak gestolpert und war ganz überrascht, dass Autor Andreas Winkelmann nun auch unter einem Pseudonym schreibt. Für mich stand von Anfang an fest: Mensch, das musst du lesen! Hier habe ich also nun eine Rezension zu diesem spannenden Thriller! By the way: Wie findet ihr es eigentlich, wenn Autoren plötzlich auch unter einem Pseudonym schreiben? Wie findet ihr es, wenn von Anfang an klar ist, wer eigentlich dahintersteckt?


    Details:
    Cover: Droemer Knaur

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. Juli 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426520095
  • ISBN-13: 978-3426520093
  • Preis: 9,99



  • Inhalt:

    Der Schriftsteller Andreas Zordan ist Dauergast auf den Bestsellerlisten. Die riesige Fangemeinde kann nicht genug kriegen von seinen Thrillern. Nichts bereitet Zordan mehr Freude als das detailgenaue Beschreiben ausgefallener Tötungsmethoden. Das gelingt dem Einzelgänger nur, weil er sich selbst für einen Psychopathen hält. Er ist kontaktscheu, meidet andere Menschen und lebt einsam in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Er weiß: Würde er nicht in seinen Büchern töten, müsste er auf die Realität ausweichen.
    Als er eines Morgens im Garten die übel zugerichtete Leiche eines Mädchens im Teenageralter findet, meldet er es nicht der Polizei, sondern lässt sich auf ein Psychoduell mit einem Mörder ein, der ihn offenbar herausfordert. Und muss erkennen, dass er selbst weit entfernt ist von dessen kaltblütiger Grausamkeit.
    Klappentext & Cover: Droemer Knaur


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover ist mir irgendwie sofort ins Auge gesprungen, da ich es ungewöhnlich finde. Man sieht ein zerrissenes Stück Papier, das mit Sicherheitsnadeln und einem roten Faden zusammengehalten wird. Mit der Geschichte selbst hat das zwar meiner Meinung nach nicht wirklich etwas zu tun, es gefällt mir aber dennoch.
     
    Sowohl die Geschichte als auch der lebendige und flüssige Schreibstil des Autors haben mich von Anfang an gefesselt. Der eigenbrötlerische Schriftsteller Andreas Zordan lebt abgelegen in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Eines Tages hängt eine Leiche in einem Baum seines Gartens. Das Mädchen im Teenageralter wurde genau auf die Weise getötet, wie Zordan es in seinem bisher erfolgreichsten  Buch "25 mögliche Mörder" beschrieben hat.  In der Mundhöhle der Leiche findet er einen Zettel von einer Person, die sich nur "Nummer 25" nennt und offenbar ein Psycho-Duell mit dem Autor, der sich selbst als Psychopath bezeichnet, liefern möchte.
    Durch Zufall wird Greta Weiß, die gerade ihr Studium beendet hat und von einer Karriere als erfolgreiche Journalistin träumt, in dieses Duell verwickelt. Sie ist in dem Ort, weil sie von ihrem Chef beauftragt wurde, ein Interview mit Zordan zu führen. In den letzten Jahren haben sich viele Journalisten erfolglos auf den Weg zu Zordan gemacht, doch Greta lässt sich nicht so leicht abwimmeln, da ihr eine Festanstellung in Aussicht gestellt wurde, wenn sie erfolgreich sein sollte.
     
    Kodiak/Winkelmann hat dafür gesorgt, dass die Geschichte wirklich durchgehend spannend ist. Dies gelingt ihm durch die unglaublich gute Ausgestaltung der Charaktere.
    Andreas Zordan wirkt auf den Leser zunächst eigenartig und unsympathisch. Er hat seine ganz eigene Sichtweise auf Dinge, ihm scheint Kritik von anderen egal zu sein und so scheint er auch mit seinem Leben in Abgeschiedenheit sehr zufrieden zu sein, was befremdlich wirkt. Auch seine Sichtweise als Autor ist sehr interessant: Er sieht sich selbst als Psychopath, der den realen Drang zum Töten in seiner Fantasie und mit dem Schreiben auslebt. Beim Lesen habe ich mich die ganze Zeit gefragt, inwiefern er wirklich ein Psychopath sein könnte. Er ist nicht immer wirklich zu durchschauen und besonders am Anfang wurde öfter erwähnt, dass er eine sehr prägende Vergangenheit hatte. Dadurch wurde ich natürlich immer wieder zum Weiterlesen animiert.
    Besonders spannend fand ich aber auch das Zusammenspiel zwischen ihm und Greta Weiß. Sie ist eine hübsche, junge Frau, die gerne auf ihr Äußeres und ihre Ähnlichkeit mit Schlagersängerin Helene Fischer reduziert wird. Mit dem Vergleich scheint sie sich schon abgefunden zu haben und zeigt sich stattdessen aggressiv, verbissen und hartnäckig, was auch zu ihrem Job sehr gut passt. Außerdem ist sie immer ehrlich und knallt Zordan von Anfang an vor den Kopf, dass er in der Öffentlichkeit als arrogant gilt und unsympathisch ist. Zunächst herrscht zwischen den beiden eine Art Misstrauen. Gleichzeitig hat sie sich aber auch ein bisschen in den Autor verguckt und die beiden kommen sich im Laufe der Geschichte näher und Zordan wirkt auf den Leser zunehmend sympathisch. Sie selbst versucht, aus Zordan schlau zu werden und ihm vor Augen zu führen, dass er kein Psychopath ist. Zusammen wollen sie herausfinden, wer hinter "Nummer 25" steckt. Parallel versucht auch Polizist Lewandowski, der kurz vor seiner Pensionierung steht, den Fall der vermissten Sarah (Leiche in Zordans Garten) zu lösen...
     
    Nicht nur die Ausgestaltung und das Wechselspiel zwischen den Charakteren hat für ein gutes Spannungslevel gesorgt, auch das Duell zwischen Nummer 25 und Zordan selbst. Ab und an liest der Leser kleinere Passagen, die kursiv geschrieben sind und scheinbar aus Sicht von Nummer 25 erzählt werden, was für eine Extraportion Spannung sorgt.  Besonders zum Ende hin haben sich sehr viele Wendungen ergeben, mit denen so definitiv nicht zu rechnen war. Ich habe regelrecht mitgefiebert. Die Auflösung hat mich echt sprachlos gemacht, da die Geschichte noch einmal in einem völlig anderen Licht erscheint (mehr wird an dieser Stelle nicht verraten!). Es ist echt krass, aber letztlich auch wirklich schlüssig. Wir sind eben alle manipulierbar.
     
     

    Fazit:

    Überrascht und sprachlos - das war ich am Ende von "Nummer 25". Autor Frank Kodiak/Andreas Winkelmann erzählt eine tiefgründige, fesselnde Geschichte, die auf der psychologischen Ebene komplett überzeugen kann. Die Wendung am Ende war unvorhersehbar und doch lag die Lösung des Rätsels schon von Anfang an vor einem ;)
    Der lebendige und flüssige Schreibstil des Autors und die unglaublich gute Charakterzeichnung sorgen dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Für jeden Thriller-Fan ein absolutes Muss!
     
    5/5 Sterne
     
     
     
     
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!
     

    Montag, 24. Juli 2017

    Rezension: Murder Park von Jonas Winner

    Hallo ihr Lieben!

    Der Klappentext von "Murder Park" beschreibt ein Szenario genau nach meinem Geschmack. Als Horrorfilm- und Thriller-Fan musste ich dieses Buch von Jonas Winner unbedingt lesen. Ob mich die Geschichte am Ende wirklich überzeugen konnte? Lest selbst!

    

    Cover: Heyne Verlag

    Details:
    


  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453421760
  • ISBN-13: 978-3453421769
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:

    Zodiac Island vor der Ostküste der USA: ein beliebter Freizeitpark – bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. Der Täter Jeff Bohner wird schnell gefasst, der Park aber geschlossen. Die Schreie der Opfer scheinen vergessen zu sein. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park – eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Und dann beginnen die Morde.
    Inhalt & Cover: Heyne Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das grau-schwarze Cover mit dem an der Küste gelegenen Vergnügungspark gefällt mir ziemlich gut, da ich das Setting generell für einen Thriller sehr gelungen finde und der Titel dadurch natürlich auch noch einmal unterstrichen wird. Cool ist es, dass man sich für einen negativen Bildeffekt entschieden hat, wodurch das Cover einfach düsterer wirkt. Die gelbe Schrift bildet dazu einen krassen Kontrast.
     
    Den Schreibstil von Jonas Winner habe ich als sehr angenehm empfunden. Er redet nicht groß um den heißen Brei herum oder verliert sich in unzähligen langatmigen Beschreibungen, sondert bringt meistens alles sofort ungeschönt auf den Punkt.
     
    Die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen überzeugen können. Der Leser verfolgt die zwölfköpfige Gruppe, die im Rahmen eines Presseevents den noch nicht komplett fertiggestellten Freizeitpark "Murder Park" testen darf. Rupert Levin, der die Insel gekauft hat, plant dort eine Art "Entertainment für Erwachsene / Singles". Während Reisegruppen auf die Insel kommen, soll ein "Killer"  sein Unwesen treiben. Einer nach dem anderen wird dabei "gekillt" und muss abfahren, die Verbliebenen sollen sich gruseln und näherkommen. Außerdem sind zahlreiche Gegenstände ausgestellt, die teilweise den bekanntesten Serienmördern der Geschichte gehörten und für zusätzlichen Gruselfaktor sorgen sollen.
     
    Bei der Pressereise geschehen dann aber tatsächlich richtige Morde und der 24-jährige Protagonist Paul Greenblatt, der eine besondere Verbindung zum damaligen Mörder auf Zodiac Island hat, ist sich nicht sicher, ob der richtige  Killer vor 20 Jahren wirklich gefasst wurde. Ist Bohner noch frei und hat zurück auf die Insel gefunden? Ist ein Fremder womöglich auf die Insel gekommen und mordet nun? Oder ist der Killer einer aus der Gruppe? Ist es reiner Zufall, dass alle Anwesenden unterschiedliche Sternzeichen haben und Bohner vor 20 Jahren offenbar drei Menschen mit unterschiedlichen Sternzeichen getötet hat?  Die Unsicherheit stresst natürlich den gesamten Trupp, denn ganze 3 Tage müssen die zwölf Personen auf der Insel bleiben. Kommt die Fähre rechtzeitig oder sind am Ende alle tot? Einer nach dem anderen muss dran glauben...
     
    Jonas Winner gelingt es, den Leser unentwegt ins Grübeln zu bringen, wer der Täter sein könnte. Dadurch wird natürlich immer ein konstantes Spannungslevel gehalten, denn Verdächtigungen werden angestellt und wieder verworfen. Die Gedanken des Protagonisten werden dabei natürlich sehr oft geteilt, denn auch er denkt immer wieder in verschiedene Richtungen und ist selbst ein merkwürdiger Charakter. Er wuchs bei Pflegeeltern auf und beschäftigte sich in seiner Jugend mit verschiedenen Serienmördern, von denen er regelrecht fasziniert war und von denen er verschiedene Artikel gesammelt hat. Ob das traumatische Ereignis in seiner Kindheit (was genau passiert ist, lasse ich hier bewusst offen!) Schuld daran ist?
     
    Das Besondere am Thriller "Murder Park" sind verschiedene Interviews, die der Psychiater Sheldon Lazarus im Vorfeld mit den auserwählten Teilnehmern geführt hat. Sie werden ab und an eingestreut, unterbrechen die fortlaufende Handlung und bringen einem die verschiedenen Figuren oder deren Beweggründe, auf der Insel sein zu wollen, näher. Natürlich geben diese einem auch nochmal weitere Denkanstöße, wer denn nun der Mörder sein könnte. Generell bleiben die meisten Figuren auch bewusst zwielichtig und zum Teil unsympathisch, damit man immer weiter verdächtigen kann.
     
    Grundsätzlich gefiel mir also das Szenario auf der Insel und dass man die ganze Zeit über grübeln konnte. Allerdings hat "Murder Park" auch Schwächen bzw. hätte man aus der Geschichte auch noch mehr rausholen können. So finde ich, dass Winner mit dem Setting nicht genug spielt. Die meiste Zeit über spielt sich alles in der Nähe des Hotels ab. Wieso wird kein richtiges Katz- und Maus-Spiel in den alten Teilen des Freizeitparks veranstaltet? Wieso kommt man erst zum Schluss auf die Idee? Hätte Winner noch mehr mit dem Ort als solches gespielt, wäre sicherlich auch noch mehr Spannung  oder Atmosphäre aufgekommen, denn an wirklich rasanten Szenen fehlt es meiner Meinung nach.
    Das Ende hat mich dann auch nicht gänzlich überzeugt, auch wenn die Geschichte insgesamt komplett logisch aufgelöst wird. Man muss den Thriller einfach selbst lesen, denn dann wird man auch verstehen, in welchem Punkt ich womöglich enttäuscht wurde (die erste Wendung). Nichtsdestotrotz kam ganz am Ende noch einmal eine Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hatte und die mich dann doch wieder zum Teil überzeugen konnte.
     
     

    Fazit:

    In "Murder Park" wird eine solide, spannende Serienkiller-Geschichte erzählt, wie sie in jedem guten Horrorfilm vorkommen könnte: Ein abgeschiedener Freizeitpark auf einer Insel, 12 Menschen, 1 Killer. Ist der Killer unter ihnen oder ist ein Fremder auf der Insel? Entkam Jeff Bohner vor 20 Jahren? Der Leser grübelt, grübelt und grübelt. Verdächtigungen werden angestellt und verworfen, was den Reiz und die Spannung der Geschichte auch ausmacht. Die meisten Figuren bleiben bewusst zwielichtig oder unsympathisch, was die Leserschaft nur noch mehr zum Nachdenken bringt. Die Interviews, die die Handlung ab und an unterbrechen, stellen eine Besonderheit dar und machen manche Figuren nur noch verdächtiger. Autor Jonas Winner hätte allerdings noch mehr mit dem Setting spielen können, da sich die Handlung zum Großteil in der Nähe des Hotels abspielt. Er hätte den Freizeitpark oder die Insel noch aktiver in seine Geschichte einbeziehen können, um für noch mehr Atmosphäre und Spannung zu sorgen. Auch an wirklich rasanten Szenen fehlt es. Das Ende kann mich leider auch nur zum Teil überzeugen. Grundsätzlich steckt in "Murder Park" viel Potenzial, vieles wurde auch gut umgesetzt, aber eben nicht alles.
     
    3,5 / 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Heyne für die Bereitstellung eines Leseexemplars.
     
     
     
     
     

    Samstag, 8. Juli 2017

    Rezension: "AMNESIA - Ich muss mich erinnern" von Jutta Maria Herrmann

    Hallo ihr Lieben!

    Letztens kam von Droemer Knaur eine interessante E-Mail reingeflattert, in der mir der Thriller "Amnesia - Ich muss mich erinnern" von Jutta Maria Herrmann vorgestellt wurde. Der Klappentext hat mich echt neugierig gemacht, weshalb ich den Thriller gelesen habe und nun für Euch rezensiere.
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur / Knaur TB
     
  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519976
  • ISBN-13: 978-3426519974
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Du hast nichts zu verlieren.
    Du hast eine mörderische Wut.
    Und du kannst dich an nichts erinnern …
    Als die Berlinerin Helen die Diagnose Krebs im Endstadium erhält, ist es ihr einziger Wunsch, sich vor ihrem Tod endlich mit ihrer Mutter auszusöhnen, zu der sie ein schwieriges und distanziertes Verhältnis hat. Bei ihrer Familie in der südwestdeutschen Heimat angekommen, muss sie dann schockiert erfahren, dass ihre schwangere Schwester Kristin von ihrem Ehemann Leon misshandelt wird. Am liebsten würde Helen Leon dafür umbringen, zu verlieren hat sie ja nichts mehr. Aber einen Menschen töten? Helen glaubt nicht, dass sie dazu wirklich fähig ist.
    Am nächsten Morgen allerdings ist Leon tot – und Helen, die Medikamente mit schwersten Nebenwirkungen nimmt, hat keinerlei Erinnerung an die vergangene Nacht.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur

    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung mit dem blau-grünlichen "Amnesia"-Schriftzug gefällt mir ganz gut. Die Schrift ist bewusst ein bisschen verschwommen abgebildet, was eben zur Amnesie, dem Erinnerungsverlust der Protagonistin Helen, passt.

    "Amnesia" ist der erste Thriller, den ich von Jutta Maria Herrmann lese. Der Schreibstil konnte mich komplett überzeugen, da ich ihre Art, wie sie Dinge umschreibt/beschreibt mag. Außerdem hat sie immer mal wieder einen guten Wechsel zwischen langen und kurzen Sätzen, wodurch in gewissen Situationen eben Hektik/Spannung erzeugt wird.

    Die Geschichte, die die Autorin kreiert hat, hat mich im Großen und Ganzen wirklich unterhalten. Protagonistin Helen, die an Lungenkrebs im Endstadium leidet, wird von ihrem Freund Sven verlassen. Nur eine letzte Notiz, "Leb wohl", bleibt Helen übrig. Daraufhin beschließt sie, ihre Mutter und ihre Schwester Kristin zu besuchen, die bisher von ihrer Krebsdiagnose nichts wissen, da sie ein sehr schwieriges, unterkühltes Verhältnis zueinander haben.
    Während sich Kristin über den Besuch ihrer Schwester freut, zeigt sich die Mutter gewohnt kühl und distanziert. Zwischen Helen und Kristins Ehemann Leon herrscht von Anfang an dicke Luft. Nach und nach erfährt der Leser, dass es an einem Verbrechen liegt, das Leon in der Vergangenheit begangen haben soll (das Verbrechen halte ich an dieser Stelle bewusst offen, um nicht zu viel zu verraten).
    Und schon beginnen auch die mysteriösen Ereignisse rund um Helen: In ihrem Rucksack findet sie ein blutverschmiertes Messer (Hat sie ihrem Freund womöglich etwas angetan?). Ihre Freundin Gela, zu der Helen lange Zeit keinen Kontakt mehr hatte und mit der sie sich einmal in einer Bar trifft, begeht Selbstmord, in dem sie sich aus einem alten Fenster eines Fabrikgebäudes stürzt (By the way: Sie ist auch mit in die Leon-Geschichte verwickelt). Kurz darauf wird Leon erstochen in einem Waldstück gefunden. Hat Helen etwas damit zu tun? Sie weiß es nicht. Als die Tatwaffe im Auto ihrer Mutter auftaucht, welches sie sich zuvor geliehen hat, und sie auch noch Leons Handy hat, scheint die Sache klar zu sein - oder doch nicht?
     
    Jutta Maria Herrmann spielt ganz bewusst und gut mit dem Leser. Ist Helen schuldig oder nicht? Die Frage, die sich die Protagonistin die ganze  Zeit über stellt, stellt sich auch dem Leser unmittelbar und immer wieder. Helen als Charakter ist ihr dabei durchaus gut gelungen. Sie ist von ihrer Krankheit geprägt und lebt im ständigen Bewusstsein, nicht mehr lange leben zu können. Ihr Missmut bzw. die Tatsache, dass sie sich damit abgefunden hat, ist omnipräsent. Störend ist allerdings, dass die Autorin immer und immer wieder die gleichen Szenarien abspielt: Helen geht es nicht gut, sie wirft sich eine Tablette ein und beschwert sich (in Gedanken) darüber, wie schlecht es ihr geht. Das gleiche Gedankenkarussell dreht sich immer weiter.
    Der Autorin gelingt es aber, die Verzweiflung, die auf Grund des Erinnerungsverlust und der Möglichkeit, den Mord an Leon begangen zu haben, aufkommt, authentisch darzustellen. Auch die Ungewissheit, wie sie ihrer Familie von ihrer Krebsdiagnose berichten soll, kommt glaubwürdig rüber.
    Auch die anderen Charaktere sind ihr sehr gut gelungen: Die Mutter tritt Helen unterkühlt entgegen und scheint sehr penibel zu sein. So scheinen Mutter und Tochter grundverschieden zu sein und  eine gewisse Antipathie zu empfinden. Anders verhält es sich mit Kristin, die wiederum ein scheinbar gutes Verhältnis zur Mutter pflegt und sich über Helens Besuch freut. Sie scheint allerdings Eheprobleme mit Leon zu haben: Ständig streiten die beiden, obwohl sogar das erste Baby unterwegs ist. Sie selbst streitet gegenüber Helen aber ab, dass sie und Leon Eheprobleme haben und er sie schlägt. Leon wird durch Helen als unsympathisch beschrieben und diesen Gedanken übernimmt man als Leser auch sehr schnell. Er ist anderen Figuren gegenüber einschüchternd und zum Teil auch aggressiv und wirkt irgendwie bedrohlich und mysteriös. Hat Helen ihn deshalb vielleicht sogar umgebracht, um ihre Schwester zu schützen? Natürlich werde ich hier jetzt nichts verraten. Ich war vom Ende allerdings überrascht, da sich noch ein paar Wendungen ergeben, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Bei einem Charakter bröckelt dann am Ende auch die Fassade... aber bei wem?
     
     

    Fazit:

    Jutta Maria Herrmann spielt in "Amnesie" ganz bewusst mit dem Leser. Ist der Protagonistin Helen zu trauen? Ist sie unschuldig oder hat sie doch den Mord an Leon begangen, ohne sich daran wirklich erinnern zu können? Diese Frage zieht sich durch die komplette zweite Hälfte des Thrillers und fesselt den Leser ganz besonders. Der gelungene Schreibstil trägt dabei ebenfalls zur Spannung bei und löst in den passenden Momenten Hektik oder Verwirrung aus. Die Charaktere sind der Autorin gut gelungen, lediglich die ständigen, wiederholenden Beschreibungen durch Helen sind störend, da die Geschichte dadurch zum Teil unnötig in die Länge gezogen wird. Zum Ende hin geschehen aber noch einmal überraschende Wendungen, die mich überzeugen konnten.
     
    4 von 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
     

    Donnerstag, 29. Juni 2017

    Rezension: Schwarzwasser von Andreas Föhr

    Hallo ihr Lieben!

    Verzeiht mir bitte, dass ich in letzter Zeit so unregelmäßig blogge, aber mein "Medienkommunikation & Journalismus"-Studium frisst momentan echt viel Zeit. Heute melde ich mich mit einer Rezension zum Kriminalroman "Schwarzwasser" von Andreas Föhr zurück. Diesen habe ich vom Droemer Knaur Verlag als Überraschung / unverbindlichen Lesetipp zugeschickt bekommen. Aber natürlich wollte ich Euch meine Meinung trotzdem nicht vorenthalten.
     
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur
     
  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426654210
  • ISBN-13: 978-3426654217
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    In einer Winternacht wird Klaus Wartberg erschossen. Der Sechzigjährig lebte in einem abgelegenen Haus und galt als unzugänglich und menschenscheu. Am Tatort verhaften Kommissar Wallner und seine Leute eine verstörte junge Frau. Hat sie Wartberg ermordet? Auch der Tote selbst gibt den Ermittlern ein Rätsel auf: Denn einen Klaus Wartberg hat es nie gegeben - seine Papiere sind gut gemachte Fälschungen, der Lebenslauf ist frei erfunden, Freunde oder Familie gibt es nicht. Wer ist also der Tote? Und warum musste er eine andere Identität annehmen?
    Copyright Klappentext & Cover: Droemer Knaur


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover finde ich mit dem Rot und Schwarz und der darauf abgebildeten Sense in Ordnung, aber ich glaube nicht, dass ich zugegriffen hätte, wenn ich das Buch im Laden hätte liegen sehen. Dafür strahlt es für mich doch zu wenig Atmosphäre oder etwas Interessantes aus.
     
    Insgesamt konnte mich auch die Geschichte nicht wirklich überzeugen. Das lag vor allem am Schreibstil, mit dem ich am Anfang wirklich zu kämpfen hatte. Manche Passagen musste ich sogar noch einmal lesen, um den Sinn dahinter zu verstehen. Außerdem lässt der Autor regelmäßig seinen trockenen Humor einfließen, was allerdings an den meisten Stellen total unpassend ist und sich mir meistens auch nicht wirklich der Sinn dahinter erschlossen hat. Ich mag Humor und würde mich auch als humorvollen Menschen beschreiben - scheinbar habe ich aber einfach einen anderen Sinn dafür.
    Auch wenn die Geschichte in Bayern spielt, hat mich der Dialekt, den die Ermittler sprechen, gestört. Ich habe zwar dabei alles verstanden (auch wenn ich nicht aus Bayern komme), fand es aber einfach trotzdem gewöhnungsbedürftig und störend beim Lesen.
     
    Der Kriminalfall war meiner Meinung nach in Ordnung, aber auch nicht unendlich spannend. Natürlich wollte ich wissen, wer hinter Klaus Wartberg steckt und was dieser in der Vergangenheit getrieben hat und warum deshalb diese neue Identität nötig ist. Mir war allerdings auch recht schnell klar, dass die Hauptverdächtige, die 19-jährige Lara Evers, die sich um Wartberg gekümmert hat, nicht die Täterin ist.
    Positiv fand ich den ständigen Wechsel zwischen 2016 und 1996, denn einerseits verfolgt man den aktuellen Kriminalfall, aber auch die Geschichte rund um den Anwalt Dieter Sitting und seine Sekretärin Sylvia Marek, die 1996 eine nicht gerade erfolgreiche Kanzlei führen und vom undurchsichtigen Geschäftsmann Gregor Nolte in teils kriminelle/riskante Dinge hineingezogen werden. Als Leser hat man sich dann natürlich schon gefragt, ist Dieter Sitting vielleicht Klaus Wartberg? Wie sehr hat sich die Situation zwischen Nolte und Sitting zugespitzt? Störend fand ich allerdings, dass man zum Teil durch längere, unnötige Passagen im Jahr 2016 wieder aus der Geschichte gerissen wurde und sich dann gefragt hat, was die unnötigen Längen sollen (Ich sage nur Ravioli-Szene?!).
    Dem Autor sind zum Ende hin dann noch ein paar überraschende Wendungen gelungen, die  mich dann doch überzeugen konnten.
     
    Die Charaktere fand ich gelegentlich ziemlich gewöhnungsbedürftig und konnte ich zum Teil auch nicht ganz ernst nehmen. Polizist Leonhardt Kreuthner versucht beispielsweise nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung und Alkohol am Steuer seinen Kollegen zu schmieren, was allerdings nicht aufgeht. Daraufhin versucht er, sich an seinem Kollegen zu rächen und gefährdet dadurch auch seinen Job. Er hilft außerdem der Hauptverdächtigen Lara Evers zu entkommen und lässt diese bei sich unterkommen, wodurch ich ihn als Polizist überhaupt nicht ernst nehmen kann. Darüber hinaus ist er ein richtiger Sprücheklopfer, der mit anderen die Konfrontation sucht oder diese von hinten herum ins Schlamassel treiben möchte.
    Sympathischer war mir da auf jeden Fall Clemens Wallner, der Leiter der Kripo Miesbach. Er nimmt seinen Job sehr ernst, ist immer engagiert und konzentriert bei der Sache. Er lebt zusammen mit seinem Opa Manfred, der von seiner Frau verlassen wurde. Clemens Vater Ralf ist ins Ausland gegangen, als sein Sohn noch klein war, und hat ihn zurückgelassen und sich nie wieder gemeldet. Über Umwege erfährt Clemens, dass Ralf offenbar für einen kurzen Besuch in Deutschland, was ihn und Manfred sehr aufwühlt. Ob und wie sich die beiden treffen, möchte ich hier gar nicht weiter ausführen, da es für die Haupthandlung auch keine Rolle spielt. Diese ganze Geschichte fand ich alles in allem doch interessant, auch wenn hierdurch natürlich auch Längen entstanden sind.
     
     

    Fazit:

    Bayern-Krimis sind offenbar nicht mein Ding. "Schwarzwasser" konnte mich vom Kriminalfall her nur bedingt überzeugen, da sich ab und an Längen eingeschlichen haben und dadurch die Spannung verloren ging bzw. nur schwer in Gang kam. Die überraschenden Wendungen zum Ende hin konnten mich dann allerdings doch zu einem gewissen Teil überzeugen. Schreibstil, trockener Humor und bayerischer Dialekt waren absolut nicht mein Fall und haben mich beim Lesen gestört. Auch die Charaktere - hier besonders Kreuthner - fand ich unglaubwürdig und ihr Verhalten zum Teil sogar lächerlich. Nur Clemens Wallner fand ich sympathisch und seine Geschichte interessant. 
    Ich werde mit großer Wahrscheinlichkeit kein Fan der Reihe werden und "Schwarzwasser" wird wohl auch mein erster und letzter Krimi von Andreas Föhr bleiben. Fans der Reihe, die seinen Schreibstil und trockenen Humor mögen und die Charaktere schon länger verfolgen und lieben, kommen hier vielleicht auf ihre Kosten - Ich nicht.
     
    2 von 5 Sterne
     


    Danke an Droemer Knaur für die Überraschung / den unverbindlichen Lesetipp!
     
     

    Mittwoch, 24. Mai 2017

    Rezension: Die Flut von Arno Strobel

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Die Flut" von Arno Strobel für Euch! Mein erster Strobel also - abgesehen von Anonym und Fremd, die er zusammen mit Ursula Poznanski geschrieben hat. Im Großen und Ganzen konnte er mich mit seinem Psychothriller überzeugen, ich denke aber, dass er bestimmt noch etwas Besseres auf Lager hat.

    Cover: S. Fischer Verlag
    Details:

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 3 (21. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596198356
  • ISBN-13: 978-3596198351
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Es ist NACHT, sie sind am Strand, HILFLOS, ihm AUSGELIEFERT, sie können sich nicht befreien, und dann kommt die FLUT …
    Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Superintelligenter ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die „perfekte Mordserie“ zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Pfahl in der Nähe fest, so dass er dabei zusehen muss, wenn seine Frau bei Flut langsam ertrinkt.
    Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist. Und es sieht so aus, als hätte er damit Erfolg …
    Copyright Inhalt & Cover: Fischer Taschenbuch


    Meine eigene Meinung:

    Grundsätzlich mag ich bei Psychothrillern schlichte Cover mit wenigen Details - also auch das von "Die Flut". Der Hintergrund ist schwarz und der blau-grüne Titel hebt sich davon ab. Man sieht nur das Gesicht von einer Frau, das von Licht angestrahlt wird und starr nach oben gerichtet ist, was zur Geschichte passt. Frauen werden dort bis zum Kopf im Sand eingegraben, von einem Unbekannten mit Licht angestrahlt und erleben ihre letzten Sekunden, bis die Flut sie verschlingt. Ihre Partner sind währenddessen an Pfählen festgebunden und können nicht zur Hilfe eilen.
     
    Die Geschichte hat mir von Anfang an gefallen und konnte mich sofort in ihren Bann ziehen. Dazu hat auch der simple Schreibstil beigetragen, der das flüssige und schnelle Lesen möglich gemacht hat. Im Prolog bekommt man einen guten Einblick in die Psyche des Killers: Er ist überdurchschnittlich intelligent und spielte in seiner Kindheit grausame Spiele. Beispielsweise ließ er seine Schwester auf einen Stuhl klettern, legte ihr eine Schlinge um den Hals und ließ sie dann auf Zehenspitzen stehen, um ihre Todesangst zu sehen. Einen Psychiater konnte er nach einer kurzen Therapie davon überzeugen, dass er geheilt ist, aber dem scheint nicht so, denn auf Amrum schlägt er mit neuen Taten zu... Mir haben hier besonders die Kapitel aus seiner Sicht, geschrieben aus der Er/Sie-Perspektive, gefallen, denn er fühlt sich die ganze Zeit überlegen und belächelt die Vorgehensweise der Polizisten. Außerdem ist es spannend, wie er seine neuen Opfer auswählt und was er sich generell von dem ganzen Spielchen erhofft.
     
    Hauptsächlich verfolgt der Leser die Geschichte aus Sicht der beiden Pärchen Michael und Julia sowie Andreas und Martina, die gemeinsam auf Amrum Urlaub machen wollen, sich aber erst seit kurzer Zeit kennen. Michael hat Andreas versprochen, ihm beim Ausbau des Dachbodens auf Amrum zu helfen, weswegen es zum Urlaub kommt. Während Julia und Michael ein sehr glückliches Paar sind, ist bei Andreas und Martina eindeutig die Luft raus. Martina ist die ganze Zeit auf Streit aus und provokant (auch den anderen gegenüber), während ihr Mann sie weitgehend ignoriert und offenbar ein Auge auf Julia geworfen hat.  Als ein erster Mord am Strand von Amrum passiert, sind die beiden Paare mehr oder weniger dazu gezwungen auf der Insel zu bleiben, denn die Brieftasche von Michael lag in der Nähe des Tatorts. Diese hatte er aber wahrscheinlich zuvor bei einem Restaurantbesuch verloren. Polizei-Hauptkommissar Harmsen hat sich allerdings von Anfang an auf Michael als Täter eingeschossen und glaubt nicht an Zufälle, während sein Kollege Jochen Diedrichsen sich eher zurückhält.
     
    Wird die Geschichte noch so spannend und interessant erzählt und auch einige falsche Fährten gelegt (Verhält sich der Nachbar nur merkwürdig oder ist er womöglich der Täter?), bleiben die Charaktere jeweils sehr eindimensional und auch deren Dialoge laufen oftmals auf das Gleiche hinaus, was mich irgendwann sehr genervt hat. Julia sorgt sich ständig um Michael, dem die offensichtlichen Anfeindungen und Verdächtigungen durch Harmsen zu schaffen machen, fühlt sich gleichzeitig von Andreas beobachtet und ist von Martinas ständigem Gestreite genervt. Martina kann ihre ständigen provokanten Äußerungen einfach nicht lassen und sucht eigentlich andauernd Streit. Michael hingegen wirkt oftmals noch ziemlich gefasst, fühlt sich von Harmsen aber scheinbar zunehmend eingeschüchtert. Andreas ignoriert währenddessen die bissigen Kommentare von Martina und nimmt seine neuen Freunde in Schutz. Und auch die beiden Polizisten verhalten eigentlich immer gleich: Harmsen ist ein absoluter Choleriker, der sich von niemandem unterbrechen lässt und auf Höflichkeiten und Manieren keinen Wert legt. Er geht mit seinen Verdächtigungen ganz offen um und kam mit seinen bisherigen Kollegen offenbar nie gut aus (er wird unter anderem "Pitbull" genannt). Sein neuer Kollege Jochen Diedrichsen ist von der Art seines Partners genervt, würde ihm am liebsten öfter die Meinung sagen, stößt aber auf taube Ohren bzw. vermeidet oftmals die Konfrontation. Er würde allerdings sehr gerne verstehen, warum Harmsen so ist.
     
    Bis zum Schluss habe ich wirklich gerätselt, wer denn nun tatsächlich hinter dem Mörder steckt. Verschiedene Inselbewohner haben sich bei mir ständig als Hauptverdächtige abgelöst und auch Martina und Andreas hatte ich öfter im Verdacht. Wer allerdings tatsächlich der Killer ist, blieb für mich bis zuletzt undurchsichtig und die Auflösung hat mir gefallen, da sie sehr schlüssig ist.
     

    Fazit:

    "Die Flut" ist ein spannender Psychothriller, der vor allem durch einen flüssigen Schreibstil und eine fesselnde Geschichte punktet. Besonders die Kapitel, in denen der Killer und die Taten beschrieben werden, sind überzeugend. Bis zur Auflösung war für mich unklar, wer tatsächlich hinter den grausamen Taten steckt. Strobel gelingt es allerdings nicht, den Charakteren die nötige Tiefe zu verleihen. Sie wirken oft sehr eindimensional und auch ihre Dialoge drehen sich fast durchweg im Kreis, was für den Leser irgendwann sehr anstrengend ist (gerade in Bezug auf schwierige Charaktere wie Harmsen und Martina). Gerne werde ich noch weitere Psychothriller von Strobel lesen, denn "Die Flut" hat sich insgesamt doch gelohnt.
     
     
    3,5 von 5 Sterne

    Samstag, 20. Mai 2017

    Rezension: Der Circle von Dave Eggers

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Der Circle" von Dave Eggers für Euch, womit ich von meinem Lieblings-Genre "Thriller" etwas abweiche. Den Roman habe ich auch aus einem ganz bestimmten Grund gelesen, denn er wurde mit Emma Watson und Tom Hanks verfilmt und kommt im September in die deutschen Kinos. Außerdem mag ich utopische/dystopische Geschichten und hier dreht sich eben alles um Social Media, die Macht von Medienunternehmen, Transparenz und Anonymität - alles spannende und vor allem aktuelle Themen.
     
    Cover: KiWi Verlag
     
    Details:
     
  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (8. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462048546
  • ISBN-13: 978-3462048544
  • Preis: 10,99


  • Inhalt:

    Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »weisen drei Männer«, die den Konzern leiten – wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles … Copyright Inhaltsangabe & Cover: KiWi Verlag


    Meine eigene Meinung:

    Das schlichte Cover-Design gefällt mir sehr gut, auch wenn das Rot-Orange nicht ganz mein Fall ist. Zu sehen ist das Logo des Circle mit dem unvollendeten Kreis in der Mitte, was zur Geschichte passt, da der Circle eben kurz vor seiner Vollendung steht.

    Die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen überzeugt, auch wenn mir teilweise ein roter Faden gefehlt hat. Am Anfang begleitet man Mae Holland an ihrem ersten Arbeitstag beim Circle, wo sie in der Customer Experience anfängt. Dank ihrer Freundin Annie hat sie den Job bekommen. Dort wird sie zunächst mit der Technik vertraut gemacht und bekommt neueste technische Mittel zur Verfügung gestellt. Beim Circle scheint wirklich alles perfekt zu sein: Es gibt ständig irgendwelche Veranstaltungen auf dem Campus, Sänger treten dort regelmäßig auf, es gibt Fitnessstudios und ganz viele Möglichkeiten, um sich selbst einzubringen und zu beteiligen. Außerdem müssen die Circler dort kostenlose Gesundheits-Checks durchführen lassen und ihre Vitalwerte regelmäßig tracken lassen. Zudem können sie neueste Produkte kostenlos testen, eine Krankenversicherung über die Firma beziehen (auch für ihre Familien) und hochmoderne Zimmer im Wohnheim nutzen, wenn sie Lust haben. Allerdings wird auch einiges gefordert: Die Circler müssen partizipieren, also regelmäßig an Veranstaltungen teilnehmen und online über fast alle  Dinge, die sie erleben, schreiben, Kommentare schicken, Smiles versenden. Je stärker die Partizipation, desto höher das Partizipations-Ranking und damit die Beliebtheit bei den anderen Circlern. Wer nicht partizipiert, gilt als asozial und wird angefeindet.
    Natürlich tritt Mae am Anfang in ein paar Fettnäpfchen: Sie verpasst eine Veranstaltung, zu der sie als Neuling eingeladen wurde (woraufhin ein Fall wegen unsozialem Verhalten eröffnet wird!) und sie verlässt den Campus immer pünktlich um 17 Uhr nach Feierabend und nimmt keine der "freiwilligen" Angebote war. Ihren Job erledigt sie allerdings ganz gut, ihr CE-Ranking liegt immer regelmäßig im Bereich zwischen 96 und 100. Als sie von den Chefs darum gebeten wird, nicht nur ihren Job gut zu machen, sondern noch stärker zu partizipieren und sie regelrecht zur Rede gestellt wird, warum sie sich noch nicht großartig beteiligt hat oder online bestimmte Dinge von sich preisgegeben hat, ändert sie schlagartig ihr Verhalten und passt sich immer weiter an. Im Laufe der Geschichte bekommt sie immer mehr Bildschirme auf den Tisch gestellt und muss nicht nur ihren Job erledigen, sondern auch darüber ihren "sozialen Verpflichtungen" beim Circle nachkommen.
    Mit Francis, der ebenfalls einen Job beim Circle hat, und einem mysteriösen Kalden, bandelt sie immer öfter an. Bis Kalden sie schließlich darum bittet, die Vollendung des Circle (die völlige Transparenz) aufzuhalten. Was wird Mae tun? Ist Kalden womöglich ein Spion? 
     
    Am Anfang war mir Mae mit ihrer teils naiven und aufgeregten Art sympathisch, was sich im Laufe der Geschichte allerdings geändert hat (was vom Autor aber sicherlich auch bewusst so gewollt ist, um die negativen Auswirkungen des Circle aufzuzeigen). Sie passt sich immer weiter an, ohne die Auswirkungen der technischen Errungenschaften, die für immer mehr Transparenz und fehlende Anonymität (Ziele des Circle) sorgen, zu hinterfragen.
    Zu ihren Eltern, die ärmliches bis gewöhnliches Leben führen, hat Mae eigentlich ein gutes Verhältnis. Sie sind stolz, dass sie den neuen Job ergattern und sich hocharbeiten konnte und außerdem noch eine kostenlose Krankenversicherung für ihre Mutter und ihren kranken Vater (er hat MS) beziehen konnte. Allerdings sollen ihre Eltern durch SeeChange-Kameras nun auch fortwährend beobachtet werden, alles soll transparent werden. Je stärker der Einfluss des Circle, desto schlechter scheint das Verhältnis zwischen ihren Eltern und ihr zu werden. Auch zu ihrer Freundin Annie, die ebenfalls beim Circle arbeitet, scheint sich das Verhältnis zu verändern. Als ihr Ex-Freund Mercer, der lieber anonym bleibt und online eigentlich gar nichts macht, sie zur Rede stellt und ihr erklärt, dass sie immer weiter den Bezug zur Realität verliert, wird sie wütend und ist uneinsichtig. Die Figuren bleiben im Großen und Ganzen aber relativ blass und bekommen nicht die nötige Tiefe verliehen. Ihre Beweggründe, Gedanken und Motive hätten noch stärker hervorgehoben werden können (gerade bei den Circler-Gegnern).
     
    Spannungstechnisch muss ich sagen, dass die Geschichte erst sehr spät an Fahrt aufnimmt (ungefähr ab den letzten 200 Seiten), da Eggers zunächst die ganze Welt, die er kreiert, erklärt und die Besonderheiten aufzeigt. Aber besonders die Welt hat mich fasziniert. Es gibt eben diesen Circle mit all seinen Parolen ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen",  "Anonymität ist Diebstahl"), der mit all seinen Erfindungen (TruYou: ein einziger Online-Account, der alle Online-Konten miteinander verknüpft und damit Anonymität im Netz unmöglich macht, SeeChange: Kameras überall auf der Welt, die Kriminalität verhindern, etc.) für beinahe absolute Transparenz sorgt (auch immer mehr Politiker werden im Buch gläsern) und alles Wissen kollektiv zur Verfügung stellt. Mit der krassen Partizipation stellt er natürlich unsere heutige Generation an den Pranger und will uns davor warnen, wohin wir uns entwickeln könnten. Allerdings müssten auch hier die perönlichen Konsequenzen noch drastischer aufgezeigt werden, um wirklich zu schockieren.
     
     

    Fazit:

    "Der Circle" ist eine moderne Variante von "Brave New World" und "1984". Eggers entwickelt eine Welt, in der Anonymität und Nicht-Partizipieren im Netz absolute Tabus sind ("Teilen ist Heilen", "Geheimnisse sind Lügen", "Anonymität ist Diebstahl"). Stattdessen muss alles Wissen und  jede Aktivität im Netz festgehalten werden, Partizipation wird ganz groß geschrieben. Diese Welt ist für den Leser faszinierend, erschreckend und sehr detailreich beschrieben, wobei oftmals eine richtige Entwicklung in der Handlung fehlt und auch erst zum Ende hin wirklich Spannung aufkommt. Die Themen, die dort behandelt werden, sind dabei aber hochaktuell und gar nicht so aus der Luft gegriffen. Die Charaktere, deren Gedanken und Motive werden oftmals nur oberflächlich dargestellt und auch die Konsequenzen der nahezu absoluten Transparenz werden nur grob gestriffen, aber nicht drastisch genug dargestellt, um wirklich zu schockieren. Für Fans von modernen utopischen/dystopischen  Geschichten rund um die Macht von Medienunternehmen ist "Der Circle" aber durchaus lesenswert.
     
    3 / 5 Sterne
     


    Hier der Trailer zum Film mit Emma Watson und Tom Hanks:

    Dienstag, 25. April 2017

    Rezension: Promise Falls 3 - Lügenfalle von Linwood Barclay

    Hallo ihr Lieben!

    Heute melde ich mich mit einer Rezension zu "Lügenfalle" von Linwood Barclay bei Euch zurück. Der dritte und letzte Teil der "Promise Falls"-Trilogie konnte mich ebenfalls überzeugen und führt die Geschichte und ungelösten Geheimnisse zu einem würdevollen Ende.
     
     
    Cover: Droemer Knaur
    Details:
     
  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518708
  • ISBN-13: 978-3426518700
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:

    Am Memorial-Day-Wochenende kommt es in der Kleinstadt Promise Falls (New York) zur Katastrophe. Hunderte Menschen müssen mit grippeähnlichen Symptomen ins Krankenhaus - Dutzende sind bereits gestorben. Schnell machen die Ermittler das Trinkwasser als Ursache aus. Aber natürlich stellt sich für viele, nicht zuletzt für Privatdetektiv Cal Weaver, die Frage: Wer hat eigentlich etwas davon, das Trinkwasser zu vergiften?
    Detective Barry Duckworth hat unterdessen noch ein ganz anderes Problem: Eine College-Studentin ist ermordet worden, und die Handschrift des Killers war zuvor bereits bei zwei weiteren rätselhaften Fällen zu erkennen. Die Morde an den beiden Frauen konnten nicht aufgeklärt, der Täter nicht gefasst werden. Dennoch ergeben die ganzen seltsamen Vorkommnisse während der letzten Wochen plötzlich einen Sinn.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur
     
     
    Meine eigene Meinung:

    Auch wenn das Cover an sich nichts mit der Geschichte zu tun hat, gefällt es mir. Es ist einerseits sehr schlicht gehalten mit dem roten Hintergrund, wirkt mit der Ratte, die sich quasi durch die Buchstaben des Titels zwängt, trotzdem interessant.

    Der Schreibstil von Linwood Barlcay konnte mich auch dieses Mal wieder überzeugen. Er ist nicht sonderlich verschnörkelt und trotzdem fesselnd, was allerdings auch mit der Konzeption der Geschichte und den parallel verlaufenden Handlungssträngen zusammenhängt. Beim zweiten Teil hatte ich besonders kritisiert, dass durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge und Figuren ein bisschen die Spannung abhandenkommt und ich mich ein wenig erschlagen fühle. Das war dieses Mal zum Glück nicht der Fall, denn es wurde in kurzen Passagen oftmals erläutert, inwiefern die handelnden Personen in den Vorgänger-Teilen eine Rolle gespielt haben und in die Fälle verwickelt sind. Außerdem hat mich die Vergiftungswelle am Anfang, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschildert wurde, total gefesselt und man konnte das aufkommende Chaos sehr gut nachempfinden. Auch im weiteren Verlauf war die Geschichte durchweg spannend.
     
    Die Geschichte konnte mich dieses Mal auch wieder überzeugen. Sie wurde zum Teil aus der Ich-Perspektive von Ermittler Barry Duckworth geschildert, der einerseits damit beschäftigt ist, herauszufinden, wie das Wasser verunreinigt wurde, andererseits aber auch noch mit den ungelösten Morden (Olivia Fisher, Rosemary Gaynor) und den "23-Vorkommnissen" zu tun hat. Schließlich kommt mit der Studentin Lorraine Plummer ein drittes Opfer hinzu.  Sein Kollege Angus Carlson ist zur selben Zeit im Krankenhaus und versucht dort, den Schwestern und Ärzten zu helfen.
    Parallel dazu möchte Randall Finley, der arrogante und eigennützige Ex-Bürgermeister von Promise Falls, weiter an seinem Image arbeiten, um sich wieder zur Wahl aufstellen lassen zu können. Die Notsituation nutzt er wieder einmal für seine eigenen Zwecke und spendet sauberes Wasser aus seiner eigenen Wasserabfüllanlage. Dabei beteuert er stets uneigennützig zu handeln, was allerdings zum Teil unglaubwürdig erscheint. Ein Schicksalsschlag zeigt aber auch seine weichere Seite.
    Sein Wahlkampfhelfer / PR-Mann David Harwood ist derweil mit anderen Dingen beschäftigt, denn seine Gedanken kreisen ständig um seine neue Freundin Samantha Worthington und ihren Sohn Carl. Er kann sie nicht erreichen und glaubt nun, dass sie vor ihrem Ex-Mann geflüchtet sein könnte, der offenbar aus dem Gefängnis entkommen konnte und sich den Sohn holen möchte.
    Die anderen Charaktere, beispielsweise Walden Fisher (Olivias Vater), Victor Rooney (Olivias Verlobter) und Don Harwood (Davids Vater), sind weiterhin mit Gedanken beim ersten Opfer, während Joyce Pilgrim, die neue Sicherheitschefin am Thackery College, das dritte Opfer entdeckte und einige Nachforschungen anstellt.
    Privatdetektiv Cal Weaver steht währenddessen vor einer ungewohnten Situation: Er muss sich um Crystal, die Tochter von Lucy Brighton kümmern, als diese ihn panisch anruft, weil sich ihre Mutter nicht mehr bewegt und zuvor übergeben hat....
     
    Gerade was die drei Mordfälle und die "23-Vorkommnisse" angeht, war ich am Ende sehr überrascht, wer hinter den Taten steckt. Zwischendurch gelingt es Barclay, den Leser auf ein oder zwei falsche Fährten zu führen. Außerdem baut er am Ende noch einmal eine Wendung ein, mit der der Leser so ebenfalls nicht gerechnet hat. Die Geschichte ist am Ende in sich logisch abgeschlossen (Motive der Täter werden erläutert), allerdings hätte man den Nebenstrang mit David Harwood (Was ist am Ende passiert? Wie wird sich das auf die Beziehung zwischen ihm und Samantha auswirken?) und auch den Hauptstrang (Kommt Duckworth aus dem Badezimmer noch raus? Was ist mit seiner Gesundheit?) auserzählen können. Zudem hatte ich das Gefühl, dass der Autor das Ende etwas schnell erzählt hat - insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Ereignisse Teil der gesamten Trilogie sind und dementsprechend "aufgebauscht" wurden.
     
    Zu den Charakteren lässt sich weiterhin sagen, dass sie sehr gut ausgearbeitet sind und ihre Charaktereigenschaften aus dem Vorgängerteilen (Finlay: immer auf den eigenen Vorteil aus, Harwood: Beschützer, mutig, risikobereit; Duckworth: undiszipliniert, was seine Diät betrifft, umso disziplinierter im Job; Weaver: fürsorglich, risikobereit, mit Spürsinn dabei) wieder glaubwürdig vermittelt wurden und zum Ausdruck kamen.
     

    Fazit:

    Mit "Lügenfalle" findet die Promise Falls-Trilogie ihren würdigen Abschluss. Barclay gelingt es wieder einmal, eine spannende Geschichte zu erzählen und löst mit der Wasservergiftung ein richtiges Chaos aus, das den Leser sofort in den Bann ziehen kann. Fans der ersten beiden Teile sind natürlich daran interessiert, wer hinter den ungelösten Mordfällen und den "23-Vorkommnissen" steckt. Die Auflösung ist überraschend, wird letztlich aber sehr schnell runtererzählt. Mit einer Wendung zum Ende hin und kleinen falschen Fährten kann der Autor den Leser allerdings noch einmal überraschen. Lediglich einige der Nebenhandlungen hätten noch auserzählt oder die Schicksale der Figuren in einem Epilog erklärt werden können. Prinzipiell waren die Figuren wieder sehr gut ausgearbeitet und deren Charakterzüge (zu den Vorgängerteilen) glaubwürdig dargestellt.  
     
    4 / 5 Sterne
     
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Leseexemplars!