Dienstag, 25. April 2017

Rezension: Promise Falls 3 - Lügenfalle von Linwood Barclay

Hallo ihr Lieben!

Heute melde ich mich mit einer Rezension zu "Lügenfalle" von Linwood Barclay bei Euch zurück. Der dritte und letzte Teil der "Promise Falls"-Trilogie konnte mich ebenfalls überzeugen und führt die Geschichte und ungelösten Geheimnisse zu einem würdevollen Ende.
 
 
Cover: Droemer Knaur
Details:
 
  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518708
  • ISBN-13: 978-3426518700
  • Preis: 12,99


  • Inhalt:

    Am Memorial-Day-Wochenende kommt es in der Kleinstadt Promise Falls (New York) zur Katastrophe. Hunderte Menschen müssen mit grippeähnlichen Symptomen ins Krankenhaus - Dutzende sind bereits gestorben. Schnell machen die Ermittler das Trinkwasser als Ursache aus. Aber natürlich stellt sich für viele, nicht zuletzt für Privatdetektiv Cal Weaver, die Frage: Wer hat eigentlich etwas davon, das Trinkwasser zu vergiften?
    Detective Barry Duckworth hat unterdessen noch ein ganz anderes Problem: Eine College-Studentin ist ermordet worden, und die Handschrift des Killers war zuvor bereits bei zwei weiteren rätselhaften Fällen zu erkennen. Die Morde an den beiden Frauen konnten nicht aufgeklärt, der Täter nicht gefasst werden. Dennoch ergeben die ganzen seltsamen Vorkommnisse während der letzten Wochen plötzlich einen Sinn.
    Copyright Inhaltsangabe & Cover: Droemer Knaur
     
     
    Meine eigene Meinung:

    Auch wenn das Cover an sich nichts mit der Geschichte zu tun hat, gefällt es mir. Es ist einerseits sehr schlicht gehalten mit dem roten Hintergrund, wirkt mit der Ratte, die sich quasi durch die Buchstaben des Titels zwängt, trotzdem interessant.

    Der Schreibstil von Linwood Barlcay konnte mich auch dieses Mal wieder überzeugen. Er ist nicht sonderlich verschnörkelt und trotzdem fesselnd, was allerdings auch mit der Konzeption der Geschichte und den parallel verlaufenden Handlungssträngen zusammenhängt. Beim zweiten Teil hatte ich besonders kritisiert, dass durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge und Figuren ein bisschen die Spannung abhandenkommt und ich mich ein wenig erschlagen fühle. Das war dieses Mal zum Glück nicht der Fall, denn es wurde in kurzen Passagen oftmals erläutert, inwiefern die handelnden Personen in den Vorgänger-Teilen eine Rolle gespielt haben und in die Fälle verwickelt sind. Außerdem hat mich die Vergiftungswelle am Anfang, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschildert wurde, total gefesselt und man konnte das aufkommende Chaos sehr gut nachempfinden. Auch im weiteren Verlauf war die Geschichte durchweg spannend.
     
    Die Geschichte konnte mich dieses Mal auch wieder überzeugen. Sie wurde zum Teil aus der Ich-Perspektive von Ermittler Barry Duckworth geschildert, der einerseits damit beschäftigt ist, herauszufinden, wie das Wasser verunreinigt wurde, andererseits aber auch noch mit den ungelösten Morden (Olivia Fisher, Rosemary Gaynor) und den "23-Vorkommnissen" zu tun hat. Schließlich kommt mit der Studentin Lorraine Plummer ein drittes Opfer hinzu.  Sein Kollege Angus Carlson ist zur selben Zeit im Krankenhaus und versucht dort, den Schwestern und Ärzten zu helfen.
    Parallel dazu möchte Randall Finley, der arrogante und eigennützige Ex-Bürgermeister von Promise Falls, weiter an seinem Image arbeiten, um sich wieder zur Wahl aufstellen lassen zu können. Die Notsituation nutzt er wieder einmal für seine eigenen Zwecke und spendet sauberes Wasser aus seiner eigenen Wasserabfüllanlage. Dabei beteuert er stets uneigennützig zu handeln, was allerdings zum Teil unglaubwürdig erscheint. Ein Schicksalsschlag zeigt aber auch seine weichere Seite.
    Sein Wahlkampfhelfer / PR-Mann David Harwood ist derweil mit anderen Dingen beschäftigt, denn seine Gedanken kreisen ständig um seine neue Freundin Samantha Worthington und ihren Sohn Carl. Er kann sie nicht erreichen und glaubt nun, dass sie vor ihrem Ex-Mann geflüchtet sein könnte, der offenbar aus dem Gefängnis entkommen konnte und sich den Sohn holen möchte.
    Die anderen Charaktere, beispielsweise Walden Fisher (Olivias Vater), Victor Rooney (Olivias Verlobter) und Don Harwood (Davids Vater), sind weiterhin mit Gedanken beim ersten Opfer, während Joyce Pilgrim, die neue Sicherheitschefin am Thackery College, das dritte Opfer entdeckte und einige Nachforschungen anstellt.
    Privatdetektiv Cal Weaver steht währenddessen vor einer ungewohnten Situation: Er muss sich um Crystal, die Tochter von Lucy Brighton kümmern, als diese ihn panisch anruft, weil sich ihre Mutter nicht mehr bewegt und zuvor übergeben hat....
     
    Gerade was die drei Mordfälle und die "23-Vorkommnisse" angeht, war ich am Ende sehr überrascht, wer hinter den Taten steckt. Zwischendurch gelingt es Barclay, den Leser auf ein oder zwei falsche Fährten zu führen. Außerdem baut er am Ende noch einmal eine Wendung ein, mit der der Leser so ebenfalls nicht gerechnet hat. Die Geschichte ist am Ende in sich logisch abgeschlossen (Motive der Täter werden erläutert), allerdings hätte man den Nebenstrang mit David Harwood (Was ist am Ende passiert? Wie wird sich das auf die Beziehung zwischen ihm und Samantha auswirken?) und auch den Hauptstrang (Kommt Duckworth aus dem Badezimmer noch raus? Was ist mit seiner Gesundheit?) auserzählen können. Zudem hatte ich das Gefühl, dass der Autor das Ende etwas schnell erzählt hat - insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Ereignisse Teil der gesamten Trilogie sind und dementsprechend "aufgebauscht" wurden.
     
    Zu den Charakteren lässt sich weiterhin sagen, dass sie sehr gut ausgearbeitet sind und ihre Charaktereigenschaften aus dem Vorgängerteilen (Finlay: immer auf den eigenen Vorteil aus, Harwood: Beschützer, mutig, risikobereit; Duckworth: undiszipliniert, was seine Diät betrifft, umso disziplinierter im Job; Weaver: fürsorglich, risikobereit, mit Spürsinn dabei) wieder glaubwürdig vermittelt wurden und zum Ausdruck kamen.
     

    Fazit:

    Mit "Lügenfalle" findet die Promise Falls-Trilogie ihren würdigen Abschluss. Barclay gelingt es wieder einmal, eine spannende Geschichte zu erzählen und löst mit der Wasservergiftung ein richtiges Chaos aus, das den Leser sofort in den Bann ziehen kann. Fans der ersten beiden Teile sind natürlich daran interessiert, wer hinter den ungelösten Mordfällen und den "23-Vorkommnissen" steckt. Die Auflösung ist überraschend, wird letztlich aber sehr schnell runtererzählt. Mit einer Wendung zum Ende hin und kleinen falschen Fährten kann der Autor den Leser allerdings noch einmal überraschen. Lediglich einige der Nebenhandlungen hätten noch auserzählt oder die Schicksale der Figuren in einem Epilog erklärt werden können. Prinzipiell waren die Figuren wieder sehr gut ausgearbeitet und deren Charakterzüge (zu den Vorgängerteilen) glaubwürdig dargestellt.  
     
    4 / 5 Sterne
     
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Leseexemplars!
     

    Donnerstag, 23. März 2017

    Rezension: AchtNacht von Sebastian Fitzek

    Hallo ihr Lieben!

    Nun habe auch ich endlich das neueste Werk von Sebastian Fitzek gelesen und finde "AchtNacht" (bis auf ein paar kleine Logiklöcher) wirklich gut. Vor  allen Dingen ist es toll, dass der Autor kein großes Geheimnis daraus macht, dass er von "The Purge" inspiriert wurde - und trotzdem eine weitgehend eigene Geschichte entwickelt hat, die noch sehr viel mehr an Tiefe hat als der  "inspirierende" Horror-Action-Film.
     
     
    Details:
    Cover: Droemer Knaur / Knaur TB
     
  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (14. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426521083
  • ISBN-13: 978-3426521083
  • Preis: 12,99


  • Klappentext/Inhalt:

    Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
    Sie haben 80 Millionen Feinde.
    Werden Sie die AchtNacht überleben?

    Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
    Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
    In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
    Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
    Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

    Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
    Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
    Und Ihr Name wurde gezogen!
    Klappentext/Inhalt: Droemer Knaur / Knaur TB


    Meine eigene Meinung:


    Das Cover mit der blutroten Acht gefällt mir persönlich sehr gut, da es zum Titel und auch zur Geschichte passt. Denn in der Acht selber sieht man noch die Umrisse einer kleinen Person, die von einer Meute vieler anderer verfolgt wird - worum es letztlich nun mal auch geht.
     
    Zur Geschichte:  Ein Spiel mit einer Todeslotterie zu entwerfen, ist nicht gänzlich neu. So in der Art kennt man es beispielsweise aus Stephen Kings "Menschenjagd", "The Purge" oder eben zuletzt aus "Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel. Und trotzdem gelingt es Fitzek wieder einmal, den Leser in seinen Bann zu ziehen und eine ganz eigene Geschichte zu kreieren. Der Leser stellt sich schon von Anfang an folgende Fragen: Wen würde ich nominieren, wenn ich könnte? Wie würde ich reagieren, wenn meine Name gezogen werden würde? Wie würde ich als Gejagter oder gar als Jäger vorgehen? Das Vorstellungsvermögen bzw. die eigene Fantasie des Lesers wird somit unmittelbar angeregt und er versucht, sich in die handelnden Figuren hineinzuversetzen.
     
    Der Leser verfolgt die Geschichte rund um Benjamin Rühmann, den man als eine gescheiterte Persönlichkeit bezeichnen könnte, denn sein Leben liegt in Scherben. Vor fünf Jahren hat er einen Unfall verursacht, bei dem seine Tochter Jule schwer verletzt wurde und ihre beiden Beine amputiert werden mussten. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl und meistert ihr Leben trotz der Umstände eigentlich ganz gut. Die Ehe zu seiner Frau Jennifer hat das Schicksal allerdings nicht überlebt, die beiden führen aber trotzdem eine freundschaftliche Beziehung zu einander und es scheint so, als würde Ben seine Frau immer noch lieben. Aus seiner Band Fast Forward wurde er nach dem Unfall rausgeschmissen (sein Manager begrabschte Jule während der Autofahrt, weswegen es schließlich zum Unglück kam).
    Während Jule sich mit ihrem Schicksal anfreunden konnte und in einer behindertengerechten Wohnung lebt, läuft es bei Ben schlecht. Als Musiker hat er keinen Erfolg und seine Schuld versucht er in Alkohol zu ertränken. Als Jule sich scheinbar mit Absicht vom Dach ihres Studentenheims gestürzt hat, kommen Ben Zweifel, dass es sich dabei tatsächlich um einen Selbstmordversuch gehandelt haben könnte und er stellt Nachforschungen an. Am Tag des "Selbstmordversuchs" hatte Jule ihm zudem eine Nachricht hinterlassen, dass sie dringend reden müssten und ihr Vater vermutlich in Gefahr schwebe. Als Ben schließlich erfährt, dass er bei der AchtNacht, von der er zuvor noch nie etwas gehört hat, auserwählt wurde und nun als AchtNächter von anderen straffrei (und gegen eine Belohnung von 10 Millionen) gekillt werden kann, muss er um sein Leben laufen...
     
    Mir gefällt es, dass Sebastian Fitzek immer wieder Charaktere mit Ecken und Kanten entwickelt, mit denen der Leser mitfiebern kann und die trotz ihrer Macken und Fehler immer noch sympathisch sind. So erging es mir zumindest mit Benjamin Rühmann. Und auch die zweite Auserwählte der AchtNacht, Arezu Herzsprung, die  in dem Ganzen eine besondere Rolle spielt (welche wird hier natürlich nicht verraten...), ist nicht aalglatt: Die Psychologie-Studentin ritzt sich, ist total abgemagert und hat mit ihrer eigenen Vergangenheit, in der sie von Mitschülern gemobbt und geschlagen wurde, zu kämpfen. Gemeinsam versuchen die beiden dann hinter das Geheimnis von AchtNacht und dem Erschaffer "Oz" zu kommen.
    Währenddessen werden sie von sensationsgeilen Menschen verfolgt, die für Social-Media und perverse Plattformen Videos produzieren und versuchen, diese gewinnbringend an den Mann zu bringen. Um möglichst gute Aufnahmen zu bekommen, spielen sie mit Ben und Arezu ihr ganz eigenes Spiel... Zudem werden in den sozialen Netzwerken Aufenthaltsorte, Gerüchte und verschiedene Geschichten über die beiden Gejagten verbreitet, weshalb es für sie immer enger wird...
    Besonders gut finde ich es, dass man immer wieder Perspektivwechsel hat und die Geschichte nicht nur aus Sicht von Ben und Arezu geschildert bekommt, sondern auch aus Sicht der Verfolger, die zum Teil durchschauen, dass es sich bei AchtNacht um nichts Legales handeln kann und trotzdem ihren Profit mit Videos daraus schlagen wollen. Dadurch wird das Spannungslevel immer wieder angezogen und die Geschichte wird zu keiner Zeit langweilig oder gerät ins Stocken. Dies wird durch den abwechslungsreichen Schreibstil noch einmal unterstützt. Das Ende fand ich persönlich auch wieder sehr überraschend und ich hatte so den typischen "Fitzek-WTF-Moment", der mir in manchen Vorgängern (Passagier 23, Joshua Profil, Noah) teilweise gefehlt hat. Auch die Lösung auf die Frage, wer Ben nominiert haben könnte, hat mich echt überrascht.
     
    Die Thematik "FAKE NEWS" mit einem aus dem Ruder gelaufenen massenpsychologischen Experiment in einem fiktionalen Thriller aufzugreifen, finde ich clever und einzigartig - denn die Gedanken sind nicht so fernab der Realität. Die AchtNacht zeigt im Roman, dass Menschen eben nicht immer in der Lage sind, von echten und unechten Nachrichten zu unterscheiden (was gar nicht mal so unrealistisch ist!), dass seriöse Medien gerne auf solche "Fake"-News reinfallen und damit die Glaubwürdigkeit erhöhen und zu welchen (zwar hier überspitzt dargestellten) Konsequenzen es dadurch kommen kann. Allerdings hat das Szenario im Roman auch irgendwie ein Logikloch. Würde eine AchtNacht, die von "Unbekannten" ins Leben gerufen und online propagiert wird, nicht normalerweise von der Bundesregierung sofort boykottiert werden? Gerade wenn es heißt, der Bundespräsident würde die Aktion unterstützen und begrüßen, würde nicht dann sofort ein Dementi folgen? Davon liest man in "AchtNacht" allerdings nichts, auch die Polizei scheint gegen die Jäger nicht wirklich etwas zu unternehmen. Trotz dieses Logiklochs habe ich mich aber vom Thriller unterhalten gefühlt, der letztlich ja auch der Unterhaltung dienen soll und nicht immer alles zu hundert Prozent logisch erklären muss. Auch einige andere Dinge waren etwas übertrieben: Wenn ein schwer verletzter Mensch plötzlich aus dem Krankenhaus aufbricht, muss man schon ein bisschen mit dem Kopf schütteln...
     
    Nichtsdestotrotz gefällt  es mir, dass neben der "Fake"-News-Thematik auch weitere ernstzunehmende Themen wie Cyberbullying, Mobbing im Alltag, Hetze im Internet (die heutzutage ja leider keine Seltenheit mehr ist), usw. aufgegriffen werden und damit auch die Social-Media-Generation, der ich selbst ja nun auch angehöre, ein Spiegel vorgehalten wird und es bei Lesern eventuell auch zu einem Umdenken/ bewussteren Umgang mit den Medien kommt.
     
     

    Fazit:

    "AchtNacht" ist brandaktuell und zeigt gerade der jungen Social-Media-Generation, wohin bewusste Fake-News in der heutigen Zeit führen können. Auch wenn die AchtNacht nicht in voller Gänze logisch erscheint (Wo ist ein Dementi der Bundesregierung oder Polizei, die gegen die Jäger vorgeht und dem Quatsch ein Ende bereitet?), regt der Roman den Leser an, über seinen eigenen Medienkonsum nachzudenken und den Einfluss sozialer Netzwerke, in denen Hetze und Cyberbullying an der Tagesordnung stehen, zu hinterfragen bzw. sich dessen bewusst zu werden. Mit Benjamin Rühmann und Arezu Herzsprung - zwei Charakteren mit Ecken und Kanten - gelingt es Fitzek, wieder einmal eine spannende Geschichte - insbesondere eine spannende Jagd - zu erzählen, die vor allen Dingen durch Perspektivwechsel (auch aus Sicht der Jäger!)  und einen abwechslungsreichen Schreibstil punktet. Auch das Ende ist überraschend und konnte mich überzeugen. Wer hinter "AchtNacht" bloß eine billige Kopie von "The Purge" erwartet, der liegt falsch.
     
    4 / 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur / Knaur TB für das Leseexemplar!
     
     
     

    Samstag, 11. März 2017

    Rezension: Schatten von Ursula Poznanski

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zum vierten Teil der "Beatrice Kaspary und Florin Wenninger"-Reihe von Ursula Poznanski für Euch. "Schatten" ist erst gestern erschienen und ich hatte schon vorab die Möglichkeit, das Buch zu lesen. Vielen Dank an den Verlag für diese tolle Gelegenheit.
    Noch eine kurze Info: Ich habe die anderen Teile der Reihe nicht gelesen (außer "Fünf", was aber schon mehrere Jahre zurückliegt), kam mit der Handlung und den Charakteren nichtsdestotrotz aber super zurecht. Der Teil könnte somit ohne Vorkenntnisse gelesen werden, auch wenn der Psychiater Vasinski, der offenbar in einem früheren Fall eine Rolle gespielt hat, hier auch auftaucht.
     
     
    Details:
    Cover: Wunderlich/Rowohlt
     
  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (10. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3805250630
  • ISBN-13: 978-3805250634
  • Preis: 14,99


  • Inhalt:

    Eine Entführung. Drei Morde. Und ein Täter aus der Vergangenheit...

    Ein Mann, grausam zugerichtet in seiner Wohnung. Eine Hebamme, ertränkt in einem Bach - zwei Fälle, die Beatrice Kaspary als Ermittlerin im Dezernat Leib und Leben der Polizei Salzburg lösen muss. Schnell erkennt Beatrice, dass die beiden Morde zusammenhängen - und dass sie etwas mit ihr zu tun haben müssen. Denn sie kannte beide Toten. Sie konnte sie nicht leiden. Und sie weiß: Wenn sie nicht handelt, wird es weitere Opfer geben...
    Copyright Klappentext & Cover: Wunderlich / Rowohlt


    Meine eigene Meinung:

    Die Covergestaltung mit den Holzbalken und dem Himmel hat mir zunächst nicht so wirklich zugesagt, da ich sie relativ belanglos fand. Wenn man das Buch aber gelesen hat, dann macht das Ganze schon Sinn, denn das Wort "Holz" spielt zum Ende hin eine wichtige Rolle.
     
    Den Schreibstil von Poznanski fand ich alles in allem wirklich überzeugend, denn sie weiß genau, wie man den Leser fesselt. Am Anfang und zwischendurch waren es vor allen Dingen kurze Passagen aus Sicht des Killers, der überlegt, wer sein nächstes Opfer werden soll, die mich neugierig gemacht haben. Außerdem wollte ich natürlich wissen, was es nun mit den mysteriösen Fällen auf sich und ob und wie sie miteinander in Verbindung stehen. Es gelingt der Autorin somit von Anfang an, den Leser in den Bann des Buches zu ziehen und Spannung zu erzeugen. Die Spannung wird zudem die ganze Zeit über gehalten, da man immer wissen will, wer womöglich das nächste Opfer ist oder wie die Geschichte für Beatrice ausgeht.
     
    Dass die Mordopfer nicht wahllos ausgewählt werden, wird Beatrice Kaspary relativ schnell klar: Markus Wallner, das erste Opfer, hat sie flüchtig gekannt - und nicht gemocht. Am Tatort, in seiner Wohnung, fallen ihr dann Details auf, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammenhängen: Ein Zeitungsartikel im Schlafzimmer des Opfers erinnert zum Beispiel an den Mord von Kasparys Freundin Evelyn im Jahr 2001. Hat Markus Wallner Evelyn gekannt und womöglich ermordet? Beatrice lässt dieser Verdacht nicht mehr los, schließlich geriet Wallner gerne mit anderen aneinander und war bereits im Gefängnis.  Außerdem fällt ihr auf, dass der Täter offenbar ein Foto aus der Wohnung von Wallner entwendet hat - dieses wird später beim zweiten Opfer gefunden, das Beatrice ebenfalls kannte: Andrea Martinek, eine Hebamme, hatte sie ebenfalls getroffen - und nicht gemocht. Der Killer scheint somit ein Muster zu haben und alle Menschen um Beatrice auszulöschen, die sie nicht besonders mochte. Beim dritten Opfer (wer es ist, erwähne ich hier bewusst nicht...) wird in der Manteltasche der Ausweis des zweiten Opfers gefunden.
    Beatrice gerät schließlich selbst in den Fokus des Killers - stöbert im Tagebuch ihrer toten Freundin, um Antworten zu finden - und wird entführt... Ihr Kollege und Freund Florin Wenninger, ihre anderen Kollegen und Psychiater Christian Vasinski versuchen mit allen Mitteln, sie rechtzeitig wiederzufinden...
     
    Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, da sie sehr viele spannende Momente beinhaltet und auch nicht immer vorhersehbar ist. Auch die Auflösung, wer hinter der perfiden Mordserie steckt, war für mich sehr überraschend, da ich damit nicht gerechnet und eher eine andere Figur verdächtigt hatte.
     
    Auch die Charaktere sind alle sehr gut ausgearbeitet - gerade das Ermittler-Duo Wenninger und Kaspary war mir sehr sympathisch. Sie sind einerseits Kollegen, die sehr professionell miteinander umgehen, aber auch privat ein Paar, das noch am Anfang steht (ihre Beziehung halten sie vor Beas Kindern und ihren Kollegen geheim). Beatrice hat mich vor allen Dingen mit ihrer Cleverness und ihrem Spürsinn, besonders aber ihrer Hartnäckigkeit, in ihrer eigenen, schmerzhaften Vergangenheit zu wühlen, überzeugt. Insgesamt ist sie ein sehr tougher Mensch, den nichts so schnell aus der Bahn wirft. Florin hat großes Interesse daran, die Beziehung mit Beatrice offiziell zu machen und besonders ihre Kinder Jakob und Mina und ihren Ex-Mann Achim einzuweihen, gibt seiner Freundin aber weitere Zeit, da sie sich unsicher ist. Er ist somit eine sehr verständnisvolle Figur und seine Beziehung/ Liebe zu seiner Partnerin scheint echt, was sich auch in seiner ständigen Sorge im zweiten Teil des Buches und seiner Angst, zu versagen, widerspiegelt.
     
     

    Fazit:

    "Schatten" ist ein sehr gelungener Thriller, der von Anfang an Spannung erzeugt und konsequent bis zum Ende halten kann. Dies liegt sowohl am guten Schreibstil der Autorin als auch an der geschickt konzipierten Geschichte.  Die Mordserie, die sich hier ereignet, fesselt den Leser, denn er ist - ebenso wie die Protagonistin - daran interessiert, wer der Killer ist und was es mit ihm - und den Ereignissen in der Vergangenheit -  auf sich hat. Die beiden Hauptpersonen, deren Beziehung zueinander und ihre Charakterzüge sind sehr gut ausgearbeitet, so dass der Leser nicht nur am Fall, sondern auch tatsächlich am Privatleben der beiden interessiert ist. Auf weitere Fälle mit Kaspary und Wenninger freue ich mich.
     
    Sterne: 4,5 von 5
     
    Was meint ihr? Wie findet ihr die Reihe rund um Beatrice Kaspary und Florin Wenninger?
     
    Vielen Dank an Wunderlich/Rowohlt für das kostenfreie Leseexemplar!

    Samstag, 25. Februar 2017

    Rezension: Während du stirbst von Tammy Cohen

    Hallo ihr Lieben!

    Heute habe ich eine Rezension zu "Während du stirbst" von Tammy Cohen für Euch. Auch wenn der Thriller an Weihnachten spielt und Weihnachten schon längst vorbei ist, dachte ich mir, dass ich das Buch dennoch unbedingt lesen sollte und möchte Euch meine Meinung nicht vorenthalten. Das Buch habe ich schon öfter im Thalia liegen sehen und habe zugeschlagen, nachdem der Booktuber Phils Osophie zunächst sehr positiv darüber gesprochen hat. Letztlich hat es sich für ihn als Flop herausgestellt - für mich aber keineswegs. Wieso, weshalb, warum? Lest selbst!
     
     
    Details:
    Cover: Blanvalet / Randamhouse
     
  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (16. November 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3734102197
  • ISBN-13: 978-3734102196
  • Originaltitel: Dying for Christmas
  • Preis: 9,99
  •  
     
    Inhalt:
     
     
    "Sehr wahrscheinlich werde ich TOT sein, bevor Sie das hier zu Ende gelesen haben."


    Drei Dinge gibt es über Jessica Gold zu wissen: Sie ist neunundzwanzig Jahre alt, sie hat eine Knopfphobie, und sie wurde entführt. Von einem Fremden, der sie zwölf Tage lang in seiner Wohnung gefangen hält, sie mit perfiden Grausamkeiten quält, sie angekettet in einer Hundehütte am Fuß seines Bettes schlafen lässt. Und jeden Tag überreicht er seinem Opfer ein Geschenk – eines grausamer als das letzte –, bis Jessica am zwölften Tag sicher weiß: Der Mann wird sie töten. Doch Jessica hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt …
    Copyright Klappentext & Cover: Blanvalet
     
     
     
    Meine eigene Meinung:
     
    Die Covergestaltung finde ich alles in allem sehr ansprechend, denn sie passt zur Geschichte. Jessica bekommt von dem Mann, der sie gefangen hält, jeden Tag ein Geschenk überreicht. Daher finde ich es gut, dass man das Cover ganz in schwarz gehalten hat und mit einer ebenso schwarzen Schleife versehen hat. Dadurch strahlt das Buch etwas Düsteres aus und man bekommt Lust, "das Geschenk" zu öffnen und den Inhalt zu verschlingen.
     
    Die Geschichte hat mich von Anfang an in den Bann gezogen, denn der Leser fühlt sich zu Beginn direkt von der Protagonistin Jessica angesprochen: "Es kann gut sein, dass ich schon tot bin, wenn Sie das hier zu Ende gelesen haben" - so lautet der erste Satz. Von da an wollte ich unbedingt wissen, was dieser Figur Schreckliches widerfährt und wie es am Ende wirklich für sie ausgeht.
    So trifft Jessica nach ihrem Weihnachtsshopping am 24. Dezember in einem Café auf einen Unbekannten, der sich ihr als Dominic Lacey vorstellt. Obwohl die Protagonistin einen Freund - Travis - hat, entschließt sie sich zu dem Unbekannten ins Auto zu steigen und mit ihm in seine Wohnung zu fahren, um sich noch einen Drink zu genehmigen. Doch dort angekommen, wird ihr die Sache doch zu heikel und sie möchte gehen. Doch Dominic hat ganz andere Pläne: Er schließt die Tür ab, lässt Jessica nicht gehen und will sie bis zum 6. Januar bei sich behalten. Er will an den Weihnachtsfeiertagen nicht alleine sein und möchte, dass sie sich beide dem anderen gegenüber komplett offenbaren. Dies tut er, indem er ihr jeden Tag ein Geschenk gibt, einen Gegenstand aus seiner Vergangenheit, und eine Anekdote aus seiner tragischen Kindheit und Jugend erzählt. Hier habe ich mir insgeheim erhofft, dass die Geschenke noch spannender bzw. erschreckender sind, als es dann am Ende tatsächlich der Fall war. Zudem finde ich, dass sich der Part, bis alle Geschenke verteilt sind, etwas gezogen hat und auch keine richtigen Überraschungen beinhaltet hat.  Jessica wird zum Ende hin bewusst, dass sie dort womöglich nicht mehr lebend raus kommt (Dominic hatte zuvor schon zwei Frauen und einen Sohn; die eine Frau hat sich und den Sohn umgebracht, die andere Frau scheint er umgebracht zu haben). Aber noch viel schlimmer: Während ihres Aufenthalts wird sie immer wieder erniedrigt - Sie muss Fleisch essen, obwohl sie Vegetarierin ist; Sie wird ständig angekettet und muss im Schlafzimmer in einer Hundehütte schlafen; ihr wird unfreiwillig ein Tattoo verpasst und er sieht ihr zu, wenn sie auf Toilette muss.
     
    Das Besondere an der Situation ist für den Leser das Wechselspiel zwischen den beiden, das immer wieder für Spannung sorgt. Einerseits ist der Leser gespannt, welches Geschenk Jessica am nächsten Tag erwartet und welche kranke Geschichte von Dominic sich dahinter verbirgt, andererseits ist man gespannt, wie er sie an diesem Tag behandeln wird. Ist er mit ihr nicht zufrieden, wird sie auf eine perfide Art gequält. Die Art ist gar nicht mal immer so krass, beeinträchtigt eine Person psychisch zum Teil aber sicherlich enorm. Auf der anderen Seite versucht er aber auch liebevoll mit ihr umzugehen und spricht sie immer wieder mit Kosenamen an, während sie beim förmlichen  "Sie" bleibt. Natürlich wird Jessica ab und an auch leichtsinnig und versucht zu fliehen, was ihm nicht entgeht und wofür sie dann immer wieder büßen muss. Jessica geht es außerdem von Tag zu Tag schlechter: ihr fallen ihre Haare aus, sie bekommt einen heftigen Hautausschlag und ihre Nägel fallen einfach ab. Wie und ob es für die Protagonistin gut ausgeht, will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, allerdings kommt im zweiten Teil des Buches wirklich alles komplett anders. Diese Wendung war absolut unvorhersehbar. Von diesem Punkt an passiert insgesamt nicht mehr viel, aber dem Leser wird nach und nach offenbart, welche Rolle Jessica wirklich spielt und was sich wirklich alles zugetragen hat. Mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten. Insgesamt würde ich aber nicht sagen, dass der Teil weniger spannend ist, denn alles erscheint plötzlich in einem anderen Licht und auch am Ende gibt es noch Überraschungen.
     
    Gut gefallen hat mir auch, dass Jessica als Figur zunächst für den Leser nicht gänzlich greifbar ist (obwohl die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird), da das auch zu ihrer Beschreibung passt. Sie ist ein verschlossener Mensch, der eigentlich keine richtigen sozialen Kontakte hat. Auch die Beziehung zu ihrem Freund läuft schlecht und man merkt, dass sie sich selbst eigentlich darüber im Klaren ist, dass sie nichts für ihn empfindet. Zu ihrer Familie hat sie insgesamt auch ein merkwürdiges Verhältnis, denn von ihren Geschwistern und Eltern wird sie immer nur als "seltsam" beschrieben und hat sogar Sitzungen bei einer Psychotherapeutin geschenkt bekommen. Immer wieder wird davon berichtet, dass sie ab und an Aussetzer hat und manchmal nicht ganz anwesend ist (manche dieser Ereignisse machen hinterher aber sogar Sinn!). Auch scheint sie des Öfteren irgendwelche vermeintlichen Stimmen zu hören.
    Neben den beiden Protagonisten gibt es auch noch eine dritte Hauptfigur: Polizistin Kim. Der Polizisten-Aspekt ist hier wiederum etwas klischeehaft dargestellt. Welcher Polizist hat eigentlich keine privaten Probleme? Die Polizistin steht kurz vor dem Ehe-Aus, ihr Mann will, dass sie sich entscheidet: Beförderung/Job oder Familie? Die Mutter von zwei Kindern hat mit dieser Entscheidung zunächst zu kämpfen, stürzt sich aber selbst an Weihnachten lieber in die Arbeit, als bei ihrer Familie zu sein. Als ihr Mann schließlich will, dass sie auszieht, freut sie sich sogar über die Zeit, die sie nun mehr in ihre Arbeit investieren kann. Ob sich ihre Einstellung zum Ende hin ändert, lasse ich an dieser Stelle offen. Zu ihr lässt sich außerdem sagen, dass sie sehr clever an den Jessica-Gold-Fall rangeht und auch ein bisschen kritisch denkt, was im Endeffekt genau richtig ist.
     
     

    Fazit:

    Tammy Cohen versteht es, den Leser zunächst an der Nase herumzuführen. "Während du stirbst" ist ein spannender, wendungsreicher Thriller, der in der zweiten Hälfte noch einmal für ordentliche Überraschungen sorgt. Diese lassen die Geschichte letztlich in einem anderen Licht dastehen, wie man es zuvor nicht erwartet hat. Die erste Hälfte lebt vor allem vom perfiden Wechselspiel zwischen Jessica und Dominic, das der Leser gespannt verfolgt. Beide Charaktere - mit ihren Eigenarten und Geschichten - sind sehr gut ausgearbeitet, wenn auch - sicherlich mit Absicht - nicht immer greifbar. Auch wenn in der zweiten Hälfte grundsätzlich handlungstechnisch weniger passiert, ist diese nichtsdestotrotz mindestens genauso spannend.  Die Geschichte rund um Protagonistin Kim hingegen wirkt etwas klischeehaft (Warum hat immer jeder Polizist private Probleme?) und konnte mich nicht gänzlich überzeugen. Auch habe ich mir insgeheim erhofft, dass die Geschenke, die Jessica bekommt, erschreckender sein werden und der Part, bis alle Geschenke verteilt sind, noch mehr Überraschungen bzw. Abwechslung beinhaltet.
     
    3,5 von 5 Sterne
     
     
     

    Donnerstag, 23. Februar 2017

    Rezension: Eisige Schwestern von S. K. Tremayne

    Hallo ihr Lieben!

    Im Januar habe ich bereits Stiefkind von S. K. Tremayne für Euch rezensiert und habe nun auch seinen Debüt-Roman "Eisige Schwestern" gelesen. Auch wenn dieser Psychothriller auf anderen Blogs schon kreuz und quer rezensiert wurde, möchte ich Euch meine Meinung nicht vorenthalten.


    Details:
    Cover: Knaur

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Dezember 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426520141
  • ISBN-13: 978-3426520147
  • Originaltitel: The Ice Twins
  • Preis: 9,99


  • Inhalt:

    Ein Jahr nachdem die sechsjährige Lydia durch einen tragischen Unfall ums Leben kam, sind ihre Eltern Sarah und Angus psychisch am Ende. Um neu anzufangen, ziehen sie zusammen mit Lydias Zwillingsschwester Kirstie auf eine atemberaubend schöne Privatinsel der schottischen Hebriden. Doch auch hier finden sie keine Ruhe. Kirstie behauptet steif und fest, sie sei in Wirklichkeit Lydia und die Eltern hätten den falschen Zwilling beerdigt. Bald hüllen Winternebel die Insel ein, Angus ist beruflich oft abwesend, und bei Sarah schleicht sich das unheimliche Gefühl ein, etwas stimme nicht. Zunehmend fragt sie sich, welches ihrer Mädchen lebt. Als ein heftiger Sturm aufzieht, sind Sarah und Kirstie komplett isoliert und den Geistern der Vergangenheit ausgeliefert.
    Copyright Klappentext & Cover: Knaur
     
     
    Meine eigene Meinung:
     
     
    Zunächst einmal muss ich sagen, dass das Cover wirklich perfekt zum Inhalt passt: die düstere Insellandschaft mit dem Leuchtturm erinnert an die Insel Torran aus dem Thriller, die beiden Mädchen im Vordergrund (eines halb unsichtbar, geisterhaft) erinnern an Kirstie und Lydia. Auch der Titel "Eisige Schwestern" passt, denn der Großvater hat die Zwillinge wegen ihrer blassen Erscheinung und ihren weißblonden Haaren immer so genannt.
     
    Zur Geschichte: Die Handlung beginnt damit, dass Sarah und Angus Moorcroft alles dafür vorbereiten, um auf die Insel Torran zu ziehen, die Angus von seiner Großmutter vererbt bekommen hat. Diesen Schritt wollen die beiden gehen, um einen Neuanfang für sich und ihre Tochter Kirstie zu wagen. Vor 13 Monaten hat sich ein schreckliches Unglück ereignet: Sarah war mit ihren Zwillingen alleine, als  Lydia vom Balkon stürzte und daraufhin im Krankenhaus starb. Kurz vor dem geplanten Umzug macht Kirstie ein schauriges Geständnis: Sie behauptet, dass sie in Wahrheit Lydia ist und Kirstie bei dem Unglück gestorben ist. Stimmt das, oder ist das nur ein Hirngespinst ihrer Tochter, die sich seelisch mit ihrer toten Schwester verbunden fühlt und nun ein Identitätsproblem hat? Einige Indizien sprechen aber tatsächlich dafür, dass die noch lebende Tochter Lydia ist: Hund Beany verhält sich ihr gegenüber genauso, wie er sich Lydia gegenüber immer verhalten hat; Kirsties Lesefähigkeiten haben urplötzlich einen großen Sprung gemacht (eigentlich war Lydia eine Leseratte) und Kirstie spielt plötzlich mit Lydias altem Spielzeug und den Freunden von ihr. Ohne wirklich Geld zu haben, zieht die Familie also in das heruntergekommene Haus auf der Insel...
     
    Wer ist wer? Wer ist tot, wer lebt? Lebt Lydia - Sarahs Liebling? Lebt Kirstie - Angus Liebling? Diese Thematik  hat mich von Anfang an wirklich gepackt, da ich die ganze Zeit über selber nicht wusste, was ich nun denken soll. Aus der Ich-Perspektive von Sarah bekommt man ihre Gedanken, ihre Trauer, ihre Verwirrtheit und Hoffnung auf ein besseres Leben auf Torran unmittelbar zu spüren. Auch ihr Misstrauen gegenüber ihrem Mann Angus, der seit dem Tod der Tochter ständig Alkohol trinkt und sogar seinen Job verloren hat, kommt sehr klar rüber. Sie weiß nicht, ob sie ihre Gedanken wirklich mit ihrem Mann teilen kann und auch so scheint die Beziehung der beiden einen ordentlichen Knacks zu haben. Vor ein paar Jahren hatte Sarah eine Affäre, ihr Mann hat ihr allerdings verziehen. Kapitel aus Angus Sicht zeigen aber, dass er aus einem unbekannten Grund einen hiesigen Groll gegenüber seiner Frau hegt, offenbar mehr über die Zwillingssache weiß und auch des Öfteren Gewalt-Visionen hat. Der Leser ist also einerseits daran interessiert, zu erfahren, was genau zwischen den Eheleuten ist und welcher Zwilling nun tot beziehungsweise lebendig ist, wodurch sich ein Spannungsbogen aufbaut, der auch von verschiedenen Cliffhangern am Ende der Kapitel getragen wird. Die Charaktere sind - wie zuvor schon angedeutet - sehr gut ausgearbeitet. Auf der einen Seite hat man den maskulinen, starken Angus, der im Inneren eigentlich gar nicht so stark ist und seine Trauer mit Alkohol wegspült. Auf der anderen Seite ist Sarah, die sich selbst ein bisschen abkapselt, ihre Gedanken häufig für sich behält, sich insgeheim aber eine intakte Familie wünscht und sich zu einem gewissen Punkt auch noch zum teil zu ihrem Mann hingezogen fühlt. Mit der kleinen Kirstie/Lydia kann der Leser mitfühlen: auf Torran wird für sie eigentlich nichts besser. Sie weiß nicht wirklich, wie sie mit ihrem Verlust umgehen soll, redet oft im Plural von sich und legt ein merkwürdiges Verhalten an den Tag, wodurch sie auf den Leser allerdings nicht unsympathisch wirkt. In der Schule findet sie keinen Anschluss und bleibt für sich, redet mit ihrem verstorbenen Zwilling. Das Handeln der Personen konnte ich aber nicht immer gänzlich nachvollziehen (Beispiel: Sarah findet heraus, dass ihr Mann womöglich eine Affäre mit ihrer besten Freundin hat, nach einem Streit mit Kirstie hat sie aber nichts Besseres zu tun, als mit ihrem Mann zu schlafen?! Anschließend verabscheut sie ihn aber und wirft ihn raus? Sinn?! Zumal sie zuvor selbst eine Ehebrecherin war und ihren Mann betrogen hat, ihm kann sie aber nun nicht verziehen. Ok.)
     
    Ich finde, dass das letzte Drittel des Thrillers spannungs- und storytechnisch nachlässt. Immer wieder tauchen ähnliche Sequenzen zwischen Angus und Sarah auf, die sich immer schlechter verstehen. Auch was den lebendigen Zwilling betrifft, dreht man sich noch ein paar Mal im Kreis wegen des merkwürdigen Verhaltens. Ab und an hatte ich einfach das Gefühl, dass es keine richtige Entwicklung gibt. Zumal man bereits ab Mitte des Buches ungefähr weiß, was sich tatsächlich zugetragen hat (allerdings noch nicht das ganze/ richtige Ausmaß). Das Ende fand ich persönlich nicht schlecht, aber auch nicht komplett überraschend. Es ist im Grunde fast so, wie man es in der Mitte des Buches geschildert bekommt, nur erfährt man, was Sarah am Tag des Unfalls getrieben hat und wie sich der Unfall wirklich zugetragen hat. So hat man am Ende auch das Gefühl, nicht einen richtigen Psychothriller gelesen zu haben, sondern ein sehr tragisches Familien-Drama.
     
    Punkten konnte S. K. Tremayne die ganze Zeit über durch seinen detailreichen Schreibstil, der immer eine gruselige, teils beklemmende Atmosphäre erzeugt hat. Auch die zahlreichen Beschreibungen des Settings lassen im Kopf des Lesers ein genaues Bild entstehen, was zur Atmosphäre durchaus beiträgt.
     
     

    Fazit:

    Hinter "Eisige Schwestern" verbirgt sich letztlich ein tragisches Familien-Drama, das sich als Psychothriller tarnt. Die Geschichte ist spannend konzipiert; der Leser möchte unbedingt wissen, welcher Zwilling lebt/tot ist und weshalb Angus so einen Groll gegen seine Frau Sarah hegt. Was hat sich am Tag des Unfalls zugetragen? Die Charaktere - ihre Trauer, Verwirrtheit, Sorge - sind sehr gut ausgearbeitet, allerdings ist das Handeln der Figuren oftmals nicht komplett nachvollziehbar. Punkten kann S. K. Tremayne vor allem durch seinen detailreichen Schreibstil, mit dem er das Setting sehr gut beschreibt und für eine düstere Grundstimmung sorgt. Auch die oft auftretenden Cliffhanger am Ende der Kapitel sorgen dafür, dass der Leser weiter und weiter liest. Das letzte Drittel lässt spannungs- und storytechnisch dann aber etwas nach, da immer ähnliche Sequenzen wieder und wieder aufgegriffen werden und man als Leser nicht wirklich das Gefühl hat, dass sich etwas weiterentwickelt. Das Ende ist nicht schlecht, aber auch nicht überraschend, denn es verhält sich am Ende so, wie man es ab Mitte des Buches ungefähr schon weiß, nur die ganze Tragik/der Hintergrund wird richtig erläutert.
     
    3,5 von 5 Sterne
     
     
    Vielen Dank an Droemer Knaur für das Zusenden eines kostenfreien Leseexemplars.